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Herforder Kreisanzeiger / Neue Westfälische , 14.11.2005 :

(Herford) "Ohne Erinnerung gibt es keine gemeinsame friedliche Zukunft" / Gehaltvolle Feierstunde zum Volkstrauertag: Bürgermeister Bruno Wollbrink mahnte, keinen Schluss-Strich zu ziehen

Herford (bra). Die Feierstunde zum Volkstrauertag ist weit gehaltvoller als eine Pflichtübung. Mag es am 60. Jahrestag des Kriegsendes liegen oder an einem gewachsenem Bewusstsein: Mehr als 150 Bürger und Repräsentanten versammelten sich gestern am Mahn- und Ehrenmal Bergertor.

"Der Krieg ist nicht an einem Tag vorbei." Bürgermeister Bruno Wollbrink zitierte den Titel eines Buches, das der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge herausgegeben hat und mahnte damit, keinen Schluss-Strich unter die Schrecken zweier Weltkriege zu ziehen. Mehr noch, Wollbrink sagte: "Ein Ausstieg aus der Geschichte, das Verdrängen des Grauens, das dieses Jahrhundert deutscher und europäischer Geschichte geprägt hat, ist unmöglich, vielleicht sogar der erste Schritt zu neuem Hass."

Angesichts der sechs Jahrzehnte, die zwischen dem Grauen und der Gegenwart liegen, erklärte der Bürgermeister: "Wenn persönliche Erfahrungen und Betroffenheit mit den Generationen entschwinden, brauchen wir Gedenkorte und solche Gedenktage." In diesen Zusammenhang passte die Präsentation von Olga Hartwig und Alexandra Liebert. Die beiden Auszubildenden der Stadtverwaltung erinnerten in einer Wechselrede an die Opfer. Dazu spielte der Bläserkreis der Christusgemeinde, der die Gäste zuvor mit ausgezeichnet geblasener Barockmusik eingestimmt hatte, "Ich hatt' einen Kameraden".

Jugendliche definieren den Themenkomplex Volkstrauertag und Frieden offenbar in einem weiteren, aktuellen Zusammenhang. Jedenfalls berichtete der Bürgermeister von einen Gespräch mit einem jungen Mann, der sich für ein friedliches Miteinander aussprach, für Verständnis, für die Anerkennung anderer Meinungen und Glaubensrichtungen, für die Integration von Behinderten und Toleranz gegenüber jedem. Zwar schränkte Wollbrink ein, dass sich nicht alle Jugendlichen solch komplexe Gedanken machen, doch sei ihm deutlich geworden, dass "wir die gesellschaftliche Verpflichtung des Erinnerns und Gedenkens ernst nehmen müssen, zumal Allmachtsphantasien, systematische Menschenrechtsverletzungen und Völkerhass keineswegs von unserem Globus verschwunden sind".

Den Bogen zurück zum Anlass des Volkstrauertages schlug Wollbrink mit dem Appell: "Ohne Erinnerung gibt es keine Versöhnung und keine gemeinsame friedliche Zukunft."


lok-red.herford@neue-westfaelische.de

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