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Deister- und Weserzeitung , 14.11.2005 :

(Bad Pyrmont) "Der Volkstrauertag ist kein Tag der Heldenverehrung" / Eindringliche Worte zur Feierstunde in der Schlossstraße

Bad Pyrmont (jl). All jene, in deren Augen dem Volkstrauertag eine unangenehm pathetische Note anhaftet, wurden gestern bei der Feierstunde am Ehrenmal in der Schlossstraße eines Besseren belehrt. Denn längst wird zu dieser Gelegenheit nicht mehr nur an die zu Tode gekommenen deutschen Soldaten der Weltkriege erinnert, sondern zum Gedenken an alle Menschen aufgerufen, die durch Krieg und Gewaltherrschaft zu Tode kamen und noch kommen. Das machten alle drei Redner bei der von rund 150 Menschen - darunter mehreren Abordnungen örtlicher Vereine - besuchten Feier klar.

"Der Volkstrauertag ist kein Tag der Heldenverehrung", sagte Bürgermeister Klaus-Henning Demuth - verbunden allerdings mit dem Appell, auch kollektive Trauer zuzulassen, "als Teil der Würde des Menschen". Denn: "Ohne die Erinnerung an die schrecklichen Irrwege der Vergangenheit gibt es keine Versöhnung und keine gemeinsame friedliche Zukunft. Wir alle ( ... ) bleiben dicht eingebunden in eine kollektive Mitverantwortung für Geschehenes und Zukünftiges."

An vier konkrete Schicksale aus Holzhausen erinnerte Helmut Eichmann, Vorsitzender des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge: An Namen getöteter Soldaten wie Hans Beck sowie der Brüder Alfred, Hermann und Kurt Dombrowa zeigten sich die Kriegsfolgen im ganz persönlichen Umfeld noch heute.

Eichmann beschrieb den Volkstrauertag als "Tag des Innehaltens und Mitgefühls, an dem wir uns ganz besonders bewusst werden, wie wertvoll es ist, sich für ein friedliches, gerechtes Zusammenleben der Menschen einzusetzen".

Jörn Contag, neuer Pastor der St.-Petri-Gemeinde, appellierte aus aktuellem Anlass an die Toleranz der Menschen. Vor dem Hintergrund der im Vorfeld darüber geführten Diskussion, dass zwei Posaunenchor-Mitglieder es abgelehnt hatten, "Ich hatte einen Kameraden" zu spielen, sagte Contag: "Der Respekt vor der Gewissensbindung anderer ist eine Grundlage des Friedens. Eine Gesellschaft, in der das Gewissen Einzelner den Respekt aller erfährt, ist eine Gesellschaft, in der Kirche und Menschen gut leben können. Wenn es uns gelingt, auch zukünftig diese Kraft zum Frieden aufzubringen, dann haben wir guten Grund zum Stolz."

Vor der Feier hatten Vertreter von Stadt und Volksbund Kränze auf den Friedhöfen von Oesdorf und Holzhausen sowie auf dem jüdischen Friedhof niedergelegt.


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