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Vlothoer Zeitung / Westfalen-Blatt , 12.11.2005 :

"Collegium" soll verschwinden / 150 Vlothoer protestieren gegen die Aktivitäten der Holocaust-Leugner

Von Angelika Krückemeier

Vlotho (VZ). 150 Teilnehmer der Mahnwache haben gestern Abend ein deutliches Zeichen gegen das "Collegium Humanum" gesetzt: Keine Heimat für Holocaust-Leugner! "Diese Einrichtung, mit der eine ernst zu nehmende Auseinandersetzung nicht möglich ist, hat in Vlotho und in unserem Land nichts zu suchen", sagte Valdorfs Pfarrer Christoph Beyer.

Während die Teilnehmer der an diesem Wochenende auf dem Winterberg stattfindenden Jahrestagung vorfuhren, versammelten sich 150 Bürgerinnen und Bürger vor dem "Collegium Humanum", darunter auffallend viele Schüler und Jugendliche. Die aus Bielefeld angerückte Hundertschaft der Bereitschaftspolizei hielt sich fast unsichtbar im Hintergrund. "Wir erwarten eine friedliche Veranstaltung", erklärte Dirk Bartelmeier, Pressesprecher der Herforder Polizei.

Friedlich, aber unmissverständlich machten alle Redner der vom "Bündnis gegen das Collegium Humanum" initiierten Mahnwache deutlich, um was es geht: um die Forderung, diese Bildungsstätte der Rechtsextremisten zu schließen. Denn, so Christoph Beyer, "hier kommen Menschen zusammen, die die Wahrheit auf den Kopf stellen, sie klein und sauber lügen wollen".

Durch die Aktivitäten und Schriften des im "Collegium Humanum" gegründeten und beheimateten Vereins der Holocaust-Leugner würden die Opfer der Nazi-Herrschaft verhöhnt. Wer lese, was Horst Mahler - der ehemalige RAF- und spätere NPD-Anwalt zählt zu den Mitbegründern des Vereins - via Internet veröffentlicht, erkenne, "dass wir es hier mit modernem, abstrusen Judenhass zu tun haben", sagte Beyer.

Mit einer eindrucksvollen Rede forderten zwei Schüler des Weser-Gymnasiums, dem rechtsextremistischen Spuk endlich ein Ende zu machen. "Im Collegium Humanum wird die ideologische Grundlage gelegt für die Ausschreitungen gegen Ausländer und andere Minderheiten in ganz Deutschland. Hier liefern Erwachsene den jugendlichen Randalierern die Argumente", erklärten Lars Plaßmeier und Philipp Rösner. "Aus welcher dunkelbraunen Ecke der Verein zur Rehabilitierung der Auschwitz-Leugner kommt, kann man schon daran erkennen, dass das Gründungsdatum ausgerechnet der 9. November (2003) ist; das Datum, an dem sich 1938 die so genannte Reichskristall ereignet hat."

Wenn die Unterrichtsinhalte an deutschen Schulen ernst genommen werden sollten, müsse man sie auch in die Tat umsetzen. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass der Nationalsozialismus in der Vlothoer Öffentlichkeit wieder auflebt. Deswegen wenden wir uns im Namen aller Schülerinnen und Schüler gegen eine Organisation, die Lügen verbreitet und zu Rassismus aufruft", erklärten die beiden Schülersprecher.

Über die Aktivitäten der Holocaust-Leugner berichtete Bernhard Wagner von der Antifa-West. Die Bielefelder Gruppe verfolgt seit Jahren das Geschehen im "Collegium Humanum". Als einen der herausragenden Protagonisten nannte er den Vlothoer Udo Walendy. Bereits wegen Volksverhetzung verurteilt, habe er vor einem Jahr noch die Juden als Völkermörder bezeichnet. "Das wurde dann per DVD verbreitet."

Auch in Vlotho gab es eine "Reichspogromnacht", brannte die Synagoge, wurden 41 Juden in die Konzentrationslager deportiert. Ihrer wird am heutigen Sonnabend auf einem "Erinnerungsgang" durch die Stadt gedacht. Treffen ist um 11 Uhr auf dem Platz vor Lohmeier-Schaltschränke an der Bonneberger Straße.

12./13.11.2005
redaktion@vlothoer-zeitung.de

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