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Junge Linke Lippstadt , 09.11.2005 :

9. November in Lippstadt

Wie in den vergangenen Jahren auch, fand heute anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht von 1938 in Lippstadt eine Gedenkveranstaltung statt.

Aufgerufen hatte das Lippstädter "Bündnis 9. November", dem u.a. auch die Junge Linke Lippstadt angehört. Gegen 17 Uhr versammelten sich für lippstädter Provinzverhältnisse zahlreiche TeilnehmerInnen um den Opfern des antisemitischen Wahns zu gedenken. In einem ersten Redebeitrag ging die Junge Linke auf die Ereignisse der Pogromnacht 1938 ein, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Zeit von 1933 bis 1945 in Lippstadt gelegt wurde. Darauf folgte ein zweiter Beitrag, in dem auf die bis in die Gegenwart reichenden Kontinuitäten antisemitischen Wahns und Handelns eingegangen wurde. Denn das Gedenken an das singuläre Verbrechen der Shoa darf nicht bei der historisierenden Darstellung (so fern überhaupt möglich) stehen bleiben. Eine Auseinandersetzung mit den Ursachen ist zwingend erforderlich und muss zu einer konsequenten Ächtung und Bekämpfung jeder Form des Antisemitismus führen. So wurde in dem Beitrag ein besonderer Fokus auf modernisierte Erscheinungsformen des Antisemitismus gelegt: der Beitrag thematisierte neben der Problematik der verkürzten Kritik kapitalistischer Produktionsverhältnisse, besonders das Phänomen des Antizionismus, einer Ideologie die von Duisburger linken Antiimperialisten (wie etwa Initiativ e.V.) über die so genannte Mitte der Gesellschaft bis hin zu dem neonazistischen Kameradschaftsstruktueren reicht.

"In der Auseinandersetzung um den Nahostkonflikt zeigen sich immer wieder antisemitische Argumentationen, die sich mehr schlecht als recht in ein Gewand legitimer Kritik am konkreten Handeln Israels kleiden ( ... ). In der gängigen Berichterstattung wird Israel permanent eine angeblich 'rassistische' und 'völkerrechtswidrige Politik' gegenüber den Palästinensern vorgeworfen ( ... ), dabei wird allzu oft übersehen, dass der Staat Israel von ihm feindlich gesinnten, reaktionären arabischen Regimes umgeben ist, die nach seiner Vernichtung drängen", erklärte der Redner. Um diesen Sachverhalt auf den Punkt zu bringen wurde Hannah Arendt mit ihrer Aussage "Israel ist der Jude unter den Staaten" zitiert.

Konsequent wurde selbstverständlich auch der Akt des Selbstmordattentates kritisiert: "(hier) zeigt sich das Ziel nur allzu deutlich, möglichst viele Jüdinnen und Juden ( ... ) in den Tod zu reißen." Auch die jüngsten Äußerungen des iranischen Regimes, man solle Israel von der Landkarte tilgen, stellte die Junge Linke in diesen Kontext. "Sie lässt sich als nichts anderes, als ein Aufruf zur antisemitischen 'Endlösung' interpretieren. Schaut man sich die Pläne der iranischen Atombombe an, ist zweifellos zu erkennen, wie ernst zu nehmen diese Bedrohung ist." Zu dem stellte auch die deutsche Vergangenheitsbewältigung und der damit einhergehende sekundäre Antisemitismus einen wichtigen Teil des Redebeitrages dar. Konkret wurde so der alljährlich (auch von der Stadt Lippstadt)zelebrierte "Volkstrauertag" als Beispiel aufgeführt.

Da das "Bündnis 9. November" es jedoch nicht bei der heutigen Gedenkveranstaltung belassen will, findet in einem Monat, am Freitag, den 9. Dezember ein, von dem Bündnis organisierter Vortrag zur Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus statt. Als Referent geladen ist Michael Fehrin vom Antirassistischen Bildungsforum Rheinland. Konkretes zum Veranstaltungsort findet sich demnächst unter:

www.junge-linke.tk.


lijuli@web.de

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