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Der Patriot - Lippstädter Zeitung , 10.11.2005 :

"Erinnerung ist unsere Pflicht" / 1938 brannte auch in Lippstadt die Synagoge / "Neue Formen des Antisemitismus"

Lippstadt. Etwa 40 Bürgerinnen und Bürger erinnerten gestern Abend am jüdischen Mahnmal in der Rathausstraße an das Schicksal der Lippstädter Juden. Anlass der Gedenkstunde war der 67. Jahrestag der so genannten Reichskristallnacht. Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 sei "die wohl schrecklichste in der deutschen Geschichte" gewesen, sagte ein Sprecher der Jungen Linken, die gemeinsam mit anderen Friedens- und Eine-Welt-Gruppen die Veranstaltung organisiert hatte. Auch in Lippstadt wurde die Synagoge niedergebrannt, jüdische Geschäfte zerstört, jüdische Mitbürger zusammengeschlagen. 23 Juden wurden verhaftet und ins KZ Oranienburg deportiert – "zwei von ihnen, die Brüder Ludwig und Max Levi, kamen nur noch zum Sterben nach Lippstadt zurück".

Als der Zweite Weltkrieg begann, waren von den einstmals in Lippstadt lebenden 107 Juden noch 52 geblieben. Für sie wurde Deutschland immer mehr zur Falle, so der Sprecher. Im Juli 1942 schließlich wurden die letzten Juden nach Theresienstadt deportiert – "jüdisches Leben, welches einst wie selbstverständlich die Stadt geprägt hatte, gab es da in Lippstadt nicht mehr". Die Erinnerung an diese Verbrechen bleibe "unsere Pflicht".

In Deutschland zeige sich heute, so Michael Heinrich von den Jungen Linken, eine "neue Form des Antisemitismus, der Jüdinnen und Juden zu Nutznießern der Shoa stilisiert". Und auch in der Diskussion um den Nahost-Konflikt offenbarten sich "immer wieder antisemitische Argumentationen".

Anschließend legten die Teilnehmer der Gedenkstunde sowohl am jüdischen Erinnerungszeichen als auch an der ehemaligen Synagoge Blumen nieder.


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