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Bad Oeynhausener Kurier / Neue Westfälische , 28.10.2005 :

(Bad Oeynhausen) Mit Gipsfinger gibt es nichts / Wegen Verletzung kein Zutritt zum Adiamo / Ausländer im Amarillo nicht erwünscht

Von Stefan Schelp

Bad Oeynhausen. Für Bekir Hezer hätte es ein schöner 38. Geburtstag sein können. Statt dessen wurde die Einladung des Chefs des Bünder WSH-Sicherheitsdienstes für ihn und seine Mitarbeiter zur Odyssee durch die Disco-Nacht: Station 1, Adiamo: Weil der kleine Finger des Hezer-Mitarbeiters Yücel Akarsu eingegipst ist, ist für die 14-köpfige Gruppe am Samstag am Eingang Endstation. Station 2, Amarillo, einst Belle Epoque: Weil Hezer und einige Mitarbeiter Ausländer sind, ist die Belegschaft auch hier unerwünscht.

So berichtet es Geschäftsmann Bekir Hezer. Und das durchaus glaubhaft, obwohl die Geschäftsführer der beiden Diskotheken zwei Tage später abwiegeln. Kurz nach eins war es in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Hezer, seine Frau Iwona und ein rundes Dutzend seiner Mitarbeiter hatten in einem Steak-House getafelt. „Das war die Geburtstagsüberraschung meiner Kollegen.“ Hezer freute sich, wollte sich revanchieren, schlug vor, den Abend im Adiamo ausklingen zu lassen – und ärgerte sich. „Mit eingegipstem Finger kommt hier keiner rein“, blockte der Türsteher.

"So serviert man keine Leute ab"

Hezer glaubte, er habe sich verhört, hakte nach. "Bei einer solchen Verletzung übernehmen wir nicht die Verantwortung." Hezer versuchte es im Guten, erzählte, dass er und seine Kollegen langjährige und gute Kunden des Adiamos seien. Dass er selbst aus der Sicherheitsbranche stamme. Doch sein Gegenüber blieb hart. Und Hezer war endgültig verärgert. "So serviert man keine Leute ab."

Einige Tage später geht Adiamo-Geschäftsführer Christian Grothe auf den Gips-Finger gar nicht mehr ein. Über seinen Pressesprecher Thomas Trappmann lässt er mitteilen: "Es sind derzeit regelmäßig zwischen ca. Mitternacht und ca. 2 Uhr so viele Gäste im Adiamo, dass wir den Einlass stark einschränken müssen. Konsequenz: Wir können zu dieser Zeit leider nur Hotelgäste und unsere eigenen Mitarbeiter einlassen."

Auffällig: Im April hat es im Adiamo einen ähnlichen Fall gegeben. Auch damals stand eine rund zehnköpfige Gruppe vor dem Adiamo, auch damals war am Eingang Endstation, weil ein Mitglied der Gruppe gehandicapt war und Spezialschuhwerk tragen musste. Auch damals war der Ausgesperrte Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens.

Hezer und seine Freunde wollten dennoch feiern. Sie zogen weiter zum Amarillo – und verstanden schon wieder die Welt nicht mehr. Denn hier sollten sie draußen bleiben, weil sie Ausländer seien. Als daraufhin ein in der Türkei geborenes Mitglied der Gruppe seinen deutschen Pass zog, fragte der Türsteher beim Geschäftsführer nach und kehrte mit der unveränderten Botschaft zurück: „Ausländer lassen wir nicht rein.“ Geschäftsführer Björn Birkefeld bestätigt grundsätzlich: "Massen von Ausländern lassen wir nicht rein."

Günstiger wäre es gewesen, wenn die Gruppe "kleiner gewesen" wäre. Wie klein, darauf will sich Birkefeld nicht festlegen. "Am liebsten ist es uns, wenn die Ausländer in deutscher oder in Frauenbegleitung sind."

Wieder machten Hezer und seine Leute kehrt. Und landeten im "B 61", ehemals Wuzzzenstein. "Da gab es keine Probleme", wundert er sich. "Die haben uns auf meinen Geburtstag sogar einen Sekt ausgegeben."

Und dann war es doch noch ein schöner 38. Geburtstag.


lok-red.oeynhausen@neue-westfaelische.de

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