Neue Westfälische Online ,
28.02.2025 :
Erneut Hass-Aufkleber in der Paderborner Südstadt - Staatsschutz ermittelt
28.02.2025 - 19.06 Uhr
Wie vor drei Jahren
Bereits im Jahr 2022 sind in Paderborn Etiketten mit Hass-Botschaften, Beleidigungen und Aufrufen zur Gewalt aufgetaucht. Diesmal werden oft auch Namen genannt.
Von Holger Kosbab
Paderborn. Déjà-vu mit Schrecken in der Paderborner Südstadt: Wie schon vor knapp drei Jahren hat ein Unbekannter Etiketten mit Hass-Botschaften, Beleidigungen und Aufrufen zur Gewalt an verschiedene Stellen des Stadtteils geklebt. In Großbuchstaben sind dabei Paderbornerinnen und Paderborner mit ihrem vollständigen Namen und zum Teil auch mit Adressen genannt - für die Betroffenen ein Albtraum. Der Staatsschutz ermittelt in der Sache.
Ganz rum ist das Thema noch nicht, aber langsam zieht es wieder größere Kreise. Bereits für große Diskussionen sorgen die Aufkleber und auch Graffitis etwa in einer WhatsApp-Gruppe in der Südstadt, in der auch die Partnerin von Bäckermeister Andreas Hermisch ist. Er und das Team in seiner Bäckerei können nur mit dem Kopf schütteln angesichts der unfassbaren Botschaften.
Die selbstklebenden Etiketten prangten an Laternen- und Verkehrsschild-Masten oder Mülleimern. Darauf werden Betroffene mehrfach als "Antifafotzen" beleidigt, die zu "attackieren" seien. "Ins Koma boxen" steht unter dem Namen eines Paderborners und auf einer Hauswand wird jemand als "Hurensohn" beschimpft.
Betroffener Paderborner versteht nicht, weshalb ihm so viel Hass entgegenschlägt
"Ich kriege das immer mit und habe Freunde, die mir das schreiben, und die Aufkleber entfernen", sagt einer der Betroffenen. Seinen Namen möchte er verständlicherweise nicht nennen. "Meines Wissens habe ich niemandem etwas getan und es ist für mich ganz unverständlich, weshalb mir so viel Hass entgegenschlägt."
"Man ist hilflos, muss aber auch irgendwie darüberstehen", sagt er und habe auch mit einigen anderen Betroffenen gesprochen. "Das sind alles ganz normale, liebe Leute." Und alle fragten sich: Wer macht so etwas und wieso?
Während es eine solche Hass-Aufkleber-Welle in einem größeren Maße länger nicht gab, hätten die Hasstiraden ihm gegenüber nie ganz aufgehört. "Es war nur etwas weniger." Wie auch andere Betroffene habe er bei der Polizei auf Grund der Bedrohungen Anzeige gestellt. Die Paderborner Polizei übergab die Fälle an den Staatsschutz.
Beim Staatsschutz in Bielefeld gibt es mehrere Anzeigen aus Paderborn
"Bei der Kriminalinspektion Staatsschutz werden derzeit eine Reihe von Anzeigen bearbeitet, die Hass-Botschaften in Form von Aufklebern und Graffitis in der Paderborner Südstadt zum Inhalt haben", teilt Sonja Rehmert, Sprecherin der Polizei Bielefeld und der dort ansässigen Abteilung Staatsschutz, mit.
Wie Rehmert erklärt, lägen die Tatorte unter anderem an der Husener Straße, am Querweg, am Jahnplatz, an der Kilianstraße, Im Samtfeld und in der Winfriedstraße. Ähnlich wie bei den Vorfällen im Jahr 2022. "Der Staatsschutz geht in all diesen Fällen von demselben Täter aus", so die Polizeisprecherin. "Ein Tatverdächtiger wurde bislang nicht ermittelt, allerdings sind die Ermittlungen auch noch nicht abgeschlossen."
Unterschied zum Vorfall vor drei Jahren in Paderborns Südstadt
Die Hass-Botschaften und Gewaltaufrufe aus dem Frühjahr 2022 unterscheiden sich dabei offenbar etwas. Damals dominierten vor allem frauenverachtenden Botschaften, wobei "Frauenrechte hahahaha" und "Fette Frauen sind eklig" noch zu den dezenteren Beschimpfungen gehörten. Auch die Grünen wurden damals bedroht ("Hängt die Grünen"). Unter einem der Aufkleber von vor drei Jahren befand sich sogar eine Rasierklinge.
Im Gegensatz zu diesen eher allgemeinen Hass-Ergüssen zielt die aktuelle Welle offenbar eher auf einzelne Personen ab. Zugleich sind auch diesmal wieder diffamierte Personen aus politischen Gründen - "Antifafotzen" - das Ziel.
Vor drei Jahren hatten Südstadt-Bewohnerinnen übrigens das Vorgehen umgedreht. An ihren Häusern hängten sie Zettel mit positiven Botschaften auf: Wohlfühlen zum Abreißen.
Bildunterschriften: Auf diesem Mülleimer in Paderborn klebte die Etikette mit dem Aufruf "Antifafotzen ... attackieren". Die ursprünglich lesbare Adresse ist gepixelt.
Bildunterschrift: An einer Paderborner Straßenlaterne klebte die mit einem Namen - zum Schutz der betroffenen Person ist dieser gepixelt - versehene Gewalt-Botschaft " ... ins Koma boxen".
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Neue Westfälische Online, 26.04.2022:
Frauenverachtende Aufkleber in Paderborn: Jetzt ermittelt der Staatsschutz
26.04.2022 - 19.49 Uhr
Den Ausschlag gibt eine Rasierklinge, die unter einem der Etiketten in der Südstadt gewesen ist.
Lena Henning, Holger Kosbab
Paderborn. Nachdem in der Paderborner Südstadt handgeschriebene Aufkleber mit frauenverachtenden Botschaften aufgetaucht sind, hat der zuständige Staatsschutz der Polizei Bielefeld jetzt Ermittlungen eingeleitet. Den Ausschlag gegeben hat die Tatsache, dass sich unter einem der Aufkleber eine Rasierklinge befand. Überdies ist die Dimension der angebrachten Aufkleber erheblich größer als zunächst berichtet und es gibt auch nicht nur allgemeine Beleidigungen, sondern auch Gewaltaufrufe gegen eine teils namentlich genannte Person.
Die Polizei wertet den Aufkleber mit der Klinge als versuchte gefährliche Körperverletzung und hat ein entsprechendes Strafverfahren eingeleitet. Derzeit sei nur dieser eine Fall eines Aufklebers mit Rasierklinge darunter bekannt, sagt eine Sprecherin der Polizei Bielefeld auf Anfrage. Ob der Inhalt der Botschaften selbst als politische Straftat im Sinne der Volksverhetzung zu bewerten sei, stehe noch nicht fest. Das entscheide letztendlich die Staatsanwaltschaft.
Die selbstklebenden Etiketten, beschrieben in Großbuchstaben, mit vor allem frauenverachtenden Botschaften und Aufrufen zur Gewalt, sind in den vergangenen Tagen an zahlreichen Stellen in Paderborn gefunden worden, insbesondere im Bereich der Südstadt: an Straßenlaternen, Bänken, Strom- und Briefkästen. Über die Anzahl hat die Polizei keinen Überblick; "unzählige" sollen es sein. "Frauenrechte hahahaha" und "Fette Frauen sind eklig" gehören dabei noch zu den vergleichsweise harmloseren Beschimpfungen. Doch nicht nur Frauen werden angegriffen, wie der Aufkleber "Hängt die Grünen" zeigt.
Motivation ist unbekannt
Wer verteilt solche Hass-Botschaften im ganzen Stadtgebiet? Steckt Frust oder das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit dahinter? Wie ernst die Verleumdungen und Drohungen zu nehmen sind, sei nur schwer einzuschätzen, "weil wir nicht wissen, welche Motivation dahinter steckt", so die Polizeisprecherin. Zeugen werden gebeten, sich mit Hinweisen an den Staatsschutz zu wenden, Tel. (0521) 5450.
Ein Beitrag in einer Paderborner Facebook-Gruppe legt derweil nahe, dass der oder die Täter schon länger aktiv sind. Bereits Ende März veröffentlichte eine Nutzerin Fotos der handgeschriebenen Aufkleber mit ganz ähnlichen Botschaften, die sie im Bereich des Monte Scherbelino und der umliegenden Feldwege gefunden habe. Angezeigt wurden diese Fälle aber offenbar nicht, denn die Polizei habe nach eigener Aussage erst am vergangenen Donnerstag, 21. April, von den Aufklebern erfahren.
"Das ist eine ganz neue Dimension"
Ein Leser der NW berichtet, dass die Aufkleber mittlerweile überall in der Südstadt zu finden seien. "Das Ausmaß kann man sich nicht vorstellen", sagt er. Auch auf Autos seien die weißen Etiketten zu finden. Seinen Namen möchte er nicht nennen, ist er doch selbst Betroffener: Da auf einigen Aufklebern sein Name mit der Aufforderung zu Gewalt gestanden habe, hat er auch bereits Ende März zunächst eine Online-Anzeige gestellt. Am 9. April habe er dann auf Grund einer Reihe weiterer gegen ihn gerichtete Aufrufe auf Aufklebern eine persönliche Anzeige bei der Polizei nachgelegt.
Über die Gründe kann er nur spekulieren. Allerdings sei dies vor drei Jahren schon einmal vorgekommen. Damals sei neben seinem Namen vor allem der Name eines Freundes - mit ähnlichen Beleidigungen, Diffamierungen und Aufrufen zur Gewalt - auf den Etiketten zu lesen gewesen. Jetzt sei es jedoch "eine ganz neue Dimension".
Wie der anonyme Betroffene berichtet, richte sich der Hass des oder der Unbekannten vor allem gegen Linke und Frauen. Antifa- oder Pro-Feminismus-Aufkleber würden gezielt überklebt. Aber auch Menschen aus Russland würden beleidigt.
Bildunterschrift: Der Aufkleber mit einer Klinge darunter (links) klebte am Monte Scherbelino. Der Aufkleber oben rechts verherrlicht den Femizid, also die Tötung von Frauen und Mädchen auf Grund ihres Geschlechts, und solche wie der weitestgehend abgekratzte unten rechts finden sind in Teilen der Paderborner Südstadt.
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Am 28. Februar 2025 schrieb die "Neue Westfälische" über Neonazi-Etiketten in der Paderborner Südstadt, "Antifafotzen", die zu "attackieren" seien, zu einem Paderborner die Aufforderung, ihn "Ins Koma boxen".
Am 28. Februar 2025 schrieb die "Neue Westfälische" über Neonazi-Etiketten in der Paderborner Südstadt, wo Paderbornerinnen wie Paderborner mit (vollständigen) Namen, zum Teil mit Adressen genannt werden.
Wohl in der Nacht auf den 21. Januar 2022, wurden in der Paderborner Südstadt Aufkleber ("Femizid statt Feminismus", "Frauen wollen vergewaltigt werden"), unter manchen befanden sich Rasierklingen, geklebt.
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www.buendnisdemokratietoleranz.wordpress.com
www.bgr-paderborn.de
www.vielfalt-lieben.de
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