Neue Westfälische ,
28.02.2025 :
Neue Neonazi-Gruppe in OWL organisiert sich im Internet
In der Szene etablieren sich neue Gruppen, so genannte "Active Clubs" / Ein Ableger wurde nun in der Region gegründet
Lukas Brekenkamp
Bielefeld. Die Neonazi-Szene ist im stetigen Wandel. Seit einigen Monaten organisieren sich Rechtsextreme in so genannten "Active Clubs", die im ganzen Land entstehen. Nun auch in Ostwestfalen-Lippe. Was steckt hinter der neuen Entwicklung?
"Ausweg Active Club" titelte das Neonazi-Blatt "N.S. Heute" Ende April 2024. Es wird von dem Ex-Bielefelder Sascha Krolzig verlegt. Ein Rechtsextremist aus Bayern schreibt in seinem Beitrag über seinen Lösungsansatz aus der "organisatorischen Schwäche" der Szene. Eine Lösung sieht er in "Active Clubs", einem Phänomen, das in den USA entstanden ist. Im Vordergrund steht hier der gemeinsame Sport - vor allem Kampfsport - oder andere Aktivitäten. Mittlerweile gibt es auch ein gemeinsames Dach für regionale, deutsche Ableger der "Active Clubs".
Ein entsprechender Kanal bei Telegram hat bereits frühzeitig eine niedrige vierstellige Zahl an Abonnenten erreicht. Mittlerweile sind auch verschiedene regionale Ableger entstanden, die sich vorrangig durch Kanäle in Sozialen Medien zeigen. Einige in Ostdeutschland, aber auch im Raum Kassel, dem Niederrhein - oder Ostwestfalen.
In Sozialen Medien wurden Ende 2024 entsprechende Kanäle eines OWL-Ablegers gegründet. Aufnahmen zeigen, dass Anhänger offenbar erste typische Aktivitäten von "Active Clubs" in der Region durchgeführt haben - etwa das Kleben rechtsextremer Sticker oder Schmierereien an Wänden. Andere Beiträge legen nahe, dass Anhänger aus OWL rechtsextreme Demos besuchten. Mutmaßliche Mitglieder aus der Region zeigen sich nach Recherchen dieser Redaktion in Sozialen Medien offen mit Waffen.
Der Ableger in OWL scheint zudem mit anderen "Active Clubs" aus NRW vernetzt zu sein. Ein Foto deutet an, dass Rechtsextreme aus den Gebieten "Ostwestfalen", "Niederrhein" und "Nordrhein" bereits im Herbst 2024 in Detmold ein Musikvideo für den rechtsextremen Rapper Azatro gedreht haben. Auch der Musiker, der aus OWL stammt, hat eine deutliche Nähe zu „Active Clubs“. Generell sind bei den deutschen Ablegern immer wieder Verbindungen und Überschneidungen zur Jugendorganisation der Neonazi-Partei "Die Heimat" (früher NPD), den Jungen Nationalisten, festzustellen. Generell soll laut Angaben von Verfassungsschützern das Angebot aber gruppierungs- und parteiübergreifend sein.
Die Bundesregierung hatte bereits vor einigen Monaten vor der neuen Entwicklung in der Szene gewarnt. So sei das von den "Active Clubs" ausgehende Gewalt- und Bedrohungspotenzial "potenziell erheblich". Immerhin werden die neuen Gruppen vor allem dem gewaltorientierten rechtsextremistischen Spektrum zugerechnet. Auch andere Experten warnten zuletzt vor den Gefahren durch die Gruppen. So sieht etwa der Extremismus-Experte Alexander Ritzmann in den Clubs das Ziel, ein Netz von kampf- und gewaltbereiten Rechtsextremen aufzubauen.
Laut Bundesregierung sind "Active Clubs" international vernetzt und agieren hoch konspirativ. Auch der NRW-Verfassungsschutz beobachtet die Entwicklungen in der rechtsextremen Szene und die Gründungen von "Active Clubs" genau. "Die jeweiligen Clubs agieren unabhängig voneinander und bilden ein dezentrales Netzwerk", erklärt eine Sprecherin. Mit ihren Angeboten wie Kampfsport oder Wanderungen sowie Propaganda-Aktionen zielen die Clubs darauf ab, "vor allem junge Menschen langfristig in die Szene zu integrieren". Generell werden die Mitglieder vor allem der Neonazi-Szene zugerechnet. Genaue Zahlen zu Anhängern sind auf Grund des konspirativen Agierens schwer.
Bildunterschrift: In Sozialen Medien gibt es Dutzende Hinweise auf so genannte "Active Clubs".
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Am 21. Februar 2025 veröffentlichte der aus Detmold kommende Rapper Jann Blumhoff - alias "Azatro" - über das neu gegründete Label "Standhaft Stabil", auf der Video-Plattform YouTube das Lied "Rote Linie".
Am 15. Februar 2025 nahm auch der aus Detmold kommende Rapper Jann Blumhoff - alias "Azatro" - im "Active Club"-Block, bei dem "Gedenkmarsch" des "Aktionsbündnis gegen das Vergessen" in Dresden teil.
Am 12. Februar 2025 wurde von den Neonazis von "Active Club Ostwestfalen", sowie "Freischar Westfalen" ein Video gepostet, wo in der Dörenschlucht der dort gefallenen Soldaten der Waffen-SS "gedacht" wurde.
Am 17. Oktober 2024 wurde auf YouTube das in Detmold mit dem neonazistischen "Active Club" gedrehte Video "Staatsfeind" des aus Detmold kommenden Rappers Jann Blumhoff - alias "Azatro" - veröffentlicht.
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www.mbr-owl.de
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