Lippische Landes-Zeitung ,
28.02.2025 :
"Letters to Fred" vertont
Angestoßen wurde das Auftragswerk der Komponistin Bracha Bdil durch die Initiative der Sängerin und Detmolder Theater-Preisträgerin Megan Marie Hart und Joanne Herzberg
Sven Koch
Detmold. Anlässlich des 80. Holocaust-Gedenktags hatte die israelisch-jüdische Komponistin Bracha Bdil den Liederzyklus "Letters to Fred" / "Briefe an Fred" komponiert. Das vom Staatstheater Darmstadt in Auftrag gegebene Werk erzählt die Geschichte der Detmolder Familie Herzberg und wurde an der Bühne bereits uraufgeführt. Darmstadt - Detmold: Wie geht das zusammen?
Eigentlich ganz einfach. Die Sopranistin und Theater-Preisträgerin Megan Marie Hart war vom Landestheater Detmold nach Darmstadt gewechselt. Hart hatte anlässlich der Verlegung von Stolpersteinen, die an die Familie Herzberg in Detmold erinnern, gesungen - und trotz ihres Wechsels nach Darmstadt blieben sie und Familien-Nachfahrin Joanne Herzberg in Detmold freundschaftlich verbunden. In Darmstadt war Kirsten Uttendorf Operndirektorin - inzwischen ist sie Intendantin am Landestheater in Detmold. Megan Marie Hart sang in Darmstadt auch Lieder jüdischer Komponisten. Kirsten Uttendorf hatte in Darmstadt wiederum mit Kollegen die Reihe "Unerhört! Begegnungen mit Komponistinnen" etabliert.
Für den den 2025 bevorstehenden 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz plante die Nachfolge der Operndirektion in Darmstadt einen jüdischen Liederabend sowie ein Stück für die "Unerhört"-Reihe. Megan Marie Hart und Joanne Herzberg hatten immer schon die Idee gehabt, eine zeitgenössische Komponistin vorzustellen, die aus den Briefen an Fred Herzberg einen Liedzyklus komponieren sollte. In der mehrfach prämierten Pianistin, Dirigentin und Komponistin Bracha Bdil wurde eine Frau gefunden, die das Konzept musikalisch umsetzen konnte. Und so kam dann eines zum anderen, wie das Fachjournal "Das Opernmagazin" ausführlich berichtet hat.
Bewegende Premiere
Im Zentrum des Auftragswerks steht Fred Herzberg, der 1939 durch einen Kindertransport nach England gerettet wurde, während seine Eltern und seine Schwester in Auschwitz ermordet wurden. Gemeinsam mit Pianist Giacomo Marignani hatte Megan Marie Hart den Zyklus im Rahmen der Gedenkveranstaltung des Staatstheaters Darmstadt zum ersten Mal zur Aufführung gebracht - in Anwesenheit der Komponistin sowie Freds Tochter Joanne Herzberg. "Das Premierenpublikum", berichtet das Opernmagazin, "war spürbar bewegt, stehend applaudierte es den Musikern, der Komponistin, Freds Tochter Joanne Herzberg und ihrer Familie".
Die Geschichte der Detmolder Familie Herzberg ist gut dokumentiert und wird auch in Schulen immer wieder thematisiert. Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz hat sie in einem Buch festgehalten, das 2013 unter dem Titel "Lebenslängliche Reise - Briefe der jüdischen Familie Herzberg aus Detmold 1939 - 1946" veröffentlicht wurde. Nach dem Tod ihres Vaters Fred im Jahr 2008 hatte Joanne Herzberg den Traum, ihre Familie symbolisch wieder zu vereinen. Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sollten 2019 vor dem ehemaligen Wohnsitz der Detmolder Familie Herzberg verlegt werden, für Moritz, Johanna, Schwester Gerda, die Großmutter und für Fred. Die fünf Gedenktafeln wurden zunächst an anderer Stelle platziert, sind in der Karlstraße eingelassen geworden, bevor sie schließlich - nach einigem Hin und Her - im Februar 2022 an der Langen Straße 71 ihre endgültige Adresse gefunden hatten.
Kontakt: skoch@lz.de
Bildunterschrift: Joanne Herzberg und Bürgermeister Frank Hilker beim Gedenken anlässlich der Verlegung der Stolpersteine zur Erinnerung an die Familie Herzberg 2022.
_______________________________________________
Am 16. Februar 2025 wurde im Staatstheater Darmstadt der Liederzyklus "Letters to Fred" von Bracha Bdil über die Familie von Fred Herzberg, komponiert für Theater-Preisträgerin Megan Marie Hart, uraufgeführt.
In der zweiten Februarwoche 2025 befassten sich Schülerinnen, Schüler vom Grabbe-Gymnasium Detmold (Israel-AG) mit dem Juden Fritz Herzberg, ein Schüler aus Detmold, welcher in der NS-Zeit fliehen musste.
Am 26. September 2019 stimmte der Rat der Stadt Detmold, einem Antrag von Joanne Herzberg - für die Verlegung von fünf Stolpersteinen für Emilie Esther Frank, Moritz, Johanna, Gerda sowie Fritz Herzberg zu.
_______________________________________________
www.lippischer-heimatladen.de/Lebenslaengliche-Reise-Briefe-der-juedischen-Familie-Herzberg-aus-Detmold-1939-1946/1219
|