2 Veranstaltungen - Nachrichten ,
28.02.2025 :
Tages-Chronologie von Freitag, 28. Februar 2025
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Veranstaltungskalender:
- Freitag, 28. Februar 2025 um 18.30 Uhr -
Nein zu Antisemitismus - Nie wieder ist jetzt!
25. Mahnwache gegen Antisemitismus
Veranstaltungsort:
Synagoge Beit Tikwa
Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld
Detmolder Straße 107
33604 Bielefeld
www.juedische-gemeinde-bielefeld.de
Schutz und Solidarität für die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger
Unter dem Motto "Nein zu Antisemitismus. Schutz und Solidarität für die jüdischen Menschen in Bielefeld!" setzen wir gemeinsam ein starkes Zeichen gegen den Hass und für Zusammenhalt.
Es sprechen:
Prof. Dr. Gerhard Sagerer, Träger des Ehrenrings der Stadt Bielefeld.
Irith Michelsohn, Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld und der Union der progressiven Juden in Deutschland, sowie ebenfalls Trägerin des Ehrenrings der Stadt Bielefeld.
Seit dem Terrorangriff der radikalislamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 erleben jüdische Menschen in Deutschland vermehrt antisemitische Anfeindungen. Deshalb organisieren wir bereits die 25. Mahnwache. Wir stehen vor den Gottesdiensten vor der Synagoge und setzen mit diesen Mahnwachen ein deutliches Zeichen: Bielefeld ist nicht gleichgültig gegenüber Antisemitismus - wir stehen solidarisch an der Seite der jüdischen Gemeinschaft!"
Veranstalterin: Bielefeld stellt sich quer - Bündnis gegen Rechts
www.bielefeldstelltsichquer.wordpress.com
www.facebook.com/BielefeldStelltSichQuer
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- Freitag, 28. Februar 2025 um 19.30 Uhr -
Lesung mit Uwe Wittstock: "Marseille 1940 - Die große Flucht der Literatur"
Veranstaltungsort:
Stadthalle Detmold
Kleiner Festsaal
Schlossplatz 7
32756 Detmold
www.stadthalle-detmold.de
Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Uwe Wittstock erzählt die aufwühlende Geschichte ihrer Flucht unter tödlichen Gefahren.
Es ist das dramatischste Jahr der deutschen Literaturgeschichte. In Nizza lauscht Heinrich Mann bei Bombenalarm den Nachrichten von Radio London. Anna Seghers flieht mit ihren Kindern zu Fuß aus Paris. Lion Feuchtwanger sitzt in einem französischen Internierungslager gefangen, während die SS-Einheiten näherrücken. Sie alle geraten schließlich nach Marseille, um von dort einen Weg in die Freiheit zu suchen. Hier übergibt Walter Benjamin seinen letzten Essay an Hannah Arendt, bevor er zur Flucht über die Pyrenäen aufbricht. Hier kreuzen sich die Wege zahlreicher deutscher und österreichischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Intellektuelle, Künstlerinnen und Künstler. Und hier riskieren Varian Fry und seine Mitstreiter Leib und Leben, um die Verfolgten außer Landes zu schmuggeln.
Szenisch dicht und feinfühlig erzählt Uwe Wittstock von unfassbarem Mut und größter Verzweiflung, von trotziger Hoffnung und Mitmenschlichkeit in düsterer Zeit.
Uwe Wittstock: "Marseille 1940 - Die große Flucht der Literatur", Verlag C. H. Beck, München, 28. Februar 2024, 351 Seiten.
Eine Veranstaltung in Kooperation der Buchhandlung Kafka & Co, der Volkshochschule Detmold-Lemgo und dem Stadtarchiv Detmold.
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Pressespiegel überregional
Mitteldeutscher Rundfunk, 28.02.2025:
Thüringer Neonazis sollen verbotenes Netzwerk "Combat 18" fortgeführt haben
Norddeutscher Rundfunk, 28.02.2025:
Angeklagte legen Geständnisse im Rechtsrock-Prozess ab
die tageszeitung, 28.02.2025:
Antisemitismus auf Höchststand
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Freitag, 28. Februar 2025
Am 16. Februar 2025 wurde im Staatstheater Darmstadt der Liederzyklus "Letters to Fred" von Bracha Bdil über die Familie von Fred Herzberg, komponiert für Theater-Preisträgerin Megan Marie Hart, uraufgeführt.
In der zweiten Februarwoche 2025 befassten sich Schülerinnen, Schüler vom Grabbe-Gymnasium Detmold (Israel-AG) mit dem Juden Fritz Herzberg, ein Schüler aus Detmold, welcher in der NS-Zeit fliehen musste.
Am 26. September 2019 stimmte der Rat der Stadt Detmold, einem Antrag von Joanne Herzberg - für die Verlegung von fünf Stolpersteinen für Emilie Esther Frank, Moritz, Johanna, Gerda sowie Fritz Herzberg zu.
www.lippischer-heimatladen.de/Lebenslaengliche-Reise-Briefe-der-juedischen-Familie-Herzberg-aus-Detmold-1939-1946/1219
Am 21. Februar 2025 veröffentlichte der aus Detmold kommende Rapper Jann Blumhoff - alias "Azatro" - über das neu gegründete Label "Standhaft Stabil", auf der Video-Plattform YouTube das Lied "Rote Linie".
Am 15. Februar 2025 nahm auch der aus Detmold kommende Rapper Jann Blumhoff - alias "Azatro" - im "Active Club"-Block, bei dem "Gedenkmarsch" des "Aktionsbündnis gegen das Vergessen" in Dresden teil.
Am 12. Februar 2025 wurde von den Neonazis von "Active Club Ostwestfalen", sowie "Freischar Westfalen" ein Video gepostet, wo in der Dörenschlucht der dort gefallenen Soldaten der Waffen-SS "gedacht" wurde.
Am 17. Oktober 2024 wurde auf YouTube das in Detmold mit dem neonazistischen "Active Club" gedrehte Video "Staatsfeind" des aus Detmold kommenden Rappers Jann Blumhoff - alias "Azatro" - veröffentlicht.
www.mbr-owl.de
Am 28. Februar 2025 fand im Detmolder Ortsteil Pivitsheide eine weitere "Schilder-Aktion" für "Frieden mit Russland!" mit 5 Teilnehmenden um den völkischen Neonazi Gerd Ulrich wie Jürgen Alhäuser ("AfD") statt.
Am 27. Februar 2025 kündigte der (völkische) Neonazi Gerd Ulrich für den 28. Februar 2025 von 15.00 bis 16.00 Uhr abermals eine "Schilder-Aktion in Detmold" - "Oerlinghauser Straße , Augustdorfer Straße" - an.
www.hiergeblieben.de
Am 26. Februar 2025 berichtete der extrem rechte Influencer Tim Kellner aus Horn-Bad Meinberg über die "Politische Sammelanklage" wegen Beleidigung, zweimaliger Volksverhetzung, Verstoß gegen § 86a StGB.
www.blomberger-buendnis.org
Am 28. Februar 2025 schrieb die "Neue Westfälische" über Neonazi-Etiketten in der Paderborner Südstadt, "Antifafotzen", die zu "attackieren" seien, zu einem Paderborner die Aufforderung, ihn "Ins Koma boxen".
Am 28. Februar 2025 schrieb die "Neue Westfälische" über Neonazi-Etiketten in der Paderborner Südstadt, wo Paderbornerinnen wie Paderborner mit (vollständigen) Namen, zum Teil mit Adressen genannt werden.
Wohl in der Nacht auf den 21. Januar 2022, wurden in der Paderborner Südstadt Aufkleber ("Femizid statt Feminismus", "Frauen wollen vergewaltigt werden"), unter manchen befanden sich Rasierklingen, geklebt.
www.buendnisdemokratietoleranz.wordpress.com
www.bgr-paderborn.de
www.vielfalt-lieben.de
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Lippische Landes-Zeitung, 28.02.2025:
"Letters to Fred" vertont
Neue Westfälische, 28.02.2025:
Neue Neonazi-Gruppe in OWL organisiert sich im Internet
Lippische Landes-Zeitung, 28.02.2025:
Kellner erneut vor Gericht
Radio Hochstift, 28.02.2025:
Wieder Hass-Botschaften in Paderborner Südstadt
Neue Westfälische Online, 28.02.2025:
Erneut Hass-Aufkleber in der Paderborner Südstadt - Staatsschutz ermittelt
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Lippische Landes-Zeitung, 28.02.2025:
"Letters to Fred" vertont
Angestoßen wurde das Auftragswerk der Komponistin Bracha Bdil durch die Initiative der Sängerin und Detmolder Theater-Preisträgerin Megan Marie Hart und Joanne Herzberg
Sven Koch
Detmold. Anlässlich des 80. Holocaust-Gedenktags hatte die israelisch-jüdische Komponistin Bracha Bdil den Liederzyklus "Letters to Fred" / "Briefe an Fred" komponiert. Das vom Staatstheater Darmstadt in Auftrag gegebene Werk erzählt die Geschichte der Detmolder Familie Herzberg und wurde an der Bühne bereits uraufgeführt. Darmstadt - Detmold: Wie geht das zusammen?
Eigentlich ganz einfach. Die Sopranistin und Theater-Preisträgerin Megan Marie Hart war vom Landestheater Detmold nach Darmstadt gewechselt. Hart hatte anlässlich der Verlegung von Stolpersteinen, die an die Familie Herzberg in Detmold erinnern, gesungen - und trotz ihres Wechsels nach Darmstadt blieben sie und Familien-Nachfahrin Joanne Herzberg in Detmold freundschaftlich verbunden. In Darmstadt war Kirsten Uttendorf Operndirektorin - inzwischen ist sie Intendantin am Landestheater in Detmold. Megan Marie Hart sang in Darmstadt auch Lieder jüdischer Komponisten. Kirsten Uttendorf hatte in Darmstadt wiederum mit Kollegen die Reihe "Unerhört! Begegnungen mit Komponistinnen" etabliert.
Für den den 2025 bevorstehenden 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz plante die Nachfolge der Operndirektion in Darmstadt einen jüdischen Liederabend sowie ein Stück für die "Unerhört"-Reihe. Megan Marie Hart und Joanne Herzberg hatten immer schon die Idee gehabt, eine zeitgenössische Komponistin vorzustellen, die aus den Briefen an Fred Herzberg einen Liedzyklus komponieren sollte. In der mehrfach prämierten Pianistin, Dirigentin und Komponistin Bracha Bdil wurde eine Frau gefunden, die das Konzept musikalisch umsetzen konnte. Und so kam dann eines zum anderen, wie das Fachjournal "Das Opernmagazin" ausführlich berichtet hat.
Bewegende Premiere
Im Zentrum des Auftragswerks steht Fred Herzberg, der 1939 durch einen Kindertransport nach England gerettet wurde, während seine Eltern und seine Schwester in Auschwitz ermordet wurden. Gemeinsam mit Pianist Giacomo Marignani hatte Megan Marie Hart den Zyklus im Rahmen der Gedenkveranstaltung des Staatstheaters Darmstadt zum ersten Mal zur Aufführung gebracht - in Anwesenheit der Komponistin sowie Freds Tochter Joanne Herzberg. "Das Premierenpublikum", berichtet das Opernmagazin, "war spürbar bewegt, stehend applaudierte es den Musikern, der Komponistin, Freds Tochter Joanne Herzberg und ihrer Familie".
Die Geschichte der Detmolder Familie Herzberg ist gut dokumentiert und wird auch in Schulen immer wieder thematisiert. Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz hat sie in einem Buch festgehalten, das 2013 unter dem Titel "Lebenslängliche Reise - Briefe der jüdischen Familie Herzberg aus Detmold 1939 - 1946" veröffentlicht wurde. Nach dem Tod ihres Vaters Fred im Jahr 2008 hatte Joanne Herzberg den Traum, ihre Familie symbolisch wieder zu vereinen. Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sollten 2019 vor dem ehemaligen Wohnsitz der Detmolder Familie Herzberg verlegt werden, für Moritz, Johanna, Schwester Gerda, die Großmutter und für Fred. Die fünf Gedenktafeln wurden zunächst an anderer Stelle platziert, sind in der Karlstraße eingelassen geworden, bevor sie schließlich - nach einigem Hin und Her - im Februar 2022 an der Langen Straße 71 ihre endgültige Adresse gefunden hatten.
Kontakt: skoch@lz.de
Bildunterschrift: Joanne Herzberg und Bürgermeister Frank Hilker beim Gedenken anlässlich der Verlegung der Stolpersteine zur Erinnerung an die Familie Herzberg 2022.
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Neue Westfälische, 28.02.2025:
Neue Neonazi-Gruppe in OWL organisiert sich im Internet
In der Szene etablieren sich neue Gruppen, so genannte "Active Clubs" / Ein Ableger wurde nun in der Region gegründet
Lukas Brekenkamp
Bielefeld. Die Neonazi-Szene ist im stetigen Wandel. Seit einigen Monaten organisieren sich Rechtsextreme in so genannten "Active Clubs", die im ganzen Land entstehen. Nun auch in Ostwestfalen-Lippe. Was steckt hinter der neuen Entwicklung?
"Ausweg Active Club" titelte das Neonazi-Blatt "N.S. Heute" Ende April 2024. Es wird von dem Ex-Bielefelder Sascha Krolzig verlegt. Ein Rechtsextremist aus Bayern schreibt in seinem Beitrag über seinen Lösungsansatz aus der "organisatorischen Schwäche" der Szene. Eine Lösung sieht er in "Active Clubs", einem Phänomen, das in den USA entstanden ist. Im Vordergrund steht hier der gemeinsame Sport - vor allem Kampfsport - oder andere Aktivitäten. Mittlerweile gibt es auch ein gemeinsames Dach für regionale, deutsche Ableger der "Active Clubs".
Ein entsprechender Kanal bei Telegram hat bereits frühzeitig eine niedrige vierstellige Zahl an Abonnenten erreicht. Mittlerweile sind auch verschiedene regionale Ableger entstanden, die sich vorrangig durch Kanäle in Sozialen Medien zeigen. Einige in Ostdeutschland, aber auch im Raum Kassel, dem Niederrhein - oder Ostwestfalen.
In Sozialen Medien wurden Ende 2024 entsprechende Kanäle eines OWL-Ablegers gegründet. Aufnahmen zeigen, dass Anhänger offenbar erste typische Aktivitäten von "Active Clubs" in der Region durchgeführt haben - etwa das Kleben rechtsextremer Sticker oder Schmierereien an Wänden. Andere Beiträge legen nahe, dass Anhänger aus OWL rechtsextreme Demos besuchten. Mutmaßliche Mitglieder aus der Region zeigen sich nach Recherchen dieser Redaktion in Sozialen Medien offen mit Waffen.
Der Ableger in OWL scheint zudem mit anderen "Active Clubs" aus NRW vernetzt zu sein. Ein Foto deutet an, dass Rechtsextreme aus den Gebieten "Ostwestfalen", "Niederrhein" und "Nordrhein" bereits im Herbst 2024 in Detmold ein Musikvideo für den rechtsextremen Rapper Azatro gedreht haben. Auch der Musiker, der aus OWL stammt, hat eine deutliche Nähe zu „Active Clubs“. Generell sind bei den deutschen Ablegern immer wieder Verbindungen und Überschneidungen zur Jugendorganisation der Neonazi-Partei "Die Heimat" (früher NPD), den Jungen Nationalisten, festzustellen. Generell soll laut Angaben von Verfassungsschützern das Angebot aber gruppierungs- und parteiübergreifend sein.
Die Bundesregierung hatte bereits vor einigen Monaten vor der neuen Entwicklung in der Szene gewarnt. So sei das von den "Active Clubs" ausgehende Gewalt- und Bedrohungspotenzial "potenziell erheblich". Immerhin werden die neuen Gruppen vor allem dem gewaltorientierten rechtsextremistischen Spektrum zugerechnet. Auch andere Experten warnten zuletzt vor den Gefahren durch die Gruppen. So sieht etwa der Extremismus-Experte Alexander Ritzmann in den Clubs das Ziel, ein Netz von kampf- und gewaltbereiten Rechtsextremen aufzubauen.
Laut Bundesregierung sind "Active Clubs" international vernetzt und agieren hoch konspirativ. Auch der NRW-Verfassungsschutz beobachtet die Entwicklungen in der rechtsextremen Szene und die Gründungen von "Active Clubs" genau. "Die jeweiligen Clubs agieren unabhängig voneinander und bilden ein dezentrales Netzwerk", erklärt eine Sprecherin. Mit ihren Angeboten wie Kampfsport oder Wanderungen sowie Propaganda-Aktionen zielen die Clubs darauf ab, "vor allem junge Menschen langfristig in die Szene zu integrieren". Generell werden die Mitglieder vor allem der Neonazi-Szene zugerechnet. Genaue Zahlen zu Anhängern sind auf Grund des konspirativen Agierens schwer.
Bildunterschrift: In Sozialen Medien gibt es Dutzende Hinweise auf so genannte "Active Clubs".
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Lippische Landes-Zeitung, 28.02.2025:
Kellner erneut vor Gericht
Blomberg-Tintrup (an). Weil er die noch amtierende Innenministerin Nancy Faeser eine "aufgedunsene Dampfnudel" genannt hat, ist der rechte Influencer Tim Kellner bereits zu einer Geldstrafe von 11.000 Euro verurteilt worden. Jetzt muss er erneut vor Gericht erscheinen, wie er selbst über verschiedene Social-Media-Kanäle mitteilt.
Ihm sei die Anklageschrift zugegangen, in der ihm Beleidigung, zwei Mal Volksverhetzung und die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen vorgeworfen werde. Der vorbestrafte Kellner sieht sich zu Unrecht beschuldigt, für ihn fallen sämtliche Fälle unter satirische Kunst beziehungsweise die freie Meinungsäußerung. Der Prozess soll vor dem Amtsgericht in Detmold stattfinden.
Oberstaatsanwalt Ralf Vetter bestätigte gegenüber der LZ, dass er die Anklageschrift auf den Weg gebracht hat. Eine Terminierung des Prozesses gebe es allerdings noch nicht. In dem Verfahren habe er mehrere Fälle zu einem Sammelverfahren zusammengefasst. Es komme häufiger vor, dass Kellner angezeigt werde, doch nicht jede Anzeige münde wie jetzt in einem Verfahren.
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Radio Hochstift, 28.02.2025:
Wieder Hass-Botschaften in Paderborner Südstadt
In der Paderborner Südstadt sind erneut Hass-Botschaften an Laternenmasten und Häuserwänden aufgetaucht. Das sorgt bei Anwohnerinnen und Anwohnern für intensive Diskussionen. Nach unseren Infos sind schon mehrere Anzeigen bei der Paderborner Polizei eingegangen.
Die Beamten aus Paderborn leiten die Erkenntnisse allerdings an den zuständigen Staatsschutz in Bielefeld weiter. Auf Aufklebern an Laternenmasten und Schmierereien an Häuserwänden werden Paderbornerinnen und Paderborner in der Südstadt von Unbekannten heftig beleidigt und bedroht - zum Teil auch mit politischem Hintergrund.
Die Serie erinnert an Vorfälle aus dem Frühjahr 2022 - damals gab es ähnliche Drohungen in der Südstadt. Auch der Staatsschutz bestätigt auf unsere Anfrage einen mutmaßlichen Zusammenhang.
Ein Täter konnte bei den Vorfällen vor knapp drei Jahren nach unseren Infos nicht ermittelt werden.
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Neue Westfälische Online, 28.02.2025:
Erneut Hass-Aufkleber in der Paderborner Südstadt - Staatsschutz ermittelt
28.02.2025 - 19.06 Uhr
Wie vor drei Jahren
Bereits im Jahr 2022 sind in Paderborn Etiketten mit Hass-Botschaften, Beleidigungen und Aufrufen zur Gewalt aufgetaucht. Diesmal werden oft auch Namen genannt.
Von Holger Kosbab
Paderborn. Déjà-vu mit Schrecken in der Paderborner Südstadt: Wie schon vor knapp drei Jahren hat ein Unbekannter Etiketten mit Hass-Botschaften, Beleidigungen und Aufrufen zur Gewalt an verschiedene Stellen des Stadtteils geklebt. In Großbuchstaben sind dabei Paderbornerinnen und Paderborner mit ihrem vollständigen Namen und zum Teil auch mit Adressen genannt - für die Betroffenen ein Albtraum. Der Staatsschutz ermittelt in der Sache.
Ganz rum ist das Thema noch nicht, aber langsam zieht es wieder größere Kreise. Bereits für große Diskussionen sorgen die Aufkleber und auch Graffitis etwa in einer WhatsApp-Gruppe in der Südstadt, in der auch die Partnerin von Bäckermeister Andreas Hermisch ist. Er und das Team in seiner Bäckerei können nur mit dem Kopf schütteln angesichts der unfassbaren Botschaften.
Die selbstklebenden Etiketten prangten an Laternen- und Verkehrsschild-Masten oder Mülleimern. Darauf werden Betroffene mehrfach als "Antifafotzen" beleidigt, die zu "attackieren" seien. "Ins Koma boxen" steht unter dem Namen eines Paderborners und auf einer Hauswand wird jemand als "Hurensohn" beschimpft.
Betroffener Paderborner versteht nicht, weshalb ihm so viel Hass entgegenschlägt
"Ich kriege das immer mit und habe Freunde, die mir das schreiben, und die Aufkleber entfernen", sagt einer der Betroffenen. Seinen Namen möchte er verständlicherweise nicht nennen. "Meines Wissens habe ich niemandem etwas getan und es ist für mich ganz unverständlich, weshalb mir so viel Hass entgegenschlägt."
"Man ist hilflos, muss aber auch irgendwie darüberstehen", sagt er und habe auch mit einigen anderen Betroffenen gesprochen. "Das sind alles ganz normale, liebe Leute." Und alle fragten sich: Wer macht so etwas und wieso?
Während es eine solche Hass-Aufkleber-Welle in einem größeren Maße länger nicht gab, hätten die Hasstiraden ihm gegenüber nie ganz aufgehört. "Es war nur etwas weniger." Wie auch andere Betroffene habe er bei der Polizei auf Grund der Bedrohungen Anzeige gestellt. Die Paderborner Polizei übergab die Fälle an den Staatsschutz.
Beim Staatsschutz in Bielefeld gibt es mehrere Anzeigen aus Paderborn
"Bei der Kriminalinspektion Staatsschutz werden derzeit eine Reihe von Anzeigen bearbeitet, die Hass-Botschaften in Form von Aufklebern und Graffitis in der Paderborner Südstadt zum Inhalt haben", teilt Sonja Rehmert, Sprecherin der Polizei Bielefeld und der dort ansässigen Abteilung Staatsschutz, mit.
Wie Rehmert erklärt, lägen die Tatorte unter anderem an der Husener Straße, am Querweg, am Jahnplatz, an der Kilianstraße, Im Samtfeld und in der Winfriedstraße. Ähnlich wie bei den Vorfällen im Jahr 2022. "Der Staatsschutz geht in all diesen Fällen von demselben Täter aus", so die Polizeisprecherin. "Ein Tatverdächtiger wurde bislang nicht ermittelt, allerdings sind die Ermittlungen auch noch nicht abgeschlossen."
Unterschied zum Vorfall vor drei Jahren in Paderborns Südstadt
Die Hass-Botschaften und Gewaltaufrufe aus dem Frühjahr 2022 unterscheiden sich dabei offenbar etwas. Damals dominierten vor allem frauenverachtenden Botschaften, wobei "Frauenrechte hahahaha" und "Fette Frauen sind eklig" noch zu den dezenteren Beschimpfungen gehörten. Auch die Grünen wurden damals bedroht ("Hängt die Grünen"). Unter einem der Aufkleber von vor drei Jahren befand sich sogar eine Rasierklinge.
Im Gegensatz zu diesen eher allgemeinen Hass-Ergüssen zielt die aktuelle Welle offenbar eher auf einzelne Personen ab. Zugleich sind auch diesmal wieder diffamierte Personen aus politischen Gründen - "Antifafotzen" - das Ziel.
Vor drei Jahren hatten Südstadt-Bewohnerinnen übrigens das Vorgehen umgedreht. An ihren Häusern hängten sie Zettel mit positiven Botschaften auf: Wohlfühlen zum Abreißen.
Bildunterschriften: Auf diesem Mülleimer in Paderborn klebte die Etikette mit dem Aufruf "Antifafotzen ... attackieren". Die ursprünglich lesbare Adresse ist gepixelt.
Bildunterschrift: An einer Paderborner Straßenlaterne klebte die mit einem Namen - zum Schutz der betroffenen Person ist dieser gepixelt - versehene Gewalt-Botschaft " ... ins Koma boxen".
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