3 Artikel ,
28.02.2025 :
Pressespiegel überregional
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Übersicht:
Mitteldeutscher Rundfunk, 28.02.2025:
Thüringer Neonazis sollen verbotenes Netzwerk "Combat 18" fortgeführt haben
Norddeutscher Rundfunk, 28.02.2025:
Angeklagte legen Geständnisse im Rechtsrock-Prozess ab
die tageszeitung, 28.02.2025:
Antisemitismus auf Höchststand
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Mitteldeutscher Rundfunk, 28.02.2025:
Thüringer Neonazis sollen verbotenes Netzwerk "Combat 18" fortgeführt haben
28.02.2025 - 15.00 Uhr
Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen vier mutmaßliche Thüringer Mitglieder des verbotenen rechtsextremen Netzwerks "Combat 18". Nach MDR Investigativ-Informationen pflegte das "Combat 18"-Netzwerk enge Kontakte zu der rechtsextremen Kampfsport-Gruppe "Knockout 51" in Eisenach.
Von Johanna Hemkentokrax, MDR Investigativ
Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen vier mutmaßliche Thüringer Mitglieder des verbotenen rechtsextremen Netzwerks "Combat 18". Das teilte ein Sprecher der Behörde MDR Investigativ auf Anfrage mit.
Die vier Thüringer sollen die Aktivitäten der Gruppe - trotz deren Verbots im Januar 2020 durch das Bundesinnenministerium - fortgeführt haben, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera. Das Verfahren gegen die Vier war 2023 von der Bundesanwaltschaft zuständigkeitshalber nach Thüringen abgegeben worden, da es sich nach MDR-Informationen bei ihnen lediglich um "einfache" Mitglieder gehandelt haben soll. Ursprünglich hatte die Karlsruher Behörde ermittelt.
Hauptverfahren gegen Rädelsführer startet demnächst in Dortmund
Das Hauptverfahren im Komplex "Combat 18" (auch "C18") gegen vier mutmaßliche Rädelsführer soll laut einer Sprecherin des zuständigen Landgerichts Dortmund voraussichtlich im ersten Halbjahr 2025 starten.
Zu den Beschuldigten in diesem Prozess zählen auch die beiden mutmaßlichen Anführer Stanley R. aus Thüringen und Keven L. aus Sachsen-Anhalt. Bei R. soll es sich nach MDR Investigativ-Informationen um eine Schlüsselfigur des "Combat 18"-Netzwerks in Deutschland handeln. R. war vor einigen Jahren aus dem Kasseler Raum nach Eisenach gezogen.
Konspirative "Combat 18"-Treffen in Thüringen
Auf MDR-Anfrage teilte eine Sprecherin des Landgerichts Dortmund mit, zehn von insgesamt 14 konspirativen Treffen der Gruppe hätten in Thüringen stattgefunden, neun davon in Eisenach. Offenbar dienten diese Treffen auch der Ausbildung von so genannten "Supportern".
Zwei Rechtsrock-Konzerte, die die Gruppierung ausgerichtet haben soll, um sich zu finanzieren, hätten nicht in Thüringen, sondern in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern stattgefunden, so die Sprecherin des Dortmunder Landgerichts weiter.
Trainingsmärsche in Eisenacher Wäldern
Nach MDR Investigativ-Informationen haben sich die mutmaßlichen "Combat 18"-Mitglieder auch im so genannten "Flieder Volkshaus" in Eisenach getroffen, der Landesgeschäftsstelle der Partei "Die Heimat", ehemals NPD. Fotos in den Sozialen Medien zeigen mutmaßliche "C18"- Mitglieder, darunter Robin S. aus Dortmund, einer der angeklagten mutmaßlichen Rädelsführer, bei Trainingsmärschen in den Wäldern rund um Eisenach.
Robin S. war 2007 wegen eines bewaffneten Raubüberfalls auf einen Dortmunder Supermarkt, bei dem er einen 59-jährigen Mann niedergeschossen und schwer verletzt hatte, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Später war S. als "Brieffreund" der NSU-Rechtsterroristin Beate Zschäpe bundesweit bekannt geworden. Beide hatten sich aus dem Gefängnis heraus zum Teil vertrauliche Briefe geschrieben.
"Combat 18"-Netzwerk pflegte enge Kontakte zu Eisenacher Neonazi-Kampfsportlern
Nach MDR Investigativ-Informationen pflegte das "Combat 18"-Netzwerk um die aktuell in Dortmund angeklagten mutmaßlichen Rädelsführer enge Kontakte zu der rechtsextremen Kampfsport-Gruppe "Knockout 51" in Eisenach. Fotos, die die antifaschistische Recherche-Plattform "Exif" 2022 auf X, ehemals Twitter, veröffentlichte, zeigen mutmaßliche Kader von "Combat 18" und "Knockout 51" gemeinsam vor einer Hakenkreuz-Flagge. Auf einem der Fotos zeigt einer der Männer den Hitlergruß.
Vier Mitglieder von "Knockout 51" wurden im vergangenen Jahr vor dem Oberlandesgericht Thüringen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Landfriedensbruchs und mehrfacher gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen verurteilt. Weitere Verfahren gegen mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer sind noch nicht abgeschlossen.
Bildunterschrift: Ein Polizeiauto bei einer Razzia im "Flieder Volkshaus" in Eisenach im Jahr 2023.
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Norddeutscher Rundfunk, 28.02.2025:
Angeklagte legen Geständnisse im Rechtsrock-Prozess ab
28.02.2025 - 11.20 Uhr
Fünf Männer sollen Musik aus der rechten Szene europaweit verkauft haben. Zwei von ihnen haben am Mittwoch vor Gericht einen Teil der ihnen vorgeworfenen Taten eingeräumt.
Sie gaben beide vor dem Landgericht Lüneburg an, leidenschaftliche Schallplatten-Sammler zu sein. Ein 35-Jähriger aus Bardowick (Landkreis Lüneburg) gilt als Rädelsführer und hat gestanden, einige Tonträger selbst produziert zu haben. "Ob es links oder rechts war, hat mich nicht so richtig interessiert", sagte er. Nach einem halben Jahr in Untersuchungshaft hat das Gericht am Mittwoch den Haftbefehl gegen ihn aufgehoben. Der Anteil der Rechtsrock-Platten an seinen Gesamtverkäufen sei eher gering gewesen, heißt es. Das meiste sei nicht strafrechtlich relevant.
Den Männern wird unter anderem Volksverhetzung vorgeworfen
Seit 2018 soll der 35-Jährige zusammen mit den anderen Angeklagten nationalsozialistische, antisemitische und rassistische Parolen verbreitet haben. Die Männer zwischen 35 und 54 Jahren sollen mehr als 28.000 Tonträger verkauft haben. So sollen sie mindestens 285.000 Euro erwirtschaftet haben, heißt es in der Anklageschrift. Den Männern wird unter anderem Volksverhetzung vorgeworfen. Auch sollen sie Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Gewaltdarstellungen verwendet haben. Die Plattencover zeigen in vielen Fällen verbotene Symbole des Nationalsozialismus.
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die tageszeitung, 28.02.2025:
Antisemitismus auf Höchststand
Ein JSUD-Bericht zeigt "neue Dimension" an deutschen Unis
Das Spektrum reicht von antisemitischen Parolen in besetzten Hörsälen bis hin zu gewalttätigen Angriffen auf jüdische Studierende. Nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 kam es auch an deutschen Unis zu einer Welle des Antisemitismus. Ein neuer Lagebericht von der Jüdischen Studierendenunion (JSUD) und American Jewish Committee (AJC) zeigt, wie groß der Einschnitt wirklich war. Demnach stieg die Zahl antisemitischer Vorfälle an Unis von 2022 auf 2023 um mehr als das Sechsfache auf insgesamt 151. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Daten für das Jahr 2024 gibt es noch nicht.
Die Präsidentin der JSUD, Hanna Veiler, berichtete bei der Vorstellung am Donnerstag von jüdischen Studierenden, die sich in den ersten Monaten nach dem 7. Oktober 2023 nicht mehr auf die Universitätsgelände trauten: "Der Antisemitismus war schon lange da, hat aber eine neue Dimension bekommen." Bei den Verantwortlichen an den Universitäten habe Unwissen und Hilflosigkeit geherrscht, Antisemitinnen, Antisemiten sei nur wenig entgegengesetzt worden. Veiler forderte am Donnerstag neben stärkerer Prävention und Bildungsarbeit gegen Antisemitismus auch ein hartes Durchgreifen der Uni-Leitungen. So müssten Studierende, die mit Juden-Hass auffällig werden, konsequent exmatrikuliert und Protestcamps geräumt werden. Grundlage für all das soll die umstrittene IHRA-Definition werden, die Antisemitismus sehr weit fasst.
Frederik Eikmanns
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