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Nachrichten , 09.10.2024 :

Tages-Chronologie von Mittwoch, 9. Oktober 2024

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Pressespiegel überregional


Jüdische Allgemeine Online, 09.10.2024:
Berlin / Halle / Zentralrat: Einsatz jüdischer Gemeinden für Sicherheit ist hoch

MiGAZIN, 09.10.2024:
Brandenburg / AfD darf Abschiebe-Lied nicht mehr spielen

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Mittwoch, 9. Oktober 2024


Vermeintlich in der Nacht zum 5. Oktober 2024 wurde auf dem Dorfgemeinschaftsplatz in Lage-Hörste ein Bauwagen, ein Findling, sowie eine Holzfläche mit Hakenkreuzen und dem Schriftzug "Heil AFD" besprüht.

Am 5. Oktober 2024 nahmen in Tintrup Lennard Sanner wie Ann-Marie Diederichs (aus Billerbeck) von der Neonazi-Gruppe "Aktion Hermannsland" an der "Season-End Party" der "Brothers Guard MC Germany" teil.

Am 5. Oktober 2024 nahm in Tintrup der völkische Neonazi Andreas Hanusek (aus Fromhausen) an einer "Season-End Party" der "Brothers Guard MC Germany", um den extrem rechten Influencer Tim Kellner teil.

Am 5. Oktober 2024 fand in der "Männer-WG", Vogtweg 6, in Tintrup die "Season-End Party" der "Brothers Guard MC Germany" um den (extrem rechten) Influencer Tim Kellner, mit "gut 100" Teilnehmenden statt

Für den 5. Oktober 2024 ab 17.00 Uhr ("gemeinsame Ausfahrt" um 15.00 Uhr) bewarb der extrem rechte Influencer Tim Kellner, eine "Season-End Party" der "Brothers Guard MC Germany", in Tintrup, Vogtweg 6.

Am 25. September 2024 kündigte der extrem rechte Influencer Tim Kellner für den 5. Oktober 2024, eine "Season-End Party" als "Privatveranstaltung" der "Brothers Guard MC Germany" in Tintrup, Vogtweg 6, an.


www.mbr-owl.de

www.blomberger-buendnis.org

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Lippische Landes-Zeitung Online, 09.10.2024:
Hakenkreuze auf dem Dorfgemeinschaftsplatz in Hörste

Westfalen-Blatt Online, 09.10.2024:
Das lippische Dorf Tintrup stemmt sich gegen Neonazis

Lippische Landes-Zeitung, 09.10.2024:
"Wir werden niemals "Timtrup" sein"

Westfalen-Blatt, 09.10.2024:
Ein Dorf stemmt sich gegen Neonazis

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Lippische Landes-Zeitung Online, 09.10.2024:

Hakenkreuze auf dem Dorfgemeinschaftsplatz in Hörste

09.10.2024 - 11.06 Uhr

Lage-Hörste. Auf dem Dorfgemeinschaftsplatz in Hörste sind vermutlich zwischen Freitag und Samstag der Bauwagen, ein Findling und eine Holzfläche mit "Hakenkreuzen" und dem Schriftzug "Heil AFD" besprüht worden. Das Ermittlungsverfahren wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, strafbar nach Paragraf 86a Strafgesetzbuch, wird durch den Staatsschutz des Polizeipräsidiums Bielefeld bearbeitet.

Es gibt derzeit keine Täterhinweise, heißt es auf Nachfrage. Zeugen, die Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, sich an die Polizei Bielefeld unter Tel. (0521) 545-0 zu wenden.

Bildunterschrift: Polizei und Staatsschutz ermitteln wegen einer Straftat in Hörste.

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Westfalen-Blatt Online, 09.10.2024:

Das lippische Dorf Tintrup stemmt sich gegen Neonazis

09.10.2024 - 11.54 Uhr

Blomberg: YouTuber Tim Kellner lädt Anhänger ein

Blomberg. Bürger befürchten, dass ihr lippisches Dorf Tintrup zu einem Hotspot von Neonazis, Reichsbürgern und Rechtsextremen aus ganz Deutschland werden könnte. Am Samstag (5. Oktober) kamen wieder 60 Anhänger des Influencers Tim Kellner in den Ort.

Von Christian Althoff

Würstchen brutzeln auf dem Holzkohlegrill, und ein paar Meter weiter stehen selbst gebackene Kuchen auf einem Tisch. Es ist Samstagnachmittag, und etwa 100 Blomberger sind auf der Kastanienwiese im Ortsteil Tintrup zu einer Mahnwache zusammengekommen - gegen extrem Rechte und Neonazis, die ab 15 Uhr im Dorf erwartet werden. Einige Hausbesitzer habe ihre Einfahrten für Fremde gesperrt - mit Mülltonnen, Flatterband und Pylonen.

"Wir werden niemals Timtrup sein" steht auf einem Plakat in Anspielung auf Tim Kellner. Auf seinen Social-Media-Kanälen hat der Ex-Polizist und extrem rechte YouTuber seine Anhänger nach Tintrup eingeladen, wo er seit einiger Zeit im Ortskern eine ehemalige Hofstelle besitzt.

Sein Vorhaben, dort das Clubhaus des Motorrad-Clubs "Brothers Guard MC" einzurichten, hatte der Kreis Lippe unterbunden. Aber dass sich jemand Gäste einlädt - das kann eine Behörde kaum verhindern. Und so hat Tim Kellner, der in Horn-Bad Meinberg wohnt, für Samstag zu einer "Ausfahrt" nach Tintrup eingeladen.

22 örtliche Gruppen und Vereine haben sich zum Blomberger Bündnis zusammengeschlossen - vom FC Tintrup bis zum Heimatverein. Sie wollen erreichen, dass das Dorf nicht zu einem Treffpunkt für Rechtsradikale, Reichsbürger und Neonazis wird. Denn der Einfluss Kellners ist groß. Allein bei YouTube folgen dem Influencer, der die "Umvolkung" beenden will und eine "Remigration" fordert, mehr als eine halbe Million Abonnenten.

"Bürger fühlen sich eingeschüchtert"

Als Kellner letzte Woche erfährt, dass seine Gäste am Samstag mit einer Mahnwache des Blomberger Bündnisses empfangen werden sollen, rät er ihnen auf Telegram, vor dem Besuch doch auf eine Bratwurst bei der Mahnwache vorbeizuschauen. "Das ist nicht strafbar, aber natürlich fühlen sich die Blomberger dadurch bedroht und eingeschüchtert", sagt der lippische Bundestagsabgeordnete und frühere Sozialrichter Robin Wagener (Grüne). Er ist - ebenso wie der Bundestags- und Landtagsabgeordnete der SPD - nach Tintrup gekommen, um dem Dorf den Rücken zu stärken.

"Ich hoffe, denen passiert was"

Tatsächlich finden die von Wagener befürchteten Bedrohungen und Einschüchterungen schon seit Tagen statt - im Netz. Kellners Aufruf an seine Anhänger, beim Bündnis vorbeizuschauen, wird auf Telegram kommentiert: "Ich hoffe, denen passiert was", schreibt einer, und ein anderer kündigt an, er werde "denen auf den Grill pissen".

Die Polizei ist mit Streifenwagen vor Ort, als die ersten Motorradfahrer eintreffen und Kellners Adresse anfahren. Manche diskutieren über Motorräder, andere über Politik. Die Zeitung "Junge Freiheit" ist vor Ort, um zu berichten. Sie nennt Kellner den "Rocker-Rebell".

Nähe zu Neonazis unübersehbar

Die Nähe zu Neonazis und extrem Rechten ist an diesem Nachmittag unübersehbar. Unter den Besuchern ist ein in der Nazi-Szene bekannter Mann aus Horn-Bad Meinberg, der Funktionär der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) war. Er kommt demnächst vor Gericht, denn er soll sich 2023 bei einer Hausdurchsuchung Polizisten widersetzt und sie mit einem Bajonett bedroht haben.

Ein Gast Tim Kellners ist mit einem VW angereist, des Kennzeichen die Buchstaben und Zahlen YT 181H enthält. hat. Im Neonazi-Code stehen die Buchstaben YT für white / weiß, die 1 für Adolf (erster Buchstabe im Alphabet) und die 8 für Hitler. Allerdings ist die VW-interne Bezeichnung für dieses Auto 181, Also doch nur ein Sammler-Kennzeichen? Der Fahrer wird sich später in den Motorrad-Konvoi einreihen, der das Hermannsdenkmal ansteuern wird.

Kellner und Sellner

Behördlich bekannte oder mutmaßliche Neonazis - an ihnen stört sich offenbar niemand in Kellners Umfeld. Er selbst hatte schon den Österreicher Martin Sellner für ein Wochenende zu sich eingeladen und ein Video mit ihm produziert. Sellner ist ein rechtsextremer Aktivist und hat nach einer Rede zur Remigration in Potsdam im März ein Einreiseverbot für Deutschland bekommen, das allerdings bisher nicht rechtskräftig ist. Auch polizeibekannte Reichsbürger und ein lippischer AfD-Funktionär folgten schon den Einladungen Kellners.

An diesem Samstag sind etwa 60 Motorradfahrer nach Tintrup gekommen. Der Kreis Lippe hatte von der geplanten Ausfahrt erfahren, aber keine Anmeldung Kellners vorliegen, die bei mehr als 30 Teilnehmer vorgeschrieben ist. Darum untersagte er Kellner die Ausfahrt. Die Motorradfahrer fahren in zwei Gruppen zu je 30 Teilnehmern los - begleitet von Polizeifahrzeugen.

Das wird später vom Blomberger Bündnis kritisiert. "Die Polizei gibt dem Ganzen damit einen offiziellen Anstrich", sagt ein Sprecher. Dagegen argumentiert die Behörde, sie habe durch das Begleiten das Einhalten der Verkehrsvorschriften sicherstellen und Gefahren verhindern können.

Es kommt an diesem Tag nicht zur Konfrontation zwischen Kellners Anhängern und den Blomberger Bürgern. Beide Gruppen bleiben unter sich, und Robin Wagener sagt nach seinen Gesprächen mit dem Bündnis: "Ich finde es beeindruckend, dass hier die Mitte der Gesellschaft zusammensteht, damit Rechtsextreme nicht den Ort übernehmen."

Bildunterschrift: Das Blomberger Bündnis kam auf der Kastanienwiese mitten im Ort zusammen. Aus Angst vor Bedrohungen und Repressionen möchten die Menschen nicht erkennbar sein.

Bildunterschrift: Tim Kellner 2023 vor dem Amtsgericht Detmold.

Bildunterschrift: Dieser Gast Tim Kellners war Aktivist der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ).

Bildunterschrift: Etwa 60 Motorradfahrer kamen nach Tintrup.

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Lippische Landes-Zeitung, 09.10.2024:

"Wir werden niemals "Timtrup" sein"

Die Mahnwache des Blomberger Bündnisses in Tintrup verläuft friedlich / Aus der großen Ausfahrt von Tim Kellners Bikern wird nichts

Blomberg (an). Das Blomberger Bündnis ist zufrieden mit dem Verlauf der Mahnwache auf der Kastanienwiese in Tintrup. Dieses Fazit zieht der Verein in seiner jüngsten Pressemitteilung. Nicht ganz so zufrieden dürften die Biker sein, die sich im Vogtweg versammelten.

Wie berichtet, hatte das Blomberger Bündnis für Samstag, 5. Oktober, die Mahnwache im Herzen Tintrups veranstaltet, um damit den Aktivitäten des rechten Influencers Tim Kellner in und um Tintrup etwas entgegenzusetzen, diesmal einer Ausfahrt vom Vogtweg aus mit dem Motorrad-Club Brothers Guard samt Feier.

Etwa 100 Gäste seien der Einladung des Blomberger Bündnisses auf die Kastanienwiese gefolgt. Einer der Organisatoren habe eine Kutte mit dem Schriftzug "Blomberger Bündnis" getragen, während auf Plakaten unter anderem "Unser Dorf - unsere Meinung" oder "Wir werden niemals Timtrup sein" stand, Letzteres eine Antwort auf einen älteren Post Kellners, in dem er das Dorf "umtaufte".

Die Veranstaltung sei dank der deutlichen Polizeipräsenz friedlich geblieben, obwohl es im Vorfeld "reichlich Drohungen von Followern Kellners" gegeben habe.

Die Aktivisten freuen sich über die Unterstützung durch andere Bündnisse, und werten dies als "starke zivilgesellschaftliche Antwort" wie die Teilnahme der Bundestagsabgeordneten Robin Wagener und Jürgen Berghahn sowie des Landtagsabgeordneten und Landratskandidaten Dennis Maelzer.

Zur großen Ausfahrt der Kellnerschen Biker kam es übrigens nicht, sie war auch behördlicherseits nicht genehmigt. So starteten lediglich zwei kleinere Gruppen von Tintrup aus, die von der Polizei begleitet wurden - worüber die sich das Blomberger Bündnis ärgert: "Auch wenn die Gruppengröße so weit reduziert wurde, verstehen wir nicht, dass die Polizei spontan eine nicht genehmigte Ausfahrt begleitet", damit habe sie dem untersagten Aufgebot einen offiziellen Charakter verliehen.

Diesen Vorwurf weist die Polizei auf Nachfrage der LZ zurück: "Das hohe Gut der Versammlungsfreiheit zu schützen, ist für uns als Polizei oberstes Ziel. So haben wir auch am Samstag einen störungsfreien und friedlichen Verlauf der Versammlung des "Blomberger Bündnisses" in Tintrup gewährleistet", heißt es in der Stellungnahme der Polizei. "Zum Schutz des öffentlichen Straßenverkehrs und um mögliche Verstöße verhindern beziehungsweise konsequent ahnden zu können, wurden zwei genehmigungsfreie Motorrad-Ausfahrten durch die Polizei begleitet."

Auf diese Weise hätten die Ordnungshüter die Sicherheit im Straßenverkehr aufrechterhalten "Es konnten keinerlei Verstöße festgestellt werden. Durch die im Vorfeld abgestimmten Maßnahmen des Kreises und der Polizei Lippe konnte eine Ausfahrt mit einer deutlich höheren Teilnehmerzahl verhindert werden."

Die Abendveranstaltung im Anschluss sei aus polizeilicher Sicht friedlich und ohne Störungen verlaufen. "Wir reagieren stets lageangepasst, flexibel sowie verhältnismäßig."

Von der Abendveranstaltung im Vogtweg 6, Kellners so genannter Männer-WG, berichtet auch das Blomberger Bündnis: Etwas mehr als 100 Gäste hätten sich dort eingefunden. Anwohner hätten ihre Grundstücke wegen der prekären Parksituation im gesamten Dorf teils mit Flatterband abgesperrt. "Zu beobachten waren auch wieder bekannte Gesichter der rechtsradikalen Szene in Lippe, unter anderem Akteure der so genannten Aktion Hermannsland."

"Wir werden auch bei der kommenden Veranstaltung Kellners mobilisieren", betont ein Sprecher des Blomberger Bündnisses. "Es war nicht nur wichtig, um zu zeigen, dass viele kommen und niemand Angst haben oder sich einschüchtern lassen muss. Es hat auch viel Spaß gemacht."

Bildunterschrift: Mahnwache mit Kutte.

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Westfalen-Blatt, 09.10.2024:

Ein Dorf stemmt sich gegen Neonazis

Rechter Influencer Tim Kellner lädt Gleichgesinnte nach Tintrup ein - Blomberger Bündnis veranstaltet Mahnwache

Von Christian Althoff

Blomberg (WB) Würstchen brutzeln auf dem Holzkohlegrill, und ein paar Meter weiter stehen selbst gebackene Kuchen auf einem Tisch. Es ist Samstagnachmittag, und etwa 100 Blomberger sind auf der Kastanienwiese im Ortsteil Tintrup zu einer Mahnwache zusammengekommen - gegen extrem Rechte und Neonazis, die ab 15 Uhr im Dorf erwartet werden. Einige Hausbesitzer habe ihre Einfahrten für Fremde gesperrt - mit Mülltonnen, Flatterband und Pylonen.

"Wir werden niemals Timtrup sein" steht auf einem Plakat in Anspielung auf Tim Kellner. Auf seinen Social-Media-Kanälen hat der Ex-Polizist und extrem rechte YouTuber seine Anhänger nach Tintrup eingeladen, wo er seit einiger Zeit im Ortskern eine ehemalige Hofstelle besitzt. Sein Vorhaben, dort das Clubhaus des Motorrad-Clubs "Brothers Guard MC" einzurichten, hatte der Kreis Lippe unterbunden. Aber dass sich jemand Gäste einlädt - das kann eine Behörde kaum verhindern. Und so hat Tim Kellner, der in Horn-Bad Meinberg wohnt, für Samstag zu einer "Ausfahrt" nach Tintrup eingeladen.

22 örtliche Gruppen und Vereine haben sich zum Blomberger Bündnis zusammengeschlossen - vom FC Tintrup bis zum Heimatverein. Sie wollen erreichen, dass das Dorf nicht zu einem Treffpunkt für Rechtsradikale, Reichsbürger und Neonazis wird. Denn der Einfluss Kellners ist groß. Allein bei YouTube folgen dem Influencer, der die "Umvolkung" beenden will und eine "Remigration" fordert, mehr als eine halbe Million Abonnenten.

Als Kellner letzte Woche erfährt, dass seine Gäste am Samstag mit einer Mahnwache des Blomberger Bündnisses empfangen werden sollen, rät er ihnen auf Telegram, vor dem Besuch doch auf eine Bratwurst bei der Mahnwache vorbeizuschauen. "Das ist nicht strafbar, aber natürlich fühlen sich die Blomberger dadurch bedroht und eingeschüchtert", sagt der lippische Bundestagsabgeordnete und frühere Sozialrichter Robin Wagener (Grüne). Er ist - ebenso wie Bundestags- und Landtagsabgeordnete der SPD - nach Tintrup gekommen, um dem Dorf den Rücken zu stärken. Tatsächlich finden die von Wagener befürchteten Bedrohungen und Einschüchterungen schon seit Tagen statt - im Netz. Kellners Aufruf an seine Anhänger, beim Bündnis vorbeizuschauen, wird auf Telegram kommentiert: "Ich hoffe, denen passiert was", schreibt einer, und ein anderer kündigt an, er werde "denen auf den Grill pissen".

Die Polizei ist mit Streifenwagen vor Ort, als die ersten Motorradfahrer eintreffen und Kellners Adresse anfahren. Manche diskutieren über Motorräder, andere über Politik. Die Zeitung "Junge Freiheit" ist vor Ort, um zu berichten. Sie nennt Kellner den "Rocker-Rebellen".

Die Nähe zu Neonazis ist an diesem Nachmittag unübersehbar: Unter den Besuchern ist ein in der Nazi-Szene bekannter Mann aus Horn-Bad Meinberg, der Funktionär der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend“"(HDJ) war. Er kommt demnächst vor Gericht, denn er soll sich 2023 bei einer Hausdurchsuchung Polizisten widersetzt und sie mit einem Bajonett bedroht haben.

Ein anderer Gast Tim Kellners ist mit einem VW angereist, der das Kennzeichen HH-YT 181H hat. Im Neonazi-Code bedeutet HH "Heil Hitler". Die Buchstaben YT stehen für white / weiß, die 1 für Adolf (erster Buchstabe im Alphabet) und die 8 für Hitler. Der Fahrer wird sich später in den Motorrad-Konvoi einreihen, der das Hermannsdenkmal ansteuern wird.

Behördlich bekannte oder mutmaßliche Neonazis - an ihnen stört sich offenbar niemand in Kellners Umfeld. Er selbst hatte schon den Österreicher Martin Sellner für ein Wochenende zu sich eingeladen und ein Video mit ihm produziert. Sellner ist ein rechtsextremer Aktivist und hat nach einer Rede zur Remigration in Potsdam im März ein Einreiseverbot für Deutschland bekommen, das allerdings bisher nicht rechtskräftig ist. Auch polizeibekannte Reichsbürger und ein lippischer AfD-Funktionär folgten schon den Einladungen Kellners.

An diesem Samstag sind etwa 60 Motorradfahrer nach Tintrup gekommen. Der Kreis Lippe hatte von der geplanten Ausfahrt erfahren, aber keine Anmeldung Kellners vorliegen, die bei mehr als 30 Teilnehmer vorgeschrieben ist. Deshalb untersagte er Kellner die Ausfahrt. Die Motorradfahrer fahren darum in zwei Gruppen zu je 30 Teilnehmern los - begleitet von Polizeifahrzeugen. Das wird später vom Blomberger Bündnis kritisiert. "Die Polizei gibt dem Ganzen damit einen offiziellen Anstrich", sagt ein Sprecher. Dagegen argumentiert die Behörde, sie habe durch das Begleiten das Einhalten der Verkehrsvorschriften sicherstellen und Gefahren verhindern können.

Es kommt an diesem Samstag nicht zur Konfrontation zwischen Kellners Anhängern und den Blomberger Bürgern. Beide Gruppen bleiben unter sich, und Robin Wagener sagt nach seinen Gesprächen mit dem Bündnis: "Ich finde es beeindruckend, dass hier die Mitte der Gesellschaft zusammensteht, damit Rechtsextreme nicht den Ort übernehmen."

Bildunterschrift: Das Blomberger Bündnis ist auf der Kastanienwiese in Tintrup zusammengekommen.

Bildunterschrift: Kann dieses Nummernschild Zufall sein? Im Neonazi-Code bedeutet HH "Heil Hitler". Die Buchstaben YT stehen für white / weiß, die 1 für Adolf (1. Buchstabe im Alphabet) und die 8 für Hitler.

Bildunterschrift: 60 Motorradfahrer machten sich in zwei Gruppen auf den Weg von Blomberg zum Hermannsdenkmal. Sie wurden dabei von Polizeifahrzeugen begleitet.

Bildunterschrift: Dieser Gast Tim Kellners war Aktivist der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ).

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