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08.10.2024 :
Pressespiegel überregional
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Übersicht:
MiGAZIN, 08.10.2024:
"Ein Heiliger, ein Halbgott" / Oskar Schindler starb vor 50 Jahren
MiGAZIN, 08.10.2024:
Teilgeständnis im Neonazi-Prozess / Neonazi wollte Ausländer töten - und ist auf freiem Fuß
Mitteldeutsche Zeitung Online, 08.10.2024:
Gedenktafeln / Unbekannte reißen alle Stolpersteine in Zeitz heraus
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MiGAZIN, 08.10.2024:
"Ein Heiliger, ein Halbgott" / Oskar Schindler starb vor 50 Jahren
08.10.2024 - 10.31 Uhr
Als NSDAP-Mitglied rettete er 1.200 Juden das Leben: Oskar Schindler. Bis zu seinem Tod vor 50 Jahren blieb er einer größeren Öffentlichkeit unbekannt. Dann machte Steven Spielberg aus seiner Geschichte einen Film.
Von Jens Bayer-Gimm
Es war ein einzigartiger Menschenzug, der am 28. Oktober 1974 durch die gewundenen Gassen der Jerusalemer Altstadt stapfte. Hunderte folgten dem von Holocaust-Überlebenden getragenen Sarg zur christlichen Trauerfeier. Auf dem katholischen Friedhof auf dem Zionsberg ist in die Grabplatte eingraviert: "Oskar Schindler - 28.4.1908 - 9.10.1974", auf Hebräisch: "Chasid Umot ha-Olam" (Ein Rechtschaffener unter den Völkern der Welt), auf Deutsch: "Der unvergessliche Lebensretter 1.200 verfolgter Juden". Die bewegende Szene, wie unzählige Trauernde einen Stein auf die Grabplatte legen, beschließt Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste".
Oskar Schindler starb vor 50 Jahren, am 9. Oktober 1974, im Alter von 66 Jahren nach einem Aufenthalt bei Freunden in Hildesheim. Schindler stammt aus einer sudetendeutschen Familie in Zwittau, dem heute tschechischen Svitavy. 1939 tritt er in die NSDAP ein. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen übernimmt er im Herbst 1939 eine Emailwarenfabrik und 1940 eine Glashütte in Krakau. Dort schafft er den Mitarbeitern einen Schutzraum, versorgt sie mit Lebensmitteln und Kleidung vom Schwarzmarkt und rettet immer wieder Juden und Mitglieder des polnischen Widerstands vor Gefangennahme und Hinrichtung.
Liste mit knapp 1.100 Arbeitern
Auf mehreren Reisen nach Budapest berichtet er dem "Jewish Rescue Committee" über die Ermordung und Vergasung von KZ-Häftlingen. Im Herbst 1944 wird das Lager der Mitarbeiter aufgelöst. Schindler schafft es, mittels einer Liste von knapp 1.100 angeblich unabkömmlichen Arbeiterinnen und Arbeitern 800 Männer aus dem KZ Groß-Rosen und 300 Frauen aus Auschwitz-Birkenau freizubekommen. Er sichert ihr Überleben in einer Fabrik in Brünnlitz, dem heute tschechischen Brnenec, unter Mithilfe seiner Frau Emilie mit seinem Vermögen und der Überlistung der örtlichen SS.
"Für uns war er ein Heiliger, ein Halbgott, mindestens aber ein Wächterengel. Retten konnte uns einzig ein Wunder - und dieses Wunder hat er eigenhändig vollbracht", sagte der Gerettete Nachum Manor an Schindlers 31. Todestag an dessen Grab. Die ehemalige Krakauer Mitarbeiterin Janina Olszewska berichtete über Schindler: "Wahnsinnig gern gab er anderen etwas. Er hatte den Glauben eines Pokerspielers, dass seine Unternehmungen gelingen würden. Er meinte, das Leben habe Sinn, solange man jemanden rettet."
Weitestgehend unbekannt geblieben
Außerhalb Israels blieb Oskar Schindler zeitlebens in der breiten Öffentlichkeit unbekannt. Nach dem Krieg fasste er beruflich nicht mehr Fuß, er lebte von einer kleinen Rente und Zuwendungen seiner Geretteten. Seine Frau Emilie war nach einer Ausreise beider nach Argentinien nicht mit nach Deutschland zurückgekehrt. In Frankfurt am Main war es der damalige evangelische Stadtjugendpfarrer Dieter Trautwein (1928 - 2002), der Schindler in einer Dachkammer am Bahnhofsviertel entdeckte und 1967 auf einem Podium vorstellte.
Trautweins Tochter Ulrike erinnert sich noch gut an ihn: "Als Kind habe ich Oskar heiß und innig geliebt", erzählt die Pfarrerin und Berliner Generalsuperintendentin dem "Evangelischen Pressedienst". "Er war unglaublich großzügig und brachte bei Besuchen immer volle Tüten an Süßigkeiten mit."
Nazis wieder auf Posten
Dieter Trautwein wollte unbedingt die Geschichte Schindlers bekanntmachen und lud ihn zu Veranstaltungen ein. "Alles fand keinen Widerhall. Viele Nazis waren wieder auf Posten, und viele wollten nicht über die Juden-Vernichtung sprechen", berichtet Trautweins Tochter Katja Praetorius. Trautwein erklärt in seinem Buch über Schindler: Dessen Geschichte sei verdrängt worden, weil sie eine Anklage gegen alle gewesen sei, die an Verbrechen beteiligt waren. Und sie sei eine Anfrage an alle gewesen, die geschwiegen und nicht geholfen hatten. Der von Schindler gerettete Itzhak Stern kommentierte: "Oskar Schindler hat bewiesen, dass es trotz Terror möglich war, seine Menschenpflicht zu tun."
Es war einer von Schindlers Geretteten, Leopold Pfefferberg alias Page (1913 - 2001) aus Los Angeles, der den Stein zu Schindlers posthumem Ruhm ins Rollen brachte. Als der australische Schriftsteller Thomas Keneally 1980 sein Ledergeschäft aufsuchte, verstand es Page, ihn für Schindlers Geschichte zu begeistern. Nach ausführlichen Recherchen veröffentlichte Keneally 1982 den Roman "Schindler’s Ark" (deutsch 1983: Schindlers Liste), der den renommierten Booker Prize gewann.
Der Film aus 1993
Danach regte Page mit Hilfe des Romans den Hollywood-Regisseur und -Produzenten Steven Spielberg an, einen Film zu drehen. Das Werk aus dem Jahr 1993, das Schindler auch als Lebemann zeigt, wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet und machte ihn knapp 20 Jahre nach seinem Tod weltberühmt.
In Frankfurt hängt an Schindlers früherem Haus "Am Hauptbahnhof 4" eine Gedenktafel. Unter dem Relief des Retters stehen Trautweins Zeilen in Anspielung auf Oskar Schindlers Baum in der "Allee der Gerechten unter den Völkern" in Jerusalem: "Es wächst ein Baum in Israel, der sagt, was Mut vermag. Es wächst ein Baum in Yad Vashem, der Trägheit tief beschämt. Es wächst ein Baum in Israel, der fragt, wer heute hilft." (epd/mig)
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MiGAZIN, 08.10.2024:
Teilgeständnis im Neonazi-Prozess / Neonazi wollte Ausländer töten - und ist auf freiem Fuß
08.10.2024 - 10.32 Uhr
Ein mutmaßlicher Rechtsextremist steht in Düsseldorf vor Gericht. Er soll geplant haben, Ausländer und Polizisten zu erschießen. Die Waffen habe er sich auch schon besorgt. Brisant: Er ist auf freiem Fuß.
Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Rechtsextremisten aus Mönchengladbach hat dieser ein Teilgeständnis abgelegt, Terror-Absichten aber bestritten. Der 41-Jährige soll geplant haben, Ausländer und Polizisten zu erschießen. Dafür hatte er sich laut Anklage verschiedene Waffen besorgt, unter anderem ein Repetiergewehr. Zudem soll er mehrere Pistolen und Gewehre besessen haben.
Entsprechende Ankündigungen in den Sozialen Netzwerken seien von ihm, räumte er ein. Er habe sie aber nie in die Realität umsetzen wollen, erklärte der 41-Jährige über seinen Verteidiger. Er sei zu Corona-Zeiten in eine extremistische Blase geraten und habe sich mit den Plänen nur wichtig machen und Frust abbauen wollen.
Die Schusswaffen habe er aus reiner Faszination für Waffen selbst gebaut. Er habe sogar mal überlegt, eine Ausbildung zum Büchsenmacher zu absolvieren. Sein Mandant, so Rechtsanwalt Gerd Meister, distanziere sich heute von seinem damaligen Denken und sei im Nachhinein über sich selbst erschrocken. Andernfalls würde er ihn als Rechtsanwalt gar nicht vertreten. Was der Angeklagte damals im Internet auf verschiedenen Plattformen gepostet habe, sei aber zweifellos rassistisch, antisemitisch und zu verurteilen. Da sei nichts zu verharmlosen.
Verstöße gegen Sprengstoffgesetz
Ob die Einlassungen des Angeklagten nur Schutzbehauptungen sind, um mit einer milden Strafe davon zu kommen, wird Gegenstand der Verhandlung sein. "Hat der Angeklagte die Anschläge ernsthaft geplant, also sie realisieren wollen, oder wollte er sich nur wichtig machen?" Das sei für das Strafmaß die entscheidende Frage, so der Vorsitzende Richter.
Dem 41-Jährigen, der sich als Impfgegner bezeichnet, wird neben Verstößen gegen das Waffen-, Kriegswaffenkontroll-, Sprengstoff- und das Betäubungsmittelgesetz auch die Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen.
Hass auf Ausländer und Demokratie
Der Automechaniker war mit seinen im Internet geäußerten Ansichten in den Fokus der Ermittler geraten. Laut Anklage hatte sich der Mann von 2019 an immer mehr antisemitisch und fremdenfeindlich radikalisiert und Hass auf Ausländer und die Demokratie entwickelt.
Der Angeklagte lebte in Mönchengladbach über seiner Werkstatt. Dort waren die Waffen im Juli 2022 bei der Durchsuchung hinter einem Verschlag seiner Küche gefunden worden. Außerdem wurden in der Wohnküche und seinem Schlafzimmer geringe Mengen Kokain und Amphetamine entdeckt. Der Angeklagte befindet sich auf freiem Fuß. Für den Prozess sind bis zum 26. November acht Verhandlungstage geplant. (dpa/mig)
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Mitteldeutsche Zeitung Online, 08.10.2024:
Gedenktafeln / Unbekannte reißen alle Stolpersteine in Zeitz heraus
08.10.2024 - 09.32 Uhr
Stolpersteine sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. In Zeitz wurden nun alle Gedenksteine herausgerissen. Der Staatsschutz ermittelt.
Zeitz. Unbekannte haben alle Stolpersteine in der Stadt Zeitz im Süden von Sachsen-Anhalt herausgerissen. Am Montag, dem Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel, sei aufgefallen, dass alle zehn Steine fehlen, sagte ein Stadtsprecher. Die Stadt habe Anzeige gestellt.
Die Polizei bestätigte den Vorfall. Es werde eine politische Motivation geprüft, der Staatsschutz ermittle, sagte ein Sprecher. Die Steine seien am Freitag letztmals gesichert gesehen worden. Daher sei unklar, wann der genaue Tatzeitpunkt war. Bisher gebe es noch keine Hinweise auf mögliche Tatverdächtige.
Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln, die im Boden verlegt werden und an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. Sie werden an den letzten Wohnorten der Menschen angebracht und tragen die Namen der Opfer als Inschrift.
Am 7. Oktober jährte sich der Überfall der Hamas auf Israel, bei dem 1.200 Menschen in Israel getötet und etwa 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden.
Bildunterschrift: In Zeitz sind alle Stolpersteine im Stadtgebiet herausgerissen worden (Symbolbild).
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