www.hiergeblieben.de

Neue Westfälische , 14.09.2024 :

Dilemma für Stadthallen: Mockridge muss Tour selbst absagen

Die betroffenen OWL-Städte hadern damit, den Künstler selbst auszuladen / Verträge und Gesetze binden ihnen die Hände

Moritz Trinsch

Bielefeld. Es klingt paradox: Auf der einen Seite verurteilen Paderhalle, Stadtgarten und die beiden Stadthallen in Beverungen und Rheda-Wiedenbrück die Aussagen von Luke Mockridge. Absagen wollen sie seine Tour-Auftritte allerdings nicht. Das müsse Mockridge selbst tun, heißt es. In Bünde und Paderborn hat er dies bereits getan; in den anderen OWL-Städten steht eine Entscheidung noch aus.

Doch warum ducken sich die Veranstaltungsorte vor einer eigenen Entscheidung weg, zumal sie in den Sozialen Netzwerken dafür heftig kritisiert werden?

Ja, die Witze seien geschmacklos, sagt Dirk Kaiser vom Stadtgarten. "Daraus lässt sich aber nicht das Recht herleiten, einen Vertrag von unserer Seite aus einseitig aufzukündigen, ohne dabei gegebenenfalls eine Strafe zahlen zu müssen." Und die würde wiederum im Zweifelsfall an den Künstler gehen, in diesem Fall Luke Mockridge.

Zudem kämen Schadenersatzansprüche von weiteren Dienstleistern hinzu, wie dem Caterer, den Technikern oder auch den Vorverkaufsstellen, die die Eintrittsgelder plus Gebühr erstatten müssten. Auf welchen Kosten der Stadtgarten bei einer Tour-Absage durch Mockridge sitzen bleiben würde, wollte Kaiser auf Nachfrage nicht sagen.

Der Stadtgarten ist dabei in einer anderen Position als der Fernsehsender "Sat1". Der hatte von sich aus die neue Mockridge-Show "Was ist in der Box" kurzfristig aus dem Programm genommen und muss dafür womöglich keine großen Strafen zahlen, weil wohl im Vorfeld feste Klauseln (Respekt vor ethischen Grundsätzen, Einhalten gesellschaftlicher Normen und diskriminierungsfreie Kommunikation) vereinbart worden sind, wie die "Wirtschaftswoche" berichtet. "Wir sind hingegen nicht Gestalter des Vertrags", sagt Kaiser. "Wir haben den Vertrag so zu unterschreiben, wie er kommt."

Etwas anders sieht die Situation bei der Paderhalle aus. Sie wird von der städtischen Paderborner Stadthallen-Betriebs GmbH betrieben und gilt damit als "öffentliche Einrichtung". Die Paderhalle ist also gesetzlich dazu verpflichtet, das Vertragsangebot vom örtlichen Veranstalter anzunehmen, auch wenn es sich um polarisierende Persönlichkeiten handelt. "Wenn es rechtlich möglich wäre, hätte ich gerne abgesagt", so Maria Rodehuth, Geschäftsführerin der Paderhalle.

"Die Aussagen von Mockridge berechtigen uns nicht zu einer Absage", sagt Andreas Knoblauch-Flach von der Kulturgemeinschaft Beverungen. "Zumindest nicht, ohne dass der Künstler einen finanziellen Anspruch geltend machen kann."

Und Kerstin Bruchmann-Schön, Sprecherin der Flora Westfalica und der Stadthalle Rheda-Wiedenbrück, sagt: "Wir halten uns bedeckt, weil auch wir noch nicht wissen, wohin die Reise geht." Fest steht: Die Stadthalle ist eine öffentliche Einrichtung und unterliegt bestimmten Regeln (ähnlich wie die Paderhalle). Welchen? Das werde derzeit geprüft.

Bildunterschrift: Luke Mockridge steht für Aussagen über Menschen mit Behinderung in der Kritik.

_______________________________________________


Initiative 9. November Bünde, 10.09.2024:

Pressemitteilung / Kein Platz für Ableismus in Bünde

Bündnis fordert Absage der Veranstaltung mit Luke Mockridge im Bünder Stadtgarten

Am Donnerstag, den 12. September 2024 soll der Comedian Luke Mockridge im Bünder Stadtgarten auftreten.

Luke Mockridge ist in den letzten Jahren nicht nur durch Unterhaltung aufgefallen, sondern auch durch diverse Skandale. So verunglimpfte er in einer TV-Show alte Menschen und sah sich mit diversen Vorwürfen der sexuellen Übergriffigkeit konfrontiert.

Seit dem vergangenen Wochenende ist Mockridge erneut in den Schlagzeilen.

Wie allgemein bekannt sein dürfte, hat er sich in einem Podcast auf verachtende Art und Weise über Menschen mit Behinderung lustig gemacht.

Für uns hat Ableismus keinen Platz in Bünde!

Eine Stadt in der Inklusion großgeschrieben wird und die in vielfältiger Weise Menschen mit Behinderung in das allgemeine Leben integriert hat, darf diskriminierenden und menschenfeindlichen Aussagen, wie denen von Luke Mockridge, keine Bühne bieten.

Darum fordern wir die Veranstalterinnen / Veranstalter auf, die Veranstaltung am 12. September 2024 im Stadtgarten abzusagen!

Ein Festhalten an der Veranstaltung wäre ein Schlag ins Gesicht aller Menschen mit Behinderung, die in unserer Stadt leben.

Unterzeichnerinnen:

Hausplenum Villa Kunterbunt
Grüne Jugend Bünde
Aleviten Gemeinde Bünde
Initiative 9 November Bünde

_______________________________________________


Am 11. September 2024 wurde der - zum 12. September 2024 in Bünde geplante - Auftritt von Comedian Luke Mockridge - der sich über behinderte Menschen lustig machte - vom Tournee-Veranstalter abgesagt.

_______________________________________________


www.facebook.com/9NovemberBuende

14./15.09.2024

zurück