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Neue Westfälische Online , 11.09.2024 :

Zivilcourage endet für jungen Preußisch Oldendorfer mit Schädel-Hirn-Trauma

11.09.2024 - 09.46 Uhr

Staatsschutz ermittelt

Mehrere Männer sollen gegen 2 Uhr in einem Bus einen 21-Jährigen angegriffen haben. Laut Zeugen soll die Gruppe vorher durch Randale und rechte Parolen aufgefallen sein.

Preußisch Oldendorf. Mehrere junge Männer haben am vergangenen Samstag, 7. September, während einer Busfahrt von Lübbecke nach Preußisch Oldendorf mutmaßlich verbotene Parolen skandiert. Ein 21-jähriger Preußisch Oldendorfer hat sie daraufhin angesprochen und darum gebeten, dieses zu unterlassen.

Die Männer schlugen und traten den couragierten jungen Mann daraufhin und flüchteten erst, nachdem der Busfahrer, der Zeuge der Vorkommnisse war, laut verkündete, die Polizei alarmiert zu haben. Ein entsprechender Notruf ging bei der Einsatzleitstelle der Kreispolizeibehörde um 2.07 Uhr ein. Die Tat soll sich rund zehn Minuten zuvor ereignet haben. Das teilte die Polizei auf Nachfrage der NW mit.

Angebahnt habe sich die Situation laut eines Zeugen jedoch schon kurz nach der Abfahrt vom Blasheimer Markt in Richtung Preußisch Oldendorf. Wiederholt seien vier Männer durch Pöbeleien, rechte Parolen und drohend erhobene Fäuste aufgefallen. Nachdem er sie ermahnt habe, ruhiger zu werden, hätten sie sich kurzzeitig zurückgenommen, ihre Unruhestiftungen dann aber fortgesetzt und dabei unter anderem Notfallhämmer im Bus aus ihren Halterungen gerissen. Als er schließlich gedroht habe, die Polizei zu rufen, seien sie erneut etwas ruhiger geworden, hätten ihre Provokationen und rechten Parolen aber nicht eingestellt.

Zeuge machte Fotos von den Männern

Aus einem Bauchgefühl heraus habe er deshalb vorsichtshalber Fotos von ihnen gemacht. Anschließend sei er in Preußisch Oldendorf am Stadtzentrum ausgestiegen und habe seiner Frau von seinen Erlebnissen während der Busfahrt erzählt. Von dem anschließenden Angriff auf das 21-jährige Opfer habe er erst am Folgetag durch einen Facebook-Post erfahren, in dem die Mutter des Opfers nach Zeugen suchte. Der Familie habe er daraufhin Fotos der mutmaßlichen Täter zur Verfügung gestellt, die von ihrem Opfer auch wiedererkannt wurden.

Seitens der Polizei ist bislang von drei Tätern die Rede. Bei ihrem Eintreffen seien die Täter bereits flüchtig gewesen, das Opfer habe sichtbare Schwellungen und Rötungen im Gesicht gehabt, sein Hemd sei zerrissen gewesen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Auf Grund der verbotenen Parolen, die laut Zeugenaussagen dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen sind, ermittele außerdem der Staatsschutz in dem Fall.

Prellungen und Schädel-Hirn-Trauma

Nachdem der 21-Jährige einen Transport durch einen Rettungswagen gegenüber den Polizisten zunächst abgelehnt habe, suchte er auf Drängen seiner Eltern hin jedoch später seinen Hausarzt und das Krankenhaus auf. Diagnostiziert wurden diverse Schürfwunden und Prellungen sowie ein Schädel-Hirn-Trauma.

Nachdem die Angreifer zunächst seinen Freund ins Visier genommen hatten, gingen sie schließlich auf ihn los, als er sich einmischte, erinnert sich der 21-Jährige. Ein Mann aus der Gruppe habe schließlich seinen Freund festgehalten, als er ihm zu Hilfe kommen wollte. Die anderen drei hätten auf ihn eingeschlagen, bis er zu Boden ging und dort aus allen Richtungen gezielt auf seinen Kopf eingetreten.

Auslöser der Gewalt sei gewesen, dass sich die jungen Männer wiederholt kritisch zu den rechtsextremistischen Parolen der Täter geäußert und sie aufgefordert haben, diese zu unterlassen.

Fassungslos angesichts der rohen Gewalt

Die Mutter des Gewaltopfers ist fassungslos angesichts der rohen Gewalt, die ihr Sohn erleben musste. "Nach dem, was in Bad Oeynhausen passiert ist, weiß man doch, wie das ausgehen kann", sagt sie in Anspielung auf den gewaltsamen Tod des 20-jährigen Philipos vor wenigen Wochen im Oeynhauser Kurpark. Außerdem frage sie sich, was man seinen Kindern noch beibringen solle: "Nimm den Shuttle, fahr auf keinen Fall Auto, wenn du getrunken hast, sei couragiert, stehe zu deinen Werten? Und dann passiert ihm sowas?"

In besonderem Maße entsetzt sei sie auch darüber, dass die Täter ein weiteres Mal zu ihren Opfern zurückzukehren versuchten, nachdem sie sich zunächst zurückgezogen hätten, als der Busfahrer verkündete, die Polizei gerufen zu haben. Der Busfahrer habe daraufhin erneut eingegriffen und den beiden jungen Männern die Tür des Busses geöffnet, damit sie einsteigen konnten. Die Tätergruppe sei schließlich in der Dunkelheit verschwunden.

Bildunterschrift: Am Stadtzentrum war Endstation der Fahrt, auf der es zu Ausschreitungen durch vier junge Männer gekommen sein soll. Am Busbahnhof sollen sie eines ihrer Opfer geschlagen und getreten haben.

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Am 7. September 2024 riefen Männer im Bus von Lübbecke nach Preußisch Oldendorf rechte Parolen - ein dagegen sich beschwerender 21-Jähriger wurde danach getreten - Schädel-Hirn-Trauma - die Täter flohen.

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