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1 Veranstaltung - Nachrichten ,
08.09.2024 :
Tages-Chronologie von Sonntag, 8. September 2024
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Veranstaltungskalender:
- Sonntag, 8. September 2024 von 15.00 bis 17.00 Uhr -
Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 - 1945:
Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung "Ideologie und Terror der SS"
Veranstaltungsort:
Kreismuseum Wewelsburg
Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
www.wewelsburg.de
Treffpunkt: Foyer im ehemaligen Wachgebäude der SS auf dem Burgvorplatz; Teilnahmebeitrag: 3 Euro.
Die Dauerausstellung "Ideologie und Terror der SS" bietet - ausgehend von den Ereignissen 1933 bis 1945 in und um Wewelsburg - eine umfangreiche museale Gesamtdarstellung der Geschichte der SS und ihrer Verbrechen. Während der Führung werden Geschichte und Struktur der SS, ihr Personal und dessen Ideologie und Selbstverständnis sowie die zahlreichen Verbrechen der SS thematisiert.
Das Schicksal der Opfer der SS-Gewalt wird am Beispiel des Konzentrationslagers Niederhagen-Wewelsburg verdeutlicht.
Die Besucherinnen und Besucher werden durch die Ausstellung in den historischen Räumen im ehemaligen Wachgebäude der SS am Burgvorplatz geführt, die auf 850 Quadratmetern über 1.000 Exponate präsentiert. Im Nordturm der Wewelsburg erläutern die Pädagoginnen und Pädagogen die Baugeschichte und Bedeutung zweier in NS-Architektur eingerichteter Räume. Sie informieren sowohl über die lokalen Ereignisse in Wewelsburg als auch über die europäischen Dimensionen der SS-Aktivitäten
Inhaltlich endet die Ausstellung nicht mit dem Jahr 1945, sondern spannt den Bogen über die Aufarbeitung des SS-Terrors nach dem Krieg und die Lebensgeschichten der ehemaligen KZ-Häftlinge bis hin zu heutigen Kontinuitäten und Herausforderungen.
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Pressespiegel überregional
tagesschau.de, 08.09.2024:
AfD-Positionspapier / Nur noch "Brot, Bett und Seife" für Asylbewerber
MiGAZIN, 08.09.2024:
Studie / Menschen erwägen Auswanderung wegen AfD-Stärke
Neue Zürcher Zeitung Online, 08.09.2024:
Putins extremistische Freunde in Thüringen - wer soll jetzt den Verfassungsschutz kontrollieren?
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Sonntag, 8. September 2024
Am 19. September 2024 verhandelt das Oberverwaltungsgericht (OVG) NRW eine Klage vom Szene-Anwalt Hendrik Schnelle auf Erteilung einer baurechtlichen Abbruchgenehmigung für die Hofsynagoge in Detmold.
Am 19. Mai 2022 bezeichnete Szene-Anwalt Hendrik Schnelle in einer "Pressemitteilung", die freistehende Hofsynagoge (aus dem Jahr 1633) in der Bruchmauerstraße 37 in Detmold als "Schandfleck im Stadtbild".
Am 18. Mai 2022 wies das Verwaltungsgericht Minden eine Klage des Szene-Anwalts Hendrik Schnelle, auf Erteilung der Abbruchgenehmigung für die Hofsynagoge (1633) in der Bruchmauerstraße 37, Detmold, ab.
www.jg-hf-dt.de
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Welt am Sonntag, 08.09.2024:
Zum Abriss freizugeben?
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Welt am Sonntag, 08.09.2024:
Zum Abriss freizugeben?
Ein Gartenhaus in Detmold entpuppt sich als ehemalige Synagoge aus dem 17. Jahrhundert / Doch der Eigentümer, ein Anwalt der rechten Szene, zieht gegen die Bewertung der Denkmalschützer vor Gericht
Es sind nur wenige Schritte von den herausgeputzten Fachwerkhäusern der Detmolder Altstadt bis zur Bruchmauerstraße. Dort, in einem Hinterhof, steht das Haus mit der Nummer 37. Von der Holzverschalung blättert die Farbe, ein paar Bretter sind bereits abgefallen, am Sockel wuchert das Unkraut. Eine Tafel weist auf Kamera-Überwachung hin. Außerdem hängt vor der Fassade ein Banner mit dem Hinweis auf eine Webseite. Die wird vom Eigentümer des Hauses betrieben und soll dem Besucher der Seite vor allem klarmachen, dass es sich bei diesem Gebäude um ein einfaches altes Haus handelt, dessen Abriss kein Verlust wäre. Und damit sind wir mitten in einem Rechtsstreit, der am 19. September vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster verhandelt wird - in einem Streit, in dem es letztlich darum geht, ob Hendrik Schnelle, ein in der rechten Szene vernetzter Rechtsanwalt, es schafft, einen frühen Beleg für jüdisches Leben in Detmold verschwinden zu lassen. Doch der Reihe nach.
Von Andreas Fasel
Bereits vor 14 Jahren stellte der Eigentümer erstmals einen Antrag auf Abbruch des Gebäudes, damals noch als ein um 1770 erbautes Gartenhaus in die Denkmalliste der Stadt Detmold eingetragen. Daraufhin beschäftigten sich die Denkmalbehörden gründlich mit dem Haus. Am Ende dieser Untersuchungen war die Überraschung groß. Auf Grund einer Altersbestimmung der verwendeten Holzbalken schlossen die Forscher auf das Baujahr 1633, zudem fanden sie am und im Haus Hinweise auf eine ursprüngliche Nutzung als jüdisches Bethaus: die Ausrichtung nach Osten mitsamt einer rituell vorgeschriebenen Fensteröffnung, eine Vorrichtung für die Aufbewahrung der Thorarollen und den Standort des Vorlesepultes. Außerdem ließ sich eine in jüdischen Bethäusern übliche Empore für die Frauen der Gemeinde nachweisen.
Für die Bauforscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Fred Kaspar und Peter Barthold ist unzweifelhaft, dass es sich bei dem Haus in der Bruchmauerstraße 37 um eine so genannte Hofsynagoge handle, wie sie für diese Zeit typisch gewesen sei: als bescheidener Fachwerkbau im Hinterhof eines Wohnhauses errichtet, ohne dass die Nutzung nach außen sichtbar werden durfte. Das Haus sei mithin die älteste erhaltene freistehende Hofsynagoge Nordwestdeutschlands und "ein zentrales Zeugnis der jüdischen Bevölkerung in Detmold für die Zeit vor der Mitte des 18. Jahrhunderts", so schreiben Kaspar und Barthold in einem Aufsatz von 2017.
Doch für Hendrik Schnelle ist all das nichts weiter als "Wunschdenken heutiger Zeitgenossen" und eine "Märchengeschichte", wie er auf seiner Webseite schreibt. Er hält weiterhin daran fest, dass das Haus die "abbruchreife Ruine" eines alten Gartenhäuschens sei - und "unter keinem vernünftigen Gesichtspunkt erhaltenswert".
Schnelles Familie hat das Hinterhof-Gebäude vor Jahrzehnten gekauft. Er selbst betreibt seit 2009 in einem Nachbarhaus eine Rechtsanwaltskanzlei, für die er nun Parkplätze bauen möchte. Eine Anfrage für eine gemeinsame Begehung der Hofsynagoge lehnt er ab, auch stehe er nicht für ein Gespräch mit "Welt am Sonntag" zur Verfügung - und verweist auf seine Webseite.
Der Fall zieht Kreise
Dort sind alle Argumente und Einwendungen nachzulesen, mit denen Schnelle juristisch gegen die neue Denkmal-Bewertung vorgeht, um den Abbruch durchzusetzen. Im Wesentlichen stützt sich Schnelle auf rekonstruierte Stadtpläne des 17. Jahrhunderts, in denen das Gebäude nicht eingezeichnet ist. Außerdem führt er Urkunden an, denen zufolge der Graf zur Lippe den Juden erstmals im Jahr 1666 die Erlaubnis erteilte, ihre Feste zu feiern. Folglich könne es in den Jahren davor keine Juden in Detmold und mithin keine Synagoge gegeben haben. Beim Verwaltungsgericht in Minden blieb Schnelle damit erfolglos. Er reichte Berufung ein, nun liegt die Entscheidung beim Oberverwaltungsgericht Münster.
Und der Fall, der zunächst nur eine lokale Denkmal-Posse zu sein schien, zieht immer weitere Kreise. Das überregionale Interesse erklärt sich nicht allein aus der Hartleibigkeit, mit der Hendrik Schnelle den Abriss seines Hauses durchsetzen will. Vielmehr steht der Verdacht im Raum, dass er den Befund der Forscher, wonach sich auf dem Grundstück seiner Familie eine ehemalige Synagoge befindet, aus anderen Gründen abstreitet.
Informationen über Schnelle sind nicht schwer zu beschaffen: Er sei ein breit vernetzter Szene-Anwalt der extremen Rechten, so die Auskunft der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Ostwestfalen-Lippe. Zu seinen Mandanten gehören einige bekannte Rechtsradikale - etwa der Neonazi Robin Schmiemann aus dem Umfeld der NSU-Terroristin Beate Zschäpe.
Zwar ist ist es die Aufgabe von Rechtsanwälten, auch Mandanten zu verteidigen, deren Gesinnung sie nicht teilen. Doch gibt es Hinweise, dass Schnelle selbst ihrem ideologischen Spektrum angehört. 2002 wurde er selbst wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt - weil laut Landgericht Detmold erwiesen war, dass Schnelle gegenüber einer Jungsozialistin erklärt hatte, man müsse "alle Schwulen vergasen wie damals die Juden". In einer früheren Stellungnahme gegenüber "Welt am Sonntag" sprach Schnelle von einem "Fehlurteil". Und beteuerte, er sei "politisch so neutral wie die Schweiz".
Einer, der Hendrik Schnelles Agieren genau beobachtet, ist Oliver Arnhold. Der promovierte Theologe und Studiendirektor ist einer der Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GfCJZ) in Lippe, die im Februar zusammen mit anderen Gruppen und der Lippischen Landeskirche ein Aktionsbündnis für den Erhalt der Hofsynagoge gegründet hat. Eine der ersten Aktionen war das Erstellen der Webseite hofsynagogedetmold.de, um im Netz den Behauptungen Schnelles etwas entgegenzusetzen.
Arnhold organisiert auch Austausch-Programme mit Israel. Als seine Schüler zur Vorbereitung eines solchen Austauschs das verfallende Haus in der Bruchmauerstraße besucht hätten, so berichtet Arnhold, "da sagte eine Schülerin, es sei ihr peinlich, wenn die Gäste aus Israel zu sehen bekämen, wie in unserer Stadt mit Spuren jüdischer Geschichte umgegangen wird". Daraufhin erarbeiteten die Schüler eine Open-Air-Ausstellung zu jüdischen Spuren in Detmold - und zeigten sie an der Bruchsteinmauer gegenüber der ehemaligen Synagoge. "Und als Reaktion auf die Eröffnung im April 2022 brachte Schnelle das Banner an, mit dem er für seine Webseite und den dort enthaltenen Fake News wirbt", berichtet Arnhold.
Die Sache mit dem Banner, sagt Arnhold, sei nur eine von vielen Provokationen, mit denen Schnelle öffentlichkeitswirksam verbreite, dass er nicht viel von jenem "respektvollen Umgang" mit der Hofsynagoge hält, den die GfCJZ und ihre prominenten Unterstützer wie beispielsweise Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fordern. Im November 2023 veranstaltete Schnelle im Gebäude eine Halloween-Feier und klebte Horrorfratzen in die Fenster. Kurz darauf ließ er darin eine Lichtinstallation in den Farben der Palästina-Flagge aufbauen und erklärte in einer Mitteilung, nicht der Angriff der Hamas auf Israel sei der Anlass, sondern eine Abstimmung in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur humanitären Not im Gazastreifen.
Die Stadt wartet ab
Hendrik Schnelle weiß also zu taktieren. Und nicht jeder Versuch, ihn in die Schranken zu weisen, ist geglückt. Als beispielsweise die Detmolder Denkmalbehörde von ihm verlangte, sein Banner am Haus abzunehmen, ging er gerichtlich gegen die Anordnung vor - und bekam Recht. Nun scheint bei der Stadt die Devise zu gelten, erst einmal abzuwarten, was die Gerichtsverhandlung am 19. September bringt.
"Ich wünsche mir hier eine Stätte der Begegnung für Menschen aller Religionen"
Matitjahu Kellig, Jüdische Gemeinde Herford-Detmold
Und dann? Wird es je "eine historische Begegnungsstätte für alle Menschen aller Religionen" in der alten Hofsynagoge geben, wie sie sich Matitjahu Kellig, der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, wünscht? Wird es Hendrik Schnelle, wie von ihm angekündigt, tatsächlich schaffen, bis vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen, sollte das Oberverwaltungsgericht das Abbruch-Verbot bestätigen? Und: Wie lange wird das marode Haus überhaupt noch durchhalten?
Bildunterschrift: Am Haus in der Bruchmauerstraße 37 stellten Forscher typische Baumerkmale einer sogenannten Hofsynagoge fest.
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