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Nachrichten , 30.08.2024 :

Tages-Chronologie von Freitag, 30. August 2024

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Pressespiegel überregional


Zeit Online, 30.08.2024:
Reichsbürger / Weiterer Prozess wegen geplanter Entführung Karl Lauterbachs gestartet

Jüdische Allgemeine Online, 30.08.2024:
Berlin / Reaktionen auf Schändung des Rosenstraßen-Denkmals

Frankfurter Rundschau Online, 30.08.2024:
Neue Umfrage zu Landtagswahlen: AfD in Thüringen vorn und in Sachsen hinter der CDU

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Freitag, 30. August 2024


Am 27. August 2024, 18.00 Uhr, lud die "Gedenkstätte Frenkel-Haus" in Lemgo zur Einweihung von neuen Informationstafeln, über ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner des Frenkel-Hauses, in der NS-Zeit ein.

Am 11. Oktober 2024 werden in Blomberg für Hermann Hesse, Wilhelm Friedrichs, Wera Tatarenko, sowie Wassily Loboda wie in Kleinenmarpe für Familie Herzberg (Alfred, Erna, Ilse, Walter) Stolpersteine verlegt.

Am 8. Dezember 2023 wurde in Blomberg eine Verlegung der ersten fünf "Stolpersteine" - für Gustav, Elsa Ilse, Max-Julius Königheim sowie Emma Lipper - durch den Kölner Bildhauer Gunter Demnig durchgeführt.

Am 30. August 2024 fand in Detmold-Pivitsheide eine - neonazistische - "Schilder-Aktion" für "Frieden mit Russland!" mit vier Teilnehmenden - Gerd und Irmgard Ulrich - wie Kornelius Langlitz ("die Basis") - statt.

Am 29. August 2024 kündigte Neonazi Gerd Ulrich am 30. August 2024 (15.00 bis 16.00 Uhr) in Detmold-Pivitsheide die "Schilder-Aktion", Motto: "Gegen das Morden, Imperialismus und Fremdbestimmung!", an.

Am 30. August 2024 fand in Paderborn um 17.30 Uhr sowie in Büren um 19.00 Uhr vor der Abschiebehaft, jeweils eine Mahnwache anlässlich des 25. Todestages von Rachid Sbaai in der Abschiebehaftanstalt statt.


www.museen-lemgo.de/frenkelhaus

www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a-b/419-blomberg-nordrhein-westfalen

www.blomberg-lippe.de/Stadtgeschichte-n-/Historisches-Blomberg/Juden-in-Blomberg

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Blomberg

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www.gegenAbschiebehaft.de

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Lippische Landes-Zeitung, 30.08.2024:
Uriel durfte nur drei Jahre alt werden

Lippische Landes-Zeitung, 30.08.2024:
Blomberg setzt Gunter Demnigs Arbeit fort

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Lippische Landes-Zeitung, 30.08.2024:

Uriel durfte nur drei Jahre alt werden

Ausstellungseröffnung in der Gedenkstätte Frenkel-Haus / Großformatige Portrait-Fotos der Familie mit ausziehbaren Info-Tafeln schildern ein geschundenes Leben

Lemgo (hajo). Uriel war das jüngste Opfer der Nazi-Barbarei der 1940er-Jahre gegen die Familie Frenkel. Gerade mal 17 Monate alt, wurde der Lemgoer Junge zusammen mit seinen Geschwistern, Eltern und Großmüttern 1942 über Bielefeld in das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Zwei Jahre später schickten ihn die Nazis wahrscheinlich direkt nach der Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ins Gas.

Ein großes Foto mit angeschlossener Biographie erinnert an das traurige Schicksal Uriels, der nur drei Jahre alt werden durfte, präsentiert an der Wand der Durchgangs-Passage von der Echternstraße 70 in den Innenhof des Frenkel-Hauses. Dort halten die großformatigen Bilder die Erinnerung an die jüdische Familie Frenkel wach, zu der auch Karla Raveh gehörte.

Sara Elkmann, Mitarbeiterin der Gedenkstätte in der Echternstraße 70, führte rund 30 Besucher in die neue Ausstellung ein. Die Fotogalerie ergänzt die "Stolpersteine" vor der Haustür auf anschauliche und eindringliche Weise. Die Bilder sind nämlich mit kompakten Darstellungen der jeweiligen Lebensgeschichten auf Tafeln kombiniert, die der Betrachter am Bildrand herausziehen kann.

So erfährt er zum Beispiel, dass Karla Raveh, geborene Frenkel, damals angesichts der prekären Lage, in der sich die Familie durch den Nazi-Terror befand, aufschnappte, dass die Verwandten von der Geburtsnachricht nicht begeistert waren und Bedenken äußerten: "In so einer schweren Zeit ein Kind?" Aber dann folgt der Nachsatz: "Dieser kleine Junge brachte aber Sonnenschein ins Haus, und die Gemüter beruhigten sich."

Ein kleiner Sonnenschein war Uriel also in den drei Jahren, die er leben durfte. Dazu passt Karla Ravehs weitere Beobachtung. Da die Großmutter oft krank war, mussten Karla und ihre zwei kleinen Brüder zusehen, wie sie etwas in den Magen bekamen. "Der kleine Uriel mit den blonden Locken lief mit seinem Blechschüsselchen herum und stellte sich bei jeder Schlange nach Essen mit an."

Nicht alle Stationen zeigen ein Portrait-Foto. Von einigen Familienmitgliedern gibt es einfach keine Abbildung. Aber wenigstens ein Stück Biographie. Die Großeltern Louis und Laura stehen an der Spitze des Stammbaumes; 15 Personen mussten insgesamt auf engstem Raum im kleinen "Judenhaus" Platz finden, das die Nazis der Familie zugewiesen hatten. Nur Karla Raveh und Helene Rosenberg überlebten am Ende die Tortur im Konzentrationslager.

Den jüdischen Namen "Uriel" für ihr viertes Kind hatten die Eltern nicht aus freien Stücken gewählt. Die Nazis gaben mögliche Namen für jüdische Kinder mit einer Namensliste vor. Am häufigsten erzwungen auch bei den Erwachsenen: Israel und Sara.

Charisma Boos steuerte mit ihrer schönen Stimme - begleitet von Gitarren-Spiel - Songs zur Ausstellungseröffnung bei, die zur besinnlichen Atmosphäre der Veranstaltung beitrugen. "Ich habe Stücke rausgesucht, die zum Thema passen, wollte aber Trauermusik vermeiden", erläutert sie. Vorher hatte die Gästeführerin Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn Besuchern die Stationen des jüdischen Lebens in Lemgo nahe gebracht. Dieser wird von "Lemgo Marketing" angeboten.

Bildunterschrift: Sara Elkmann, Mitarbeiterin in der Gedenkstätte Frenkel-Haus, erläutert den Veranstaltungsteilnehmern die Biographien der einstigen Bewohner des Hauses, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, nur weil sie zu einer jüdischen Familie gehörten.

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Lippische Landes-Zeitung, 30.08.2024:

Blomberg setzt Gunter Demnigs Arbeit fort

Acht neue Stolpersteine sind bereits angekommen, auch der Verlegungstermin steht schon fest / Jetzt sammelt der Arbeitskreis noch Spenden zur Finanzierung

Marianne Schwarzer

Blomberg. Das große Paket bringt nicht nur einiges auf die Waage. Es birgt auch ganz schwere Kost, als es jetzt bei Thilo Angermann vom Arbeitskreis Stolpersteine landet: Denn die acht Betonbrocken mit der glänzenden Oberfläche aus Metall und der Gravur stehen für die Geschichte von acht Menschen aus Blomberg und Kleinenmarpe, die auf Grund ihrer Herkunft, ihrer Überzeugungen und ihrem Mut verfolgt und teilweise getötet worden sind.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Künstler Gunter Demnig bereits die ersten Stolpersteine in der Blomberger Altstadt verlegt. Nun führt der Arbeitskreis seine Arbeit vor, auch wenn der Erfinder dieser besonderen Form des Erinnerns nicht für jeden einzelnen Stein selbst Hand anlegen kann. Sonst wäre es nicht gelungen, bereits in mehr als 1.500 Orten in Europa mehr als 105.000 Stolpersteine zu verlegen. Keiner dieser Steine war für ihn Routine, alle sind handgefertigt aus seiner Werkstatt gekommen. In der Regel gibt er die Initialzündung, dann führen die Menschen vor Ort das Werk des "schweigsamen Pflasterers", wie ihn die LZ in ihrem Portrait genannt hat, fort.

Sieben Steine waren es im Dezember, einige vor der Volksbank im Kleinen Steinweg, andere vor dem letzten Wohnhaus der Emma Lipper in der Neuen Torstraße. Jetzt kommen also acht neue hinzu, einige davon werden ihren Platz in Kleinenmarpe finden.

In dem kleinen Örtchen war es die jüdische Familie Herzberg, "die den Hass der Nationalsozialisten mehr und mehr zu spüren bekam und vor Willkür und Verfolgung gerade noch rechtzeitig nach Südwest-Afrika (heute Namibia) fliehen konnte", schreibt der Arbeitskreis Stolpersteine in einer Pressemitteilung. Die neuen Steine werden vor ihrem damaligen Wohnhaus an Alfred Herzberg, seine Frau Erna sowie deren Kinder Ilse und Walter erinnern.

Der Blomberger Hermann Hesse war Zeuge Jehovas und weigerte sich als "wehrfähiger" junger Mann, die Waffe in die Hand zu nehmen. Er wurde in Russland zum Tode verurteilt und hingerichtet. Wilhelm Friedrichs griff in anonymen Briefen "große" und "kleine" Nationalsozialisten scharf an, und er bediente sich durchaus auch des Spottes. Seine Briefe gegen die Obrigkeit waren mit "Heul Hitler" unterschrieben. Er wurde verhaftet und zum Sondergericht Hannover überstellt. Dort nahm er sich das Leben.

Die ukrainische Zwangsarbeiterin Wera Tatarenko musste in der Blomberger Holzindustrie schuften und hat so sehr unter dieser Situation gelitten, dass sie sich schließlich das Leben genommen hat. Sie hat einen Abschiedsbrief hinterlassen, aus dem das hervorging, und sie wurde nur 42 Jahre alt.

Der russische Kriegsgefangene Wassily Loboda entfernte sich im Frühjahr 1945 einige Meter von der Lagerbaracke der Firma Hausmann und wurde von einem Wachmann erschossen, angeblich "auf der Flucht", wie es damals hieß.

"Allesamt Schicksale, für die es gilt, in Erinnerung zu bleiben. Für die es gilt, den Opfern einen Namen zu geben, damit das geschehene Unrecht nicht abstrakt bleibt, sondern ganz konkret und vor Ort deutlich erfahrbar wird", schreibt der Arbeitskreis Stolpersteine.

Es steht bereits fest, wann die Stolpersteine verlegt werden sollen: Am Freitag, 11. Oktober, ab 10 Uhr in Blomberg für Hermann Hesse, Wilhelm Friedrichs, Wera Tatarenko und Wassily Loboda und nachmittags um 16 Uhr in Kleinenmarpe für Familie Herzberg. Wie genau die Verlegung vonstatten gehen wird, steht noch nicht fest, die Stadt Blomberg wird sich auf jeden Fall mit dem Bauhof wieder daran beteiligen und die jeweiligen Stellen vorbereiten. "Das hat ja auch beim letzten Mal vorbildlich geklappt", sagt Stadtarchivar Dieter Zoremba. Er wünscht sich, dass auch die Schulen sich beteiligen, ob das klappt, ist allerdings noch nicht ganz klar - schließlich hat das Schuljahr gerade erst begonnen.

Zwar sind die Steine bereits in Blomberg angekommen, allerdings sind die Kosten noch nicht gedeckt, so dass der Arbeitskreis noch Unterstützer sucht. Jeder Stein kostet in der Herstellung 130 Euro. Denn die Messingplatten mit den Namen der Opfer sind in Handarbeit geprägt, das ist Gunter Demnig sehr wichtig, wie er bei seinem Besuch in Lippe der LZ sagte. Und es ist ihm ebenso wichtig, dass nicht etwa die jeweiligen Kommunen die Steine finanzieren, sondern Spender. "Es ist eine soziale Skulptur, die vom Geschehen vor Ort lebt", und es rühre ihn immer wieder, was die Beschäftigung mit den Schicksalen der Opfer bei den Leuten auslöse. Zur Finanzierung der Steine sucht der Blomberger Arbeitskreis Stolperstein-AG noch Unterstützer. Wer spenden möchte, kann sich per E-Mail an kirche.reelkirchen@t-online.de wenden und bekommt dann die Nummer des Spendenkontos genannt.

Bildunterschrift: Im Dezember 2023 hat der Künstler Gunter Demnig die ersten Stolpersteine in Blomberg verlegt. Jetzt wird der Arbeitskreis in Blomberg sein Werk fortsetzen und hofft auf eine ähnlich große Beteiligung wie beim ersten Mal.

Bildunterschrift: Frisch aus der Post: Der Künstler Günter Demnig hat die Stolpersteine nach Blomberg geschickt.

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