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Nachrichten: Überfällige Anklagen gegen Neonazis aus Fromhausen, Berlebeck, Lippstadt , 24.07.2024 :

Tages-Chronologie von Mittwoch, 24. Juli 2024

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Pressespiegel überregional


Amadeu Antonio Stiftung, 24.07.2024:
Ermordet von Neonazis: Ein Denkmal für Hans-Georg Jakobson

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Mittwoch, 24. Juli 2024


Am 9. Juni 2024 erreichte die völkisch-nationalistische "AfD" bei den Wahlen zum Europäischen Parlament in der Stadt Preußisch Oldendorf 18,79 Prozent (1.157 Stimmen); die Partei wurde dort drittstärkste Kraft.

In der zweiten Juliwoche 2024 erhob die Staatsanwaltschaft Detmold eine Reihe Anklagen gegen Neonazis aus völkischen Familien (Fromhausen, Berlebeck und Lippstadt) wegen Gewalt- und Propaganda-Delikten.

Am 9. September 2023 wurde in Gotha wegen des Verwendens von "Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen" (NS-Wolfsangel) ein Fromhauser Neonazi von der Bundespolizei angezeigt.

Am 1. Juli 2023 publizierte das "Recherche Kollektiv Ostwestfalen" einen Artikel - ""Die Sturmjugend eines Volkes" - Völkische Familienbanden in OWL" -, über die völkischen "Sippen" Ulrich, Hanusek und Steinbiß.

Am 6. Juni 2023 verurteilte das Amtsgericht in Detmold - wegen Körperverletzungsdelikten am 9. Oktober 2022 in Detmold - drei Neonazis aus Fromhausen zu zwei Bewährungsstrafen, einmal zu einer Geldstrafe.

Am 5. April 2023 leisteten drei Neonazi bei Durchsuchungen in Fromhausen, Berlebeck Widerstand, "wobei in einem Fall mit einem Messer gedroht wurde", ferner gegen drei Personen "der Taser eingesetzt" wurde.

Am 5. April 2023 fanden (wegen der Körperverletzungen am 9. Oktober 2022 in Detmold) bei vier jungen Neonazis in Fromhausen, Berlebeck erneut Durchsuchungen statt und verschiedene Waffen sichergestellt.

Am 2. März 2023 erhob die Staatsanwaltschaft Detmold gegen drei (junge) polizeibekannte Neonazis aus Fromhausen Anklage wegen des Vorwurfs der schweren Körperverletzung am 9. Oktober 2022 in Detmold.

Am 14. Oktober 2022 fanden bezüglich schwerer Körperverletzungen am 9. Oktober 2022 in Detmold, bei Neonazis in Fromhausen (Angehörige der Familie Hanusek) sowie in Berlebeck drei Durchsuchungen statt.

Am 9. Oktober 2022 gegen 16.50 Uhr wurden in Detmold ("Lange Straße") zwei Männer (18,19 Jahre) von vier Neonazis verletzt, einer mit Schädelbasisbruch, und mit Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.

Am 2. März 2022 stellten Staatsanwaltschaft / Amtsgericht Detmold das Verfahren ("Versuchte Nötigung"), gegen einen Fromhauser Neonazi wegen - Geringfügigkeit und mangelnden öffentlichen Interesses - ein.

Am 11. Mai 2021 hob das OLG Hamm einen Freispruch (Anklage: "Versuchte Nötigung") des Amtsgerichts Detmold (5. Juni 2020) für einen Fromhauser Neonazi auf; verwies das Verfahren zurück ans Amtsgericht.

Am 5. Juni 2020 wurde ein Neonazi aus Fromhausen, seit 2006 als "rechtsextremer HDJ-Aktivist bekannt" (Staatsschutz), vom Amtsgericht Detmold von dem Vorwurf der "versuchten Nötigung" u.a. freigesprochen.

Am 26. Mai 2019 fand in Fromhausen eine rechts motivierte Gewalttat (Körperverletzung, Nötigung), unter Beteiligung eines Neonazis - laut Staatsschutz seit 2006 als "rechtsextremer HDJ-Aktivist bekannt" - statt.


www.minden-luebbecke.de/Service/Integration/NRWeltoffen

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https://rkowl.blackblogs.org/2023/07/01/die-sturmjugend-eines-volkes-voelkische-familienbanden-in-owl

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Neue Westfälische Online, 24.07.2024:
Solidarität in Preußisch Oldendorf: Bürger setzen Zeichen für Demokratie

Neue Westfälische Online, 24.07.2024:
Bajonett und Nazi-Lied: Anklagen gegen rechtsextreme Szene in Lippe

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Neue Westfälische Online, 24.07.2024:

Solidarität in Preußisch Oldendorf: Bürger setzen Zeichen für Demokratie

24.07.2024 - 11.09 Uhr

Gegen den Rechtsruck

Mit einem Fest für Demokratie möchten das Initiatoren-Team am 14. September vor dem Haus des Gastes ein Zeichen setzen. Für die Demokratie und alle, die ihre Werte vertreten.

Von Ilka Gülker

Preußisch Oldendorf. "Arsch huh, Zäng ussenander" - für die ehemalige Grundschulrektorin Heidi Freudenstein ist es nicht das erste Mal, dass sie diese Worte in Preußisch Oldendorf mit Leben füllt. Schon im Jahr 2017, als sich die Grundschule unter ihrer Leitung dem Bündnis "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" anschloss, nutzte sie diese Zeilen als Slogan, den sie mit Kollegium und Schülerschaft sang. In Absprache mit den Urhebern und auf Initiative ihrer Mitstreiter Marius Maschmeyer und Inka Maschmeyer-Jockheck hat sie die Kölsche Aufforderung nun erneut aufgegriffen.

Wenn man über das Ergebnis der Europa-Wahl verärgert ist und die große Zustimmung der AfD nicht gutheißen kann, dann hilft es nichts, sich am Küchentisch darüber auszulassen, fand Inka Maschmeyer-Jockheck. "Dann mach doch etwas dagegen", forderte sie Ehemann Marius auf. Und das tat er. Schnell war die Telefonnummer von Heidi Freudenstein gewählt, bei der die beiden mit ihrer vagen Idee erwartungsgemäß "offene Türen einrannten".

Schon mehrfach hat sich die ehemalige Leiterin der Grundschule Preußisch Oldendorf gegen rechtes Gedankengut engagiert. Zu ihrer Überraschung habe sie im Rahmen ihrer letzten Aktion festgestellt, wie viel Mut es von vielen Menschen erfordert, sich öffentlich zu positionieren, sagt sie. Nicht zuletzt aus diesem Grund entschieden sich die drei Engagierten dazu, keine Botschaft gegen etwas zu senden, sondern einen Anlass zu geben, sich für etwas einzusetzen.

Initiatoren hoffen auf Unterstützung

Als Inka Maschmeyer-Jockheck ihren Ehemann aufforderte, doch aktiv zu werden, schlug sie vor, etwas Musikalisches auf die Beine stellen. Für das Mitglied der beliebten Band 7 Beats läge das schließlich nah. Aus dieser Initiatividee heraus entstand so schnell die Vision von einem "Fest für Demokratie", auf dem Menschen zusammenkommen und gemeinsam zeigen können, für welche Werte sie stehen. "Da zu sein reicht", sagt Heidi Freudenstein. Wer zu dem Fest käme, der würde klar zeigen: "Ich stehe hinter dieser Botschaft."

Der Rahmen soll mit einem Fest in "umsonst und draußen"-Manier vor dem Haus des Gastes positiv und familienfreundlich gehalten werden. Von 17 bis 22 Uhr sollen Menschen aller Altersgruppen gemeinsam feiern und Musik, Speisen und Getränke genießen. Damit die Gäste ausreichende Parkmöglichkeiten finden, bitten die Organisatoren, die Parkflächen am Sportplatz, Heddinghauser Straße 11, zu nutzen. Mit einer Hüpfburg soll auch bei den jüngeren Gästen für gute Stimmung gesorgt sein, während sich das ältere Publikum auf vier Acts freuen darf, die auf der Bühne vor der bis dahin nach Plan fertiggestellten Remise auftreten werden. Neben den 7 Beats werden auch die Trommelgruppe Iwimo, die Band Groove Discovery und Uwe Müller für gute Stimmung sorgen, wenn es am 14. September heißt: "Arsch huh" und "Zäng ussenander" für die Demokratie.

Dafür sind die Initiatoren nicht nur bereit, den Organisationsaufwand zu schultern, sondern auch erhebliche Kosten zu stemmen. Mit rund 2.600 Euro schlägt das Fest für Demokratie bislang zu Buche und damit ist die Finanzierung noch nicht abgeschlossen. Ein weiterer Sponsor hat sich bereits gefunden, die Organisatoren hoffen auf weitere Menschen, die dazu bereit sind, nicht nur durch Anwesenheit ein Zeichen zu setzen, sondern auch mit finanzieller Unterstützung zur Umsetzung des Projektes beizutragen. Auch ohne Unterstützung, das machen sie deutlich, würden sie das Fest aber umsetzen.

Ein gemeinsames Zeichen setzen

Dank der Zusammenarbeit mit dem "KuK", dem Verein für Kommunikation und Kultur Pr. Oldendorf e.V., können Spenden angenommen werden. Mit dem Verwendungszweck "Fest für Demokratie" nimmt der KuK diese auf dem Vereinskonto entgegen, dessen IBAN Heidi Freudenstein gerne auf Anfrage an heidi.freudenstein@t-online.de herausgibt. Auch das Förderprogramm NRWeltoffen unterstützt das Projekt der engagierten Preußisch Oldendorferinnen und Preußisch Oldendorfer. Denn die haben ein klares Ziel: Zu verhindern, dass sich Geschichte wiederholt.

"Als Einzelner etwas zu sagen, ist schwer, aber als Gemeinschaft kann man laut werden", sagt Marius Maschmeyer. Still zu bleiben und die Geschehnisse über sich hinweg rollen zu lassen, käme für ihn nicht infrage. Mit dem Fest möchten sie Gleichgesinnten zeigen, dass sie viele sind. "Wir möchten Menschen einladen, dazuzukommen und zu sagen: Wir auch", macht Heidi Freudenstein deutlich.

Auch seitens der Stadtverwaltung würden sie für ihr Vorhaben Zuspruch und Unterstützung erfahren. Was jetzt noch fehlt, seien viele Besucherinnen und Besucher, finanzielle Beteiligung und hoffentlich gutes Wetter.

Bildunterschrift: Inka Maschmeyer-Jockheck (v. l.), Marius Maschmeyer und Heidi Freudenstein laden dazu ein, gemeinsam ein Zeichen für Vielfalt und Demokratie zu setzen.

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Neue Westfälische Online, 24.07.2024:

Bajonett und Nazi-Lied: Anklagen gegen rechtsextreme Szene in Lippe

24.07.2024 - 18.48 Uhr

Zwei Familien im Fokus

Die Staatsanwaltschaft Detmold hat jüngst mehrere Personen angeklagt, die der rechtsextremen Szene angehören sollen. Die Liste der Vorwürfe ist lang.

Von Lukas Brekenkamp

Detmold. Die Staatsanwaltschaft hat gleich mehrere Personen angeklagt, die zur rechtsextremen Szene in Lippe gehören sollen. Unter anderem geht es um einen SEK-Einsatz, bei dem ein Messer gezogen worden sein soll.

Im April 2023 stürmte das SEK drei Anschriften in Detmold und Horn-Bad Meinberg. Grund für den Einsatz waren laut Polizei Erkenntnisse zu einer beträchtlichen Waffensammlung von drei Brüdern und einer weiteren Person, die im Rahmen von Ermittlungen zu einer Gewalttat in Detmold ans Licht kamen. Die Behörden wollten den vier Personen, die nach Recherchen dieser Redaktion allesamt zur rechtsextremen Szene gehören, die - teilweise legalen - Waffen abnehmen. Die Behörden sahen eine Gefahr der Männer aufgrund ihrer "Neigung zu Gewalttaten und ihrer rechtsradikalen und die staatliche Ordnung ablehnenden Haltung", hieß es damals.

Doch an der Anschrift der drei Brüder soll es nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zu einem Zwischenfall gekommen sein. Der Vater der drei jungen Männer (54) soll dabei ein beidseitig geschliffenes Bajonett (Klingenlänge von 20 Zentimetern) gezogen haben. Mehrfach sollen die Beamten ihn angewiesen haben, dieses niederzulegen - diesen Aufforderungen soll der Mann, der nach Informationen dieser Redaktion ebenfalls eine Vergangenheit in der rechtsextremen Szene hat, jedoch nicht nachgekommen sein. Vielmehr soll er mit dem Messer in der Hand gar auf die Beamten zugegangen sein. Der 54-Jährige wurde schließlich mit einem so genannten Taser gestoppt.

Nach Waffe von SEK-Beamten gegriffen?

Angeklagt wurde er nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Aus Sicherheitskreisen heißt es, der Mann könnte durchaus Glück gehabt haben. "Ist bei einem solchen Einsatz ein Messer im Spiel, haben Beamte in der Vergangenheit auch schon auf ihr Gegenüber geschossen", heißt es.

Und auch für zwei seiner Söhne (18, 22) könnte der Einsatz ein Nachspiel haben. Beide sollen ebenfalls Widerstand geleistet haben, sich gegen die Fesselung durch die Beamten gesperrt haben und wurden deswegen angeklagt - eine Polizei-Meldung legt nahe, dass auch sie bei dem Einsatz getasert wurden.

Der ältere der beiden Brüder soll nach Angaben der Detmolder Staatsanwaltschaft zudem nach der Waffe eines SEK-Beamten gegriffen haben. Beide sind den Sicherheitsbehörden gut bekannt, beispielsweise wurden sie im vergangenen Jahr wegen einer Schlägerei in der Detmolder Innenstadt verurteilt. Eines der Opfer erlitt bei der Gewalttat im Oktober 2022 einen Schädelbruch.

Tattoo könnte zum Verhängnis werden

Beide werden die Justiz auch mit anderen Anklagepunkten beschäftigen. Der 18-Jährige soll im Februar 2023 an einem Berufskolleg in Lemgo (Kreis Lippe) einen Kontrahenten angegriffen und auf diesen eingeschlagen und -getreten haben. Dabei soll er eine zurechtgebogene Gabel als Schlagwerkzeug genutzt haben. Ebenfalls im Februar 2023 soll sein 22-jähriger Bruder an dem Berufskolleg einen jungen Mann daran gehindert haben, mit seinem Auto wegzufahren. Dabei soll er einen Schraubenzieher in der Hand gehabt haben. Ob die Taten zusammenhängen, blieb vorerst unklar.

Der 18-Jährige wurde jedoch auch angeklagt, weil er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine rechtsextreme Gesinnung offen gezeigt haben soll. Am Bahnhof in Gotha (Thüringen) soll der junge Mann im September 2023 Bundespolizisten aufgefallen sein, da unter seiner kurzen Hose eine Tätowierung auf seinem Oberschenkel zum Vorschein gekommen sein soll: demnach eine Wolfsangel, ein Symbol der rechtsextremen Szene. "Der Deutsche war bereits in der Vergangenheit durch seine Angehörigkeit zur rechten Szene polizeilich in Erscheinung getreten", hieß es damals in einer Polizei-Meldung.

Verfassungsschutz hat offenbar Familien im Blick

Und auch in einem weiteren Fall muss sich der junge Mann bald verantworten - gemeinsam mit einem Mitstreiter aus Detmold sowie zwei Brüdern aus Lippstadt, allesamt nach Informationen dieser Redaktion verwurzelt in der rechtsextremen Szene. In einem Detmolder Park soll das Quartett im Sommer 2023 das verbotene Lied "Sturmführer" der Neonazi-Band "Landser" laut gehört und mitgesungen haben. In dem Lied heißt es im Refrain "Opa war Sturmführer bei der SS". Auch der Hitlergruß soll laut Staatsanwaltschaft bei der Aktion gezeigt worden sein.

Die beiden Familien der im Fokus stehenden Personen aus Horn-Bad Meinberg sowie Detmold sind nach Informationen dieser Redaktion auch dem Verfassungsschutz in NRW bekannt. Sie gehören zu "Familienverbänden", die bereits seit mehreren Generationen in der rechtsextremistischen Szene aktiv seien und deren Familienmitglieder aktive Mitglieder der 1994 verbotenen "Wiking-Jugend" sowie der im Jahr 2009 verbotenen Vereinigung "Heimattreue Deutsche Jugend" gewesen seien, heißt es von dem Nachrichtendienst allgemein.

Bisher einzig bekannt ist der Anwalt des 22-Jährigen aus Horn-Bad Meinberg, Hendrik Schnelle. Dieser wollte sich nicht zu den Anklagepunkten gegen seinen Mandanten äußern. Den drei übrigen Angeklagten aus Horn-Bad Meinberg und Detmold sollen demnach teilweise Pflichtverteidiger zur Seite gestellt werden.

Bildunterschrift: Ein SEK-Beamter der Polizei NRW. Einer der Beschuldigten soll nach der Waffe einer solchen Einsatzkraft gegriffen haben (Symbolbild).

Bildunterschrift: Symbolbild: Bei einem SEK-Einsatz im Kreis Lippe im April 2023 wurde ein Mann mit einem so genannten Taser niedergestreckt, weil er ein Messer gezogen haben soll.

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