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Westfalen-Blatt / Bielefelder Zeitung , 05.02.2024 :

Erneut Hass-Botschaften an Moschee

Mordaufrufe auf Kassenzetteln für 20 Essensbestellungen

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Die Hicret-Moschee in Brackwede ist am Freitag wieder zum Ziel von Hass-Botschaften geworden. Die Mordaufrufe tauchten, wie schon ein paar Wochen zuvor, wieder auf Kassenzetteln eines Lieferdienstes für Essen auf.

"Am Freitagabend gegen 20 Uhr wurde die Hicret-Moschee in Brackwede wiederholt Ziel eines widerlichen Angriffs. Die Gemeinde erhielt von unbekannten Tätern zahlreiche unerwünschte Lieferando-Bestellungen, die mit mörderischen Hass-Botschaften vermerkt waren." Das berichtet Cihad Kefeli, Vorsitzender des Bündnisses islamischer Gemeinden Bielefeld (BIG), der Dachorganisation der islamischen Gemeinden in Bielefeld.

"Erneut wurde sofort Strafanzeige bei der Polizei erstattet", sagt der BIG-Vorsitzende. Ein Polizeisprecher bestätigte am Samstagmorgen den Eingang der Strafanzeige. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz der Polizei ermittele.

Die Hass-Botschaften an die Moschee-Gemeinde waren wieder in der Kommentarfunktion für Online-Bestellungen über den Lieferdienst Lieferando übermittelt worden. Die unter einem türkischen Männernamen verfassten Mordaufrufe enthielten erschreckende Aussagen wie "Dönermord wird Volkssport! Ausrottung der Sandnigger! Gaskammern für das degenerierte Palästinenservolk!"

Kefeli spricht von insgesamt etwa 20 unerwünschten Essenslieferungen an die Hicret-Moschee, mit jeweils der gleichen menschenverachtenden Hass-Botschaft auf dem Kassenbon. Die Lieferando-Fahrer seien quasi in Kolonne vorgefahren, um indische Speisen, Sushi, Pizza und Pasta im Bestellwert von bis zu 1.000 Euro zu bringen.

Die Gemeindemitglieder - etwa 35 bis 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen sich abends zur Teestundenzeit in der Moschee aufgehalten haben - hätten die Annahme des nicht bestellten Essens verweigert. "Das ist natürlich auch ein Schaden für die betroffenen Restaurants", sagt Kefeli. In einem ersten Schritt sei die Adresse der Moschee bei Lieferando gesperrt worden. Dies sei aber nur für 24 Stunden möglich.

Bündnis-Vorsitzender Cihad Kefeli sieht in den Mordaufrufen einen Bezug zur neonazistischen Terror-Vereinigung Nationalsozialistische Untergrund (NSU). Der von den drei Haupttätern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gegründete NSU ermordete zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin, verübte 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle.

Hass-Botschaften mit ähnlichem Inhalt hatte die Hicret-Moschee an der Windelsbleicher Straße 100 bereits am 16. Dezember vergangenen Jahres von Unbekannten erhalten. Auch da waren über Lieferando unerwünschte Essensbestellungen mit rassistischen, volksverhetzenden und islamfeindlichen Nachrichten auf den Kassenbons eingegangen.

"Ausrottung der Wüstennigger" oder "Weißer Phosphor auf Palästinensische Kinder" hatte im Dezember ein Auftraggeber mit dem Namen "Stephan" über eine Kommentarfunktion per Online-Bestellung auf den Bon schreiben lassen. Auf anderen Kassenzetteln stand auf Türkisch geschrieben: "Ihr dummen Bastarde seid nichts, Israel wird gewinnen. Nieder mit Palästina."

Besonders alarmierend sei, dass dies eine Wiederholung sei und nicht einmal der letzte Angriff aufgeklärt werden konnte, heißt es vom Bündnis islamischer Gemeinden. Kefeli: "Die muslimische Gemeinschaft in Bielefeld, die Gemeinde und ihre Besucher sind tief besorgt über die ernsthafte Bedrohung und fordern endlich eine entschiedene Reaktion durch die Politik und die Behörden, um solchen Hass-Verbrechen ein Ende zu setzen. In letzter Zeit wurde bundesweit ein erheblicher Anstieg islamfeindlicher Übergriffe verzeichnet."

Die erneute Übersendung von Hass-Botschaften ausgerechnet an einem Freitag, dem Tag, an dem sich gläubige Muslime traditionell zum Gebet in der Moschee versammeln, habe die "Mitglieder der Hicret-Gemeinde tief besorgt und verängstigt". "Das hat die Gemeinde mitgenommen", hieß es vom Bündnis-Vorsitzenden.

Gleichzeitig habe am Freitagabend in der Bielefelder Innenstadt am Rathaus ein Querdenker-Aufmarsch stattgefunden, der zeige, "dass extremistische Ansichten nicht nur in virtuellen Räumen, sondern auch auf unseren Straßen deutlich präsent sind", heißt es vom Bündnis islamischer Gemeinden.

Zu den aktuellen Hass-Botschaften an die Hicret-Moschee heißt es abschließend: "Das Bündnis islamischer Gemeinden in Bielefeld verurteilt diesen widerlichen Akt auf das Schärfste und fordert nachdrücklich, dass diese Vorfälle bis ins kleinste Detail aufgeklärt werden, die Politik sich entschieden positioniert und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden."

Bildunterschrift: Die Hicret-Moschee in Brackwede wurde erneut zum Ziel von Hass-Botschaften. 20 Essensbestellungen mit Drohungen gingen binnen kurzer Zeit ein.

Bildunterschrift: Cihad Kefeli, Vorsitzender des Bündnisses islamischer Gemeinden Bielefeld, war auch Redner bei der Großdemo am vergangenen Dienstag.

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Am 2. Februar 2024 (gegen 20.00 Uhr) erhielt die Hicret-Moschee in Bielefeld zahlreiche Bestellungen von "Lieferando" mit anonymen Morddrohungen ("Dönermord wird Volkssport!", "Ausrottung der Sandnigger").

Am 16. Dezember 2023 gegen 20.00 Uhr platzierten Unbekannte an der Hicret-Moschee in Bielefeld nicht georderte "Lieferando"-Bestellungen, begleitet von menschenverachtenden, islamfeindlichen Botschaften.

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