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Neue Westfälische Online ,
29.01.2024 :
Verpächter unterbindet AfD-Stammtisch in Altenbekener Kneipe
29.01.2024 - 17.45 Uhr
Flagge zeigen
Am Mittwoch sollte ein Treffen der AfD in der Eggegemeinde stattfinden. Eine Protestaktion war bereits angemeldet und auch die Politik, Kirche und Schützen positionieren sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.
Von Uwe Müller
Altenbeken. "LWL und Rassismus gegen Weiße" war nur ein Thema über das Sascha Menkhaus, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), am Mittwoch, 31. Januar, ab 19 Uhr in Altenbeken referieren wollte. In der Gaststätte "Ruth’s Knotenpunkt" sollte der monatliche Stammtisch des AfD-Kreisverbandes Paderborn stattfinden.
Schnell hatte sich das geplante AfD-Treffen in der Gemeinde herumgesprochen und ebenso schnell formierte sich ein Bündnis dagegen. Eine Demonstration war bereits bei der Polizeibehörde angemeldet. Doch nun ist der Stammtisch abgesagt worden. Der Verpächter der Gaststätte, Franz-Josef Mertens, hat das Treffen unterbunden.
"Wir werten das als einen Erfolg vieler Demokraten in Altenbeken, die bereits eine Demonstration planten. Wir lehnen ganz deutlich die politischen Ziele der AfD ab", sagt Manfred Lummer von der neu gegründeten "Allianz Gegen Rechts Altenbeken". Friedlicher Protest und das Eintreten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands seien ein starkes Zeichen für den deutschen Rechtsstaat.
Allianz gegen rechts soll keine Eintagsfliege sein
"Mit Besorgnis verurteilen wir als Bürger-Allianz beispielsweise die von der AfD politisch gewollte Remigration von deutschen Staatsbürgern, die seit Generationen in Deutschland beheimatet sind und befürworten die gesellschaftliche Integration von Einwandern und ihren Familien uneingeschränkt", heißt es in einer Stellungnahme des Bündnisses.
Es sei sehr wichtig, dass sich die Gesellschaft aktiv für Toleranz, Vielfalt und den Schutz demokratischer Werte einsetze. "Wir rufen dazu auf, gemeinsam für eine offene und inklusive Gesellschaft einzustehen und sich gegen jegliche Form von Ausgrenzung und Diskriminierung zu engagieren. In der heutigen Zeit und dem Erstarken von faschistischen Ideologien der Rechtspopulisten müssen alle Bürgerinnen und Bürger unseres Heimatortes engagiert für eine weltoffene und demokratische Gemeinschaft eintreten", schreibt die Allianz.
Lummer betont auch, dass der Einsatz der Allianz keine Eintagsfliege sei. "Wir wollen weiter aufklären, uns äußern und uns formieren. Die AfD hat vor, alle 15 Wahlbezirke in der Gemeinde zu besetzen. Bei den letzten Wahlen hatte die AfD in Altenbeken die höchste Quote im ganzen Kreis Paderborn. Dagegen muss etwas getan werden", macht Lummer deutlich.
"Wir dürfen nicht wie vor 100 Jahren schweigen"
Auch Pastor Bernhard Henneke, seit 2009 in der Gemeinde tätig, begrüßt es, dass viele in Altenbeken nun aufstehen und Flagge zeigen. "Jetzt, wo die AfD so massiv geworden ist, ist es wichtig, dass wir den Mund aufmachen. Wir dürfen nicht wie vor 100 Jahren schweigen. Als Christen haben wir ein Weltbild, das den Menschen - egal wie er aussieht oder wo er herkommt - in den Mittelpunkt stellt. Es darf niemand diskriminiert und ausgegrenzt werden - das ist mir sehr wichtig."
Bei den Schützen-Versammlungen, wo er als Bezirkspräses auch mit dabei ist, mache er sehr eindringlich darauf aufmerksam. Aber es sei nicht nur die AfD, die Verrohung der Gesellschaft und Ausgrenzung seien überall spürbar, merkt der Pastor an.
"Vor 100 Jahren begann sich - zunächst fast unbemerkt - die Seuche des Nationalsozialismus auszubreiten, und bereits zehn Jahre später war Deutschland fest in brauner Verbrecher-Hand. Es brauchte keine 20 Jahre, um die Welt in die größte Menschheitskatastrophe zu stürzen", erinnert Kurt Blaschke an die Nazi-Zeit.
Verpächter habe mutig den Spuk unterbunden
Der heute 85-Jährige hat als Kind diese Zeit noch miterlebt. Er sei ohne Vater aufgewachsen, der insgesamt zehn Jahre Krieg und sibirische Gefangenschaft überlebte. "Ich warne davor, den dreisten und gefährlichen Neofaschisten auf den Leim zu gehen. Wir Altenbekener wollen diese ungebetenen Gäste nicht, und deshalb ist die große Mehrheit stolz auf Franz-Josef Mertens, der konsequent und mutig diesen Spuk unterbunden hat", teilt der Altenbekener mit.
Auch die drei Schützenbruderschaften aus Schwaney, Buke und Altenbeken haben eine gemeinsame Stellungnahme abgegeben. Darin betonen sie, dass sie alle verfassungsfeindlichen Organisationen, antisemitische, diskriminierende sowie rassistische Bewegungen jedweder Art und entsprechendes Verhalten grundsätzlich ablehnen.
Die Schützen verstehen sich vielmehr als Bindeglied innerhalb der Gemeinde. "Bei unseren Veranstaltungen bringen wir Menschen zusammen. Denn erst ein Gespräch bietet die Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens und letztendlich Verstehens", heißt es von Seiten der Schützen.
"Aktuelle Präsenz der AfD beobachten wir mit Sorge"
Auch Bürgermeister Matthias Möllers und die Fraktionen von CDU, SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und ABA / FDP des Gemeinderats positionieren sich klar gegen jede Form von Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Extremismus. "Die aktuelle Präsenz der AfD in Altenbeken sehen wir kritisch und beobachten wir mit Sorge. Unsere Gemeinde steht für Vielfalt, Toleranz und ein respektvolles Miteinander. Wir setzen uns aktiv für eine offene und inklusive Gemeinschaft ein, in der sich alle Bürgerinnen und Bürger willkommen und sicher fühlen", heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme.
Die Politikerinnen und Politiker appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger, ein Zeichen für Gemeinschaft und Solidarität zu setzen und sich gegen Spaltung und Ausgrenzung zu engagieren: "Wir werden uns weiterhin gemeinsam für eine Gemeinde einsetzen, in der jede Stimme gehört wird und in der Zusammenarbeit und Toleranz im Mittelpunkt stehen."
Bildunterschrift: Bildunterschrift: In der Gaststätte "Ruth’s Knotenpunkt" in Altenbeken sollte der Stammtisch des AfD-Kreisverbandes Paderborn stattfinden. Der Verpächter hat dieses Treffen nun unterbunden.
Bildunterschrift: In der Gaststätte "Ruth’s Knotenpunkt" in Altenbeken sollte der Stammtisch des AfD-Kreisverbandes Paderborn stattfinden. Der Verpächter hat dieses Treffen nun unterbunden.
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Am 29. Januar 2024 unterband die Gaststätte "Ruth’s Knotenpunkt" in Altenbeken den für den 31. Januar 2024 angekündigten "AfD"-"Stammtisch" mit Sascha S. Menkhaus zu "LWL und Rassismus gegen Weiße".
Am 21. Januar 2024 kündigte der "AfD"-"Kreisverband Paderborn" für den 31. Januar 2024, ab 19.00 Uhr, in Altenbeken, einen "Stammtisch" mit Sascha S. Menkhaus über "LWL und Rassismus gegen Weiße" an.
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