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Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung ,
29.01.2024 :
4.000 Menschen demonstrieren gegen Rechts
Mit Plakaten wie "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf" und "Es ist kurz vor 1933" ziehen Menschen in einem Protestzug gegen die AfD von Wiedenbrück nach Rheda / Angemeldet worden waren 1.000 Teilnehmende
Marion Pokorra
Rheda-Wiedenbrück. Fast 30 Minuten dauerte es, bis alle Teilnehmenden der Demonstration "Demokratie braucht keine Alternative" vom Marktplatz auf die Lange Straße abgebogen waren. Sie zogen zur friedlichen Kundgebung zum Doktorplatz. Die Veranstalter sprechen von 4.000 Menschen, die sich Sonntag auf den Weg machten.
Dabei ist Kathrin Malcher. Die Rheda-Wiedenbrückerin war sehr lange auf keiner Demo. Jetzt aber "wurde eine Grenze überschritten", meint sie das geheime Treffen von AfD-Politikern, Neonazis und privaten Unterstützern, die planen, Millionen Menschen aus Deutschland vertreiben zu wollen. Darüber berichtet hatte das Recherche-Zentrum "Correctiv".
Es sei sehr traurig, dass "junge Menschen Angst haben, dass sie vielleicht nicht hierbleiben dürfen", sagte Giulia Nitoi, Schülervertretung (SV) der Osterrath-Realschule. Niemand solle leiden müssen, nur weil er aus einem anderen Land komme oder eine andere Religion habe, meinte Vaz Novo Silvestre, SV der Moritz-Fontaine-Gesamtschule. "Nicht alle Menschen sind gleich, aber alle sollten gleich behandelt werden."
"Demokratie ist unser höchstes Gut"
Die Bedeutung der Grundrechte unterstrich Bürgermeister Theo Mettenborg. Niemals dürfe man "unser Wertesystem für selbstverständlich nehmen angesichts der Hetze auf der Straße und im Netz". Jeder müsse sich in seinem unmittelbaren Lebensumfeld engagieren und es positiv beeinflussen. "Man muss sich der Debatte mit demokratiefeindlichen Kräften stellen - verbale Auseinandersetzungen gehören dazu, Demokratie ist unser höchstes Gut."
Bernd Jostkleigrewe, sein Vorgänger als Bürgermeister und heute Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Rheda-Wiedenbrück, meinte, dass "wir selten so viel Ärger und Politikverdrossenheit wahrgenommen haben". Die Zeit sei nicht einfach, doch dränge sich die AfD in den Vordergrund, wolle einfache Lösungen verkaufen und stelle sich "gegen unsere staatliche Grundordnung". Jostkleigrewe sprach von UfD - von "Unheil für Deutschland".
Spontan wurde Sabine von "Omas gegen Rechts" ans Mikrofon geholt. Die Nörgler, die die AfD wählten, würden nichts ändern, sagte sie. "Macht selbst etwas und nicht immer andere verantwortlich." Jeder müsse aufstehen, wenn er Alltagsrassismus erlebe, wenn jemand angemacht werde. "Hier seht ihr, dass ihr nicht alleine seid."
Rebin Ismail, vor acht Jahren als Flüchtling gekommen, berichtete von der Unterstützung, die ihm zuteil wurde: Beim Lernen der Sprache, bei der Überwindung bürokratischer Hürden. Von elf Leuten, mit denen er damals in die Stadt gekommen ist, leben noch neun in Rheda-Wiedenbrück. Sie alle arbeiten, vom Imbiss-Betreiber bis zum Informatiker. "Wir leisten unseren Beitrag, wir sind eure Nachbarn und Freunde."
Die wirtschaftliche Existenz werde ebenso durch den "National-Extremismus mit seiner offenen Menschenverachtung“"der Rechten bedroht wie "unser aller Zusammenleben", sagte Hans-Werner Heißmann-Gladow, IG Metall. "Demokratie braucht keine Alternative, Demokratie braucht Demokraten." Das heiße auch, der Verächtlichmachung der Demokratie solidarisch entgegen zu treten.
Zum Ende zeigte sich Michel Gwosdek als Versammlungsleiter der Protestkundgebung, die eine partei-, konfessions- und altersübergreifende Gruppe organisiert hatte, gerührt von den vielen Teilnehmenden. Zum Abschied riet er ihnen: "Passt aufeinander auf." Das letzte Wort hatte dann einer der Demonstranten in der ersten Reihe mit seiner Aufforderung: "Zuversichtlich sein."
Bildunterschrift: Auch kurz vor Ende der Kundgebung ist der Doktorplatz gut gefüllt. Zur Musik von Florian (Arkaden) kommen die Leute in Bewegung. Die Veranstalter der Demonstration "Demokratie braucht keine Alternative" sprechen von 4.000 Teilnehmenden.
Bildunterschrift: Auch diese Ur-Oma, geschoben im Rollstuhl, zeigt klare Haltung gegen Rechts.
Bildunterschrift: Carolina Vaz Novo Silvestre von der Moritz-Fontaine-Gesamtschule spricht. Auch die SV der Osterrath-Realschule mit Malte Obergassel (v. l.), Giulia Nitoi und Muraz Gürer wird reden.
Bildunterschrift: Den Kinderwagen haben die Eltern von Anton, der friedlich schläft, plakatiert.
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Am 28. Januar 2024 beteiligten sich 4.000 Menschen - an der Demonstration - "Demokratie braucht keine Alternative" von Wiedenbrück nach Rheda -, um gegen die völkisch-nationalistische "AfD" zu protestieren.
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