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Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung , 29.01.2024 :

Harsewinkeler setzen nach spontanem Aufruf ein Zeichen gegen Hass

Mehrere hundert Menschen versammeln sich am Samstag vor dem Rathaus / Sie haben eine deutliche Meinung zur fremdenfeindlichen Politik der AfD

Harsewinkel. (joe/hn). Die Aussagen auf den Plakaten lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. "Remigriert euch selber", lautet ein Tipp an all jene, die mit ihren Vertreibungsfantasien gegen Menschen mit Migrationshintergrund erst dafür gesorgt haben, dass in den vergangenen Tagen die Menschen in Deutschland auf die Straße gehen. Wie am Samstag in Harsewinkel, als sich nach dem kurzfristigen Aufruf von Initiator Heinz Ketteler nach Polizeiangaben 400 Menschen vor dem Rathaus versammeln.

Die Zahl mag hoch gegriffen sein. Es sind gleichwohl viele dem erst am Freitag veröffentlichten Aufruf gefolgt, um der AfD nicht nur die Rote Karte, sondern auch die Meinung zu zeigen. "Albtraum für Deutschland", lautet eine Interpretation für die drei Partei-Buchstaben. "AfD-T, Alles für Die Tonne - nicht recycelbar", steht auf einem anderen Plakat. Oder auch einfach "unsere Freunde bleiben hier", wie ein Junge aufgeschrieben hat. Im seit Jahrzehnten prosperierenden Harsewinkel, dessen Industrie vom Zuzug der Menschen profitiert, gehören die Zugezogenen dazu, soll das heißen.

Den Gedanken nimmt Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide, die am Freitag bereits auf der Demo in Gütersloh war, auf: "Wie könnte denn überhaupt ein Mähdrescher das Claas-Werk verlassen, wenn dort nicht Mitarbeiter mit Migrationsgeschichte oder aus dem Ausland tätig wären?", fragt sie und mahnt, wehrhaft zu bleiben.

Zudem lädt sie Ketteler ins Rathaus ein, damit er aus dem kleinen Sitzungssaal seine Rede für alle verständlicher halten kann. Im Sinne von Paragraf 1 des "heiligen Grundgesetzes", wie er sagt - die Würde des Menschen unantastbar - setze er sich für die rechtsstaatliche Demokratie ein. "Als einfacher Bürger rufe ich zum Widerstand gegen diese gefährliche Entwicklung in Deutschland auf", bekräftigt Ketteler. "Es reicht jetzt."

"Ich habe Angst, dass die AfD Wahlen gewinnt", erklärt Barbara Binacchi, die "bunt statt braun" plakatiert hat, warum sie sich auf den Weg gemacht hat. "Wir müssen aus der Geschichte lernen und unsere Demokratie verteidigen", sagt ein anderer.

"Der Durchschnittsbürger wird nun aktiv und sagt allen, die mit Nazi-Methoden liebäugeln, dass wir das nicht zulassen werden", fährt Ketteler fort. Und verweist auf die Wannseekonferenz 1942, bei der die Deportation und Vernichtung der Juden durch die Nazis beschlossen wurde: "Wir demonstrieren heute gegen die gefährlichste denkbare Entwicklung."

Seine Kritik an "untätigen Ratsparteien" weist Amsbeck-Dopheide allerdings deutlich zurück. Diese hätten ausdrücklich zur Teilnahme an der Gütersloher Demo aufgerufen. "Gehen Sie alle wählen", ruft sie auf, die Stimme bei der nächsten Gelegenheit bei der Europa-Wahl im Juni abzugeben. Was auch Klaus Baumgart, einer der Mitdemonstranten aus der Menge, dringend empfiehlt.

"Das war ein voller Erfolg", sagt Heinz Ketteler angesichts des deutlichen Zeichens gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass. "Dass mein Aufruf "Harsewinkel gegen Rechts" von so vielen gehört wurde, überrascht mich völlig."

Bildunterschrift: Initiator Heinz Ketteler spricht vom Rathaus.

Bildunterschrift: Den Schulterschluss vollziehen die Demonstrantinnen und Demonstranten vor dem Rathaus um den Spökenkieker.

Bildunterschrift: Eins von vielen deutlichen Plakaten gegen die AfD.

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Am 27. Januar 2024 nahmen nach Polizeiangaben 400 Menschen, an der von Heinz Ketteler organisierten Kundgebung "Harsewinkel gegen Rechts" vor dem Rathaus teil - und protestierten gegen die Partei "AfD".

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