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Die Glocke Online , 26.01.2024 :

Tausende demonstrieren in Gütersloh gegen Rechtsextreme

26.01.2024 - 18.49 Uhr

500 waren angemeldet, 3.000 sind gekommen: Gütersloh hat mit einer Demonstration auf dem Berliner Platz ein starkes Zeichen gegen Rechts gesetzt.

Von Gerrit Dinkels

Gütersloh (din). Gut möglich, dass es für manche die erste Kundgebung gewesen ist. Laut Polizei an die 3.000 Menschen aus Gütersloh und der Region sind am Freitag dem Aufruf des Bündnisses gegen Rechts gefolgt und haben gegen Hetze und für Demokratie, Toleranz und Vielfalt demonstriert. Ihr Signal: "Wir sind mehr". Das sah man.

Die Rednerliste auf dem Berliner Platz war lang. Den Auftakt machte Mitorganisatorin Gitte Trostmann. Der Kreis Gütersloh sei ein Ort der Vielfalt und werde es auch bleiben, sagte sie.

"Wir sind eine weltoffene Stadt mit einer starken Willkommenskultur. Ihre wesentlichen Eigenschaften sind Solidarität, Freiheit, Gerechtigkeit, das Miteinander, der Respekt und die Toleranz. Dafür setzen wir uns ein", sagte die frühere Bürgermeisterin Maria Unger (SPD). In Gütersloh lebten Menschen aus 127 Ländern und es würden mehr als 100 Sprachen gesprochen. Viele Menschen unterschiedlicher Nationen lebten schon seit Jahrzehnten hier. Viele seien als Arbeitskräfte gekommen. "Gemeinsam haben wir daran gearbeitet, Gütersloh zu einem Zuhause für alle Menschen - gleich welcher Herkunft - zu machen", sagte Unger.

"Zu lange waren wir zu leise, doch jetzt sind wir da", sagte Pfarrer Stefan Salzmann von der Evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh. "Neben dem Protest und den Zeichen von Solidarität finde ich es wichtig, dass wir Räume öffnen, in denen etwas von der Schönheit und Kraft zu spüren ist, wenn Menschen in Vielfalt zusammenkommen." Salzmann verwies auch auf die am Sonntag beginnende Vesperkirche. Und er verwies auf die biblische Schöpfungsgeschichte. "In ihrer Erzählung, dass wir alle von einem Menschenpaar abstammen, steckt doch die Einsicht: Niemand hat das Recht, sich über andere zu erheben und andere als minderwertig abzutun."

"Die AfD tritt immer aggressiver auf und immer mehr Menschen wird klar: Die AfD ist keine Alternative für Deutschland. Sie ist eine Schande für Deutschland", sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Thorsten Klute. Deshalb tue es so gut zu sehen, wie die Mitte der Gesellschaft in diesen Wochen in Deutschland auf die Straßen gehe und nach außen und innen klar mache: "Deutschland ist und bleibt demokratisch. Deutschland ist und bleibt ein Rechtsstaat. Deutschland ist und bleibt ein offenes Land mit einem freundlichen Gesicht."

Verfassung nicht mit Füßen treten

"Wer politische und ethnische Säuberungen unseres Landes fordert, tritt unsere Verfassung, Freiheit und die Grundrechte mit Füßen", sagte die Gewerkschafterin und stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW, Anke Unger. Gewerkschafterin heiße, solidarisch zu sein. "Wenn uns einer angreift, greift er uns alle an. Und wir wehren uns gemeinsam." Rechtsextremen und der AfD überlasse man nicht das Feld. "Wir zeigen Haltung für Toleranz und Vielfältigkeit."

"Wir dürfen nicht wegschauen, wir dürfen nicht schweigen", sagte die Sprecherin der Fraktion der Grünen im Landtag, Wibke Brems. "Hass und diese Hetze, haben das Ziel, Menschen aus unserer Gesellschaft auszuschließen, zu entmenschlichen und die Demokratie zu zerstören." Der CDU-Landtagsabgeordnete Raphael Tigges sagte, eine rote Linie sei überschritten. Und nicht jeder, der demokratisch gewählt sei, sei auch ein Demokrat.

Bildunterschrift: Trotz des nasskalten Wetters und des Termins am späten Freitagnachmittag versammelten sich rund 3.000 Menschen, um für ihre Überzeugungen einzustehen und ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Viele Schilder richteten sich gegen die AfD. Auch Kirchenglocken wurden geläutet.

Bildunterschrift: Vom Organisations-Team: Ann-Katrin Brambrink, Stefan Schneidt und Gitte Trostmann.

Bildunterschrift: "Zu lange waren wir zu leise, doch jetzt sind wir da": Pfarrer Stefan Salzmann.

Bildunterschrift: Engagiert: Marc (50), Sarah (42) und Theda (4) aus Gütersloh zeigen am Berliner Platz, dass sie für die Demokratie einstehen wollen.

Bildunterschrift: "Wir zeigen Haltung für Toleranz und Vielfältigkeit": Gewerkschafterin Anke Unger.

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Am 27. Januar 2024, 11.00 bis 17.00 Uhr, bewirbt die "Reichsbürger"-Gruppe "Königreich Deutschland" im "Raum Bielefeld / Gütersloh" ein "KRD-Info-Seminar Basis und Aufbau" vom "KRD"-Projekt "Leucht-Turm".

Am 26. Januar 2024 nahmen geschätzt etwa 3.000 Menschen, an der Demonstration vom "Bündnis gegen Rechts im Kreis Gütersloh" vor allem gegen die völkisch-nationalistische "Alternative für Deutschland" teil.

Am 23. Januar 2024 publizierte "Die Glocke" in ihrer Online-Ausgabe, auf Anfrage, dass dem Polizeilichen Staatsschutz für OWL (Polizeipräsidium Bielefeld), in der Stadt Gütersloh 67 "Reichsbürger" bekannt sind.

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