|
Westfalen-Blatt Online ,
23.01.2024 :
Mehr als 5.000 Teilnehmer: Paderborn setzt Zeichen gegen Rechtsextremismus
23.01.2024 - 06.14 Uhr
Großkundgebung mobilisiert die Massen
Paderborn. Der AfD weht der Wind heftig ins Gesicht. Montagabend (22. Januar) reihte sich Paderborn eindrucksvoll in die bundesweiten Proteste ein.
Von Dietmar Kemper
Dem Aufruf der Paderborner Bündnisse gegen Rechts und für Demokratie und Toleranz folgten nach Angaben der Polizei mehr als 5.000 Menschen. Unter dem Motto "AfD auf Eis legen: Gemeinsam gegen Rassismus und rechte Hetze" versammelten sie sich auf dem Parkplatz Löffelmannweg / Tegelweg und setzten von 18 Uhr ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit.
Auf den Plakaten war beispielsweise zu lesen: "Menschenrechte statt rechte Menschen", "Wir tanzen nicht nach braunen Pfeifen" oder "Nie wieder ist jetzt" oder "Zivilcourage für ein buntes, weltoffenes Paderborn". Während der Kundgebung mussten die Straßen im Umfeld des Schützenhofes gesperrt werden. War um 18 Uhr zunächst die Rede von gut 1.000 Teilnehmern, korrigierte die Polizei die Angaben um 18.30 Uhr schon auf mehr als 5.000.
Paderborns Dechant Benedikt Fischer beeindruckte in seinem Redebeitrag mit einem Statement, das an Deutlichkeit nicht zu übertreffen war: "Die deutschen Bischöfe sagen, die AfD ist für Christen nicht wählbar, weil sie rassistisch und undemokratisch ist. Mir ist speiübel geworden, als ich Björn Höcke in Paderborn gehört habe. Ich dachte, ich bin in einem Nazi-Film."
Clea Stille vom DGB zeigte sich angesichts der Massen überwältigt: "Ich kann die hinteren Reihen gar nicht sehen", war sie begeistert von der großen Beteiligung. Gleichzeitig stellte sie fest, dass die AfD "von Jahr zu Jahr schlimmer" werde. Clea Stille: "Wer die Deportation von Menschen fordert, tritt die Menschenrechte und unsere Verfassung mit Füßen."
Auch Volker Neuhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, verurteilte die AfD aufs Schärfste und nahm Bezug auf die Partei-Veranstaltung, die zeitgleich im Schützenhof stattfand. Neuhoff sagte: "Es ist verständlich, wenn sich Menschen, die in Locations arbeiten, in denen AfD-Veranstaltungen stattfinden, krankmelden, weil sie einen Brechreiz bekommen."
Den lokalen Anlass der Demo bildete der so genannte "Bürgerdialog", zu dem die AfD in den Fahnensaal des Schützenhofs eingeladen hatte. Für die öffentliche Veranstaltung hatte sie Berichte von Politikern aus dem Bundestag angekündigt.
Der Saal, der nach Angaben der Stadthallen-Betriebsgesellschaft bis zu 120 Plätze bietet, war voll besetzt. Die Presse war zwar zugelassen, aber AfD-Ratsherr Marvin Weber machte eine Einschränkung: "Aufnahmen sind auch gestattet, allerdings ausschließlich von Rednern. Aufnahmen von Besuchern oder dem Personal sind nicht erlaubt." Unbeirrt der Protestkundgebung vor dem Schützenhof im Fahnensaal ging es erneut um das Thema "Remigration". Syrer und Ukrainer müssten gehen, sagte ein AfD-Politiker.
Der Aufruf der Paderborner Bündnisse zur Demonstration wurde von großen Teilen der Zivilgesellschaft aufgegriffen und in den eigenen Reihen weitergegeben. Neben den politischen Parteien beteiligten sich die Gewerkschaften, Kirchen, Organisationen wie "Fridays for Future" und Vereine wie Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren. Sie setzten sich für eine demokratische, gerechte und solidarische Gesellschaft ein.
Dass die Diskussionskultur auch in der Paderborner Politik maßgeblich wegen der AfD verroht, hatte sich zuletzt wieder in der Sitzung des Bezirksausschusses Schloß Neuhaus-Sande am 17. Januar gezeigt. Die Ausschussvorsitzende Susanne Meiche entzog AfD-Ratsherr Alexander Lex das Wort, nachdem der seine deutsche Gesinnung betont und das Wort "umvolken" in den Mund genommen hatte.
Bei "Umvolken" handelt es sich um ein von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten verwendetes Wort, mit dem den Regierungsparteien unterstellt wird, dass sie die Deutschen über den Weg der "Massenmigration" durch Ausländer ersetzen wollten. CDU-Fraktionschef Markus Mertens sagte in der Sitzung, der AfD gehe es nur darum, "das gesellschaftliche Klima zu vergiften".
So soll es nach der Demo weitergehen:
Nach der Kampfansage der CDU, der Grünen, SPD und Linke am Wochenende an "Demokratie-Verächter" wie die AfD rief am Montag der FDP-Stadtverband Paderborn die Bürger auf, die Demokratie zu verteidigen. "Es braucht viele, um eine Demokratie aufzubauen und zu erhalten, sie zu beschädigen ist einfach - lasst das nicht erneut geschehen", appellierten die Liberalen mit Blick auf das Ende der Weimarer Republik 1933.
Freiheit, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, der Einsatz für Minderheiten, Schwächere und Menschen in Not seien keine auf immer garantierten Werte, sondern müssten beständig verteidigt werden. "Das haben wir aus unserer Geschichte und leider auch den weltweiten Entwicklungen in den letzten Jahren gelernt", so der FDP-Stadtverband.
Der Organisator der Demonstration, Holger Drewer, sprach am Montag mit Blick auf frühere Protestkundgebungen von "einem Höhepunkt" und betonte: "So eine große Resonanz hatten wir noch nie, und dass sich auch die Parteien hinter uns stellen, freut uns natürlich."
Bildunterschrift: Mehr als 5.000 Teilnehmer kamen am Montagabend zur Demo gegen Rechts am Paderborner Schützenhof, wo zeitgleich die AfD ihren "Bürgerdialog" veranstaltete.
_______________________________________________
- Montag, 22. Januar 2024 um 18.00 Uhr -
Kundgebung: AfD auf Eis legen: Gemeinsam gegen Rassismus und rechte Hetze
Veranstaltungsort:
Schützenhof
Schützenplatz 1
33102 Paderborn
Anlass:
Am 22. Januar 2024 (18.30 Uhr) bewirbt die "AfD" im "Schützenhof" in Paderborn, einen "Bericht aus dem Bundestag" (Zacharias Schalley, Eugen Schmidt, Roger Beckamp, Rüdiger Lucassen sowie Jörg Schneider).
Aufruf:
Wir rufen zu einer Demonstration gegen die AfD und ihre rechte Hetze auf. Gemeinsam wollen wir am 22. Januar 2024 um 18.00 Uhr auf dem Parkplatz am Löffelmannweg / Tegelweg an der Nordseite des Schützenhofs ein deutliches Zeichen gegen Rassismus setzen.
"Remigration" und "Bevölkerungsaustausch" - nicht erst seit den neusten Veröffentlichungen ist klar, dass die AfD eine massive Gefahr für unsere demokratische Gesellschaft darstellt. Die gewaltsame Vertreibung von Millionen Menschen wäre die Folge von dem, was lapidar als "Remigration" bezeichnet wird.
Besonders die Paderborner AfD hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie keine Berührungsängste zur "Identitären Bewegung" und sonstigen rassistischen Gruppierungen hat. Erst Ende letzten Jahres wurde für eine gemeinsame Veranstaltung mit Martin Sellner geworben - Paderborn ist eine Hochburg des faschistischen Flügels der AfD.
Alle, die den Protest gegen rassistische Ideologien unterstützen wollen, sind aufgerufen, am 22. Januar 2024 zum Schützenplatz zu kommen. Gemeinsam werden wir laut für eine gerechte und solidarische Gesellschaft kämpfen. Lasst uns ein Zeichen setzen, dass Rassismus keinen Platz in Paderborn hat.
Veranstalterinnen:
Paderborner Bündnis gegen Rechts
Paderborner Bündnis für Demokratie und Toleranz
www.bgr-paderborn.de
www.instagram.com/bgr_paderborn
www.buendnisdemokratietoleranz.wordpress.com
_______________________________________________
Am 22. Januar 2024 veranstaltete die Partei "AfD" im "Schützenhof" in Paderborn, einen "Bericht aus dem Bundestag" mit Roger Beckamp, Zacharias Schalley, Eugen Schmidt, Rüdiger Lucassen wie Jörg Schneider.
Am 22. Januar 2024 beteiligten sich in Paderborn über 5.000 Menschen an einer Kundgebung "AfD auf Eis legen: Gemeinsam gegen Rassismus und rechte Hetze" gegen die "AfD"-Veranstaltung im "Schützenhof".
_______________________________________________
www.bgr-paderborn.de
www.instagram.com/bgr_paderborn
www.buendnisdemokratietoleranz.wordpress.com
|