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Lippische Landes-Zeitung , 20.01.2024 :

Ein vielstimmiges "Nein" gegen die AfD

Der "Antifaschistische Arbeitskreis Detmold" ruft bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz zum Verbot der Partei auf / Mehrere hundert Zuhörer zollen den Rednern Beifall

Cordula Gröne

Detmold. Es ist eisig kalt an diesem späten Freitagnachmittag. Trotzdem kommen mehrere hundert Teilnehmer zur Kundgebung des "Antifaschistischen Arbeitskreises Detmold" auf den Detmolder Marktplatz. Sehr persönliche Gründe nennen Menschen und erinnern an die Nazi-Herrschaft auf die Frage, warum sie gekommen sind. Bertold Creutz weiß von mehreren Familienmitgliedern, dass sie in Konzentrationslagern gelitten haben. Sein Vater überlebte die KZs Buchenwald und Auschwitz. "Von uns wurden Leute vergast", sagt er, "wir brauchen die AfD nicht". Dass Menschen ausgewiesen werden sollen, findet auch eine Begleiterin untragbar.

Drei junge Männer stehen in der Nähe. Max verweist auf die Vorkommnisse in Brandenburg. In Potsdam hatten sich im November hochrangige AfD-Vertreter, Neonazis und Mitglieder der so genannten Werteunion der CDU getroffen und über Vertreibungen von Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen. Das berichtete das Recherchenetzwerk "Correctiv". "Ich möchte Solidarität mit Migrantinnen und Migranten zeigen", sagt er. Seine Begleiter nicken.

Ein Zeichen setzen möchte auch ein Ehepaar aus Bad Salzuflen, das über einen Zeitungsbericht auf die Kundgebung aufmerksam geworden war und extra zur Kundgebung nach Detmold gekommen ist. "Wir müssen aufstehen. Wenn wir es jetzt nicht tun, wann dann", sagt der 78-Jährige. Die Zeichen aus der rechten Szene würden immer mehr denen ähneln, "die wir in Deutschland schon hatten".

Der Arzt im Ruhestand Dr. Ataullatz Zulfacar engagiert sich im Afghanischen Kulturverein Lippe. Er ist ein eingebürgerter Migrant, Deutschland seine Heimat - ohne, dass er seine Identität vergessen habe. "Es ist wichtig, Flagge zu zeigen", sagt er, "und es ist wichtig, dass junge Leute dabei sind". Er habe schon in den 68-er Jahren an Demos in Berlin gegen den Vietnam-Krieg teilgenommen. Die AfD sei eine Gefahr für die Demokratie, so seine Meinung. Er sieht Parallelen zur Wannseekonferenz 1942, als Details zum Holocaust der Juden im Detail organisiert wurden. Zulfacar spricht auch zu den Zuhörern. Wichtig sei, dass die Gesellschaft begreife, dass man gegen die AfD antreten müsse.

Doch zuerst hat Volker Wiemann vom "Antifaschistischen Arbeitskreis" das Wort. Dass Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, mit oder ohne Pass vertrieben werden sollen, "ist ein erneuter Skandal und ein frontaler Angriff auf eine demokratische Gesellschaft sowie Ausdruck eines äußerst brutalen Rassismus", konstatiert er. "Dazu sagen wir laut und deutlich: Nein!"

Das riefen auch etliche Teilnehmer. Das Grundgesetz schütze Geflüchtete und gewähre ihnen Asylrecht, führte Wiemann aus. Im Übrigen auch eine Lehre aus der Nazi-Zeit. Man sage "Nein" auch zur Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung, sondern sei für die Emanzipation von Frauen und eine unabhängige demokratische Medienlandschaft. "Aus all dem kann nur folgen, dass eine Partei, die so substanziell wie die AfD das Grundgesetz beseitigen will, verboten werden muss", so Wiemann, der viel Beifall erhielt.

Peter Martin Cox vom Arbeitskreis befürchtet, dass wenn sich Reichsbürger wie in Brandenburg in Detmold breitmachen, es dann nicht mehr so beschaulich hier sein werde. Es gelte für ihn, sich aus seiner Komfortzone als Rentner herauszubewegen. Einen Flashmob veranstalten die "Omas gegen Rechts" am Samstag, 20. Januar, ab 12 Uhr auf dem Detmolder Marktplatz. Das Bündnis "Fridays vor future" ruft für Sonntag, 21. Januar, für 13 Uhr auf dem dortigen Marktplatz zu einer Demonstration auf. Die Polizei weist darauf hin, dass es zu kurzfristigen Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt kommen kann.

Kontakt zur Autorin unter cgroene@lz.de.

AfD sieht sich in der Opferrolle

Die Alternative für Deutschland (AfD) in Lippe sieht sich in der Opferrolle. Uwe Detert, Vorsitzender der Kreistagsfraktion erklärt gegenüber der LZ: "Wir sagen halt die Wahrheit. Das Establishment versucht gegenzusteuern und hat dabei die Medienmacht hinter sich." Damit bedient er das alte verschwörungstheoretische Narrativ der gesteuerten Presse. An der Frage, ob er denn auch Migranten deportieren wolle (gemäß dem Geheimplan von AfD und Neonazis, den die Redaktion von "Correctiv" enthüllt hat), sei schon die Fragestellung absurd. "Ich weiß ja gar nicht, was dort besprochen wurde. Aber wenn dort Dinge besprochen wurden, die über unsere Partei-Programmatik hinausgehen, werde ich die nicht unterstützen." Er trete dafür ein, dass in Deutschland Menschen nach der gültigen Gesetzeslage in ihre Herkunftsländer abgeschoben würden. (jow)

Bildunterschrift: Mehrere hundert Zuhörer kommen trotz eisiger Kälte auf den Marktplatz zur Kundgebung des "Antifaschistischen Arbeitskreises Detmold".

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- Freitag, 19. Januar 2024 um 17.00 Uhr -


Kundgebung: Stoppt die AfD! AfD verbieten - jetzt!


Veranstaltungsort:

Marktplatz
32756 Detmold


AfD - Jetzt verbieten!

Vor kurzem haben sich hochrangige AfD Vertreter, Neonazis und Mitglieder der so genannten Werteunion der CDU getroffen. Thema: Wie können Millionen Menschen mit Migrationshintergrund - mit oder ohne deutschen Pass - vertrieben werden.

Dies ist ein erneuter Skandal und ein frontaler Angriff auf eine demokratische Gesellschaft sowie Ausdruck eines äußerst brutalen Rassismus.

Dies könnte - käme die AfD an die Macht - nicht nur Menschen der so genannten "Gastarbeiter-Generation", die maßgeblich die Bundesrepublik mit aufgebaut haben, treffen, sondern auch Millionen von inzwischen Deutschen die aus der Sowjetunion, Russland oder anderen östlichen Staaten in den 1980-er und 1990-er Jahren gekommen sind.

Eine solche Vorgehensweise würde eklatant gegen das Grundgesetz verstoßen, das auf Grund der Lehren aus der Nazi-Zeit festlegt, dass kein Deutscher ausgewiesen werden darf und welches eine Benachteiligung auf Grund der Herkunft verbietet. Ganz abgesehen davon, dass damit auch in extremster Weise die Würde des Menschen verletzt wird, die durch den Artikel eins des Grundgesetzes geschützt wird. Zudem schützt das Grundgesetz Geflüchtete und gewährt ihnen Asylrecht.

Angesichts der Morde und Gräueltaten der Nazis, sagte ein Auschwitz-Überlebender:

"Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen."

Was man aus der Geschichte lernen kann ist, dass wenn eine solche Partei erst einmal an der Macht ist, es viel zu spät ist, sie zu stoppen. In Auschwitz, Bergen Belsen und anderen Orten, können wir sehen, was aus einer faschistischen Politik werden kann.

Aus all dem kann nur gefolgert werden, dass eine Partei, die so substantiell wie die AfD das Grundgesetz beseitigen will, verboten werden muss - wir fordern darum ein sofortiges Verbot dieser Partei!

AfD - Jetzt verbieten!


Veranstalterin: Antifaschistischer Arbeitskreis Detmold: www.antifa-detmold.de

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Am 19. Januar 2024 ab 17.00 Uhr veranstaltete der Antifaschistische Arbeitskreis Detmold eine stationäre Kundgebung unter dem Leitspruch "Stoppt die AfD! AfD verbieten - jetzt!" auf dem Marktplatz in Detmold.

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www.antifa-detmold.de

20./21.01.2024

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