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Lippische Landes-Zeitung , 22.01.2024 :

Auch zweite Anti-AfD-Kundgebung füllt Marktplatz

Die Veranstalter sprechen von 3.000, die Polizei von 2.200 Teilnehmern am Sonntag / Die Redner finden klare Worte, die sich um die Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten drehen

Thomas Krügler

Detmold. Die Detmolder Ortsgruppe von "Fridays for Future" hatte für Sonntagmittag zur Kundgebung gegen die AfD aufgerufen - nach Veranstalter-Angaben füllten 3.000 Menschen den Marktplatz. Die Polizei zählte 2.200 Teilnehmer vor Ort und später noch 1.500 beim Zug durch die Stadt.

Die Stimmung war durchweg friedlich. Auf den Plakaten standen Slogans wie "Bunt statt Braun", "Menschenrechte statt rechte Menschen" oder die Mahnung "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf". Hintergrund war das durch das Recherche-Zentrum Correctiv aufgedeckte rechte Treffen in Potsdam, bei dem es um die massenhafte Ausbürgerung von Menschen unter anderem mit Migrationshintergrund gegangen war.

Nach mehreren Redebeiträgen auf der Kundgebung bewegte sich der Demonstrationszug durch die Detmolder Innenstadt. Die durchgängig friedliche, störungsfreie Versammlung endete nach einer Abschlusskundgebung.

Noura Brihmouche von "Fridays for Future" moderierte die Kundgebung und zitierte den einstigen deutschen Pfarrer Martin Niemöller, der vor zu langem Schweigen in der Nazi-Zeit gewarnt hatte. "Wir demonstrieren nicht nur gegen die AfD, sondern auch für den Schutz der Demokratie und die Achtung menschlicher Grundrechte." Das Schweigen müsse endlich ein Ende haben.

Anna Brouwer sagte: "Ohne die Menschen, die die AfD abschieben will, würden wir unser wunderschönes Deutschland nicht wiedererkennen." All diese Menschen seien fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Niemand könne frei sein, wenn nicht alle frei sind. In den 1930er Jahren dachte man, Adolf Hitler und die NSDAP kontrollieren zu können. "Lasst uns diesen Fehler nicht wiederholen!"

Die AfD plane, die Demokratie von innen zu zerstören. Anstatt klare Kante gegen rechte Parolen zu zeigen, würden rassistische Inhalte von anderen Parteien übernommen, in der Hoffnung damit Wählerstimmen abgreifen zu können. Das Narrativ "Wir gegen die Anderen" spalte die Nation. Brouwer forderte eine gute Integration und Sozialpolitik, die alle mitdenke.

Pfarrer Dieter Bökemeier von der Lippischen Landeskirche sagte: "Die rassistischen und antisemitischen Vertreibungs-Fantasien gehen uns alle an." Schon vor fünf Jahren hätte Bernd Höcke in seinem Buch darüber schwadroniert. Viele Menschen mit Migrationshintergrund würden in Angst versetzt. Die Demonstranten auf dem Marktplatz skandierten immer wieder laut: "Nieder mit der AfD!". Marlon Gerstenberg betonte: "Wir haben aus der deutschen Geschichte gelernt und lassen es nicht zu, dass Faschisten ihre widerlichen Deportations- und Vertreibungspläne verbreiten." Die AfD sei eine radikal marktliberale Partei, die vor allem den Menschen schade, die sie wählen.

Bereits am Samstag waren auch in Detmold, wie im ganzen Land, die "Omas gegen Rechts" auf die Straße gegangen. Auch sie warnten vor der Zunahme rechter Einflussnahme. "In den letzten Jahren gelang es Populisten, durch emotional aufgeheizte diskriminierende Reden und Veröffentlichungen in vielen Menschen Wut, Empörung, Angst und vielfältige Aggressionen auszulösen. Diese Aggressionen richten sich leider sogar gegen die Menschen, die für uns da sind: Polizei, Feuerwehr, Pflegepersonal, Rettungskräfte - sie werden auf unsägliche Weise nicht nur in ihrer Arbeit behindert, sondern teilweise tätlich angegriffen und angepöbelt", schreibt die Detmolder Ortsgruppe in einer Mitteilung.

Dem wollte sie begegnen und in einem Flashmob am Samstag darauf hinweisen: "Genug ist genug! Wo bleibt der Respekt? Wir fordern Wertschätzung für die Arbeit all derer, die sich für unsere Sicherheit und Gesundheit einsetzen." Diese Forderungen waren auf großen Schildern zu lesen, die sie über den Markt, die Rathaustreppe, den Marktbrunnen trugen. Und jeder der wollte, konnte mit ihnen ins Gespräch kommen.

Bildunterschrift: Am Sonntag wurde es bei der Demo auf dem Detmolder Marktplatz wieder richtig voll - einige mussten noch in den Seitenstraßen stehen.

Bildunterschrift: Am Samstag zeigten bereits 18 der "Omas gegen Rechts" Flagge und erhielten viel Applaus.

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- Sonntag, 21. Januar 2024 um 13.00 Uhr -


Anti-AfD-Demo


Auftaktkundgebung:

Marktplatz
32756 Detmold


Die meisten Menschen sind über die aktuelle Correctiv-Recherche und die darin aufgedeckten Deportationspläne der AfD, Neonazis, CDU-Mitglieder und anderer rechter bis extrem rechter Akteurinnen und Akteure überrascht oder bestürzt. Doch die antidemokratischen, rassistischen, antisemitischen und ableistischen Ansichten sind seit Jahren Kern der AfD.

Jetzt braucht es ein starkes, bundesweites Bündnis gegen die AfD und all ihre Steigbügelhalterinnen. Daher versuchen wir so viele andere Organisationen wie möglich mit ins Boot zu holen und rufen alle Menschen dazu auf für ihre demokratischen Werte einzustehen.


Veranstalterinnen:

Fridays for Future Detmold
Omas gegen Rechts - Ortsgruppe Detmold
Forum offenes Detmold
Die Linke - Kreisverband Lippe
Frauenberatungsstelle Alraune e.V.
Grüne Jugend - Kreis Lippe

www.fridaysforfuturedetmold.org

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Am 21. Januar 2024 fand in Detmold, auf dem Marktplatz - mit in der Spitze über 3.400 Teilnehmenden - eine Kundgebung gegen die völkisch-nationalistische "AfD" mit einer anschließenden Demonstration statt.

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www.fridaysforfuturedetmold.org


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