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Lippische Landes-Zeitung , 18.01.2024 :

Staatsanwalt bügelt Kellners Strafanzeige ab

Als die stadteigene BIG das Haus im Tintruper Fensterweg 8 ersteigerte, witterte der Influencer Unrat / Doch die Detmolder Ermittlungsbehörde sieht noch nicht mal einen Anfangsverdacht für eine Strafanzeige

Marianne Schwarzer

Blomberg. Er hatte es ihm als "Weihnachtsgeschenk" präsentiert: Just am Heiligen Abend hat der rechte Influencer Tim Kellner dem Blomberger Bürgermeister Christoph Dolle in einem YouTube-Video der Untreue bezichtigt und eine Strafanzeige mit diesem Vorwurf gegen das Stadtoberhaupt öffentlich gemacht. Doch die Anzeige läuft ins Leere.

Doch der Reihe nach: Mitte November kam vor dem Amtsgericht Blomberg das Haus im Tintruper Fensterweg 8 unter den Hammer. Das wäre an sich nichts Besonderes gewesen, wenn dieses etwas heruntergekommene Gebäude nicht in Steinwurfweite zur so genannten "Männer-WG" des Tim Kellner läge. Der hält hier im Vogtweg 6 als Präsident des Motorrad-Clubs Brothers Guard regelmäßig Treffen ab. Seit die Baubehörde beim Kreis Lippe eine Nutzung als Clubhaus untersagt hat, firmieren die Treffen unter "private Feiern".

Doch wie auch immer die Zusammenkünfte heißen: Die Gastgeber haben ein Parkplatz-Problem. Wie Kellner selbst in seinem Video berichtet, hatte darum ein Club-Mitglied bei der Zwangsversteigerung des Hauses Fensterweg 8 mitgeboten, um es dann abzureißen und dort Parkplätze zu errichten, "damit wir das Dorf nicht weiter zuparken", wie Kellner selbst sagt. Ob die in diesem Bereich des kleinen Tintrup genehmigt worden wären, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Aufgerufen war das Gebäude zunächst für 36.000 Euro. Doch neben dem Motorrad-Club-Mitglied bot auch die Stadt mit, genau genommen die stadteigene Blomberger Immobilien- und Grundstücksverwaltung (BIG). Eigentlich hätte deren Chef Benjamin Bossemeyer den Zwangsversteigerungstermin besuchen sollen, doch er war erkrankt und darum vertrat Bürgermeister Christoph Dolle ihn.

Die BIG bekam bei 50.000 Euro den Zuschlag. Das fuchst den Influencer, der hier einen persönlichen Rachefeldzug der Stadt wittert. Und so erstattete er über seinen Anwalt, den Detmolder Hendrik Schnelle, Strafanzeige gegen Christoph Dolle "wegen Untreue in einem besonders schweren Fall und alle weiteren in Betracht kommenden Delikte". Der Bürgermeister habe das Haus in Zeiten der Haushaltssperre ersteigert.

Die Stadt habe das Grundstück 40 Prozent über dem Verkehrswert erworben, das sei wohl eine "außerplanmäßige Ausgabe", durch die der Stadt ein Vermögensschaden entstanden sei.

Das allerdings sieht die Staatsanwaltschaft Detmold ganz anders, wie Staatsanwalt und Pressesprecher Alexander Görlitz auf Anfrage der Lippischen Landes-Zeitung erklärt. "Der Dezernent hat nach Paragraph 152 des Strafgesetzbuches abgelehnt, ein Ermittlungsverfahren aufzunehmen. Es gibt schlichtweg keinen Anfangsverdacht."

Gründe für ein Ermittlungsverfahren sind in drei Stufen eingeteilt: "Anfangsverdacht" ist nach dem einschlägigen Paragrafen die niedrigste Stufe, die nächste wäre der "hinreichende Tatverdacht" und die höchste der "dringende Tatverdacht". Für den Anfangsverdacht müssten zureichende Anhaltspunkte für Straftaten vorliegen, aber genau das ist hier nicht der Fall, wie der Pressesprecher erläutert:

"Für den Eigenbetrieb BIG greift die Haushaltssperre nicht." Der Stadt sei auch kein Vermögensschaden entstanden, nun habe sie als Gegenwert für die 50.000 Euro Haus und Grundstück. Damit sei ein Ermittlungsverfahren überhaupt nicht gerechtfertigt. Bürgermeister Christoph Dolle sagt: "Ich habe genau dies erwartet. Doch es freut mich, dass die Staatsanwaltschaft so schnell für Klarheit gesorgt hat."

Doch was geschieht denn nun mit dem Haus im Fensterweg 8? - "Wir hätten gern bereits dort Sicherungsmaßnahmen ergriffen, damit etwa die Rohre nicht einfrieren", sagt Dolle. Doch sei dies noch nicht möglich, weil das Gebäude noch nicht in den Besitz der Stadt übergegangen sei. Wie das Amtsgericht der Stadt mitgeteilt habe, sei eine Beschwerde zum Zwangsversteigerungsverfahren eingegangen, der die Behörde zunächst nachgehen müsse. Genauer konnte sich Dolle nicht dazu äußern.

Bildunterschrift: Die Blomberger Immobilien- und Grundstücksverwaltung hatte das Haus im Fensterweg 8 im vergangenen Jahr ersteigert. Daran
sieht die Staatsanwaltschaft nichts Unrechtes.

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Am 24. Dezember 2023 teilte der extrem rechte YouTuber Tim Kellner mit, dass er den Bürgermeister von Blomberg (durch den Szene-Anwalt Hendrik Schnelle) wegen "des Verdachts auf Untreue" angezeigt habe.

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www.blomberger-buendnis.org


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