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Lippische Landes-Zeitung , 18.01.2024 :

Das Schicksal der Familie Stern

Ulrike von der Linden stellt am 9. Februar Buch "Alma" vor / Esther Bejarano hat es allen Geflüchteten gewidmet

Lage (sew). "Zufall" - Ulrike von der Linden antwortet spontan, wenn man sie fragt, warum sie in ihrer Lesung das Buch "Alma" von Dagmar Fohl vorstellt. Aber sie meint es anders: Es ist ihr zugefallen, weil es wichtig ist. "Es hat einen sehr aktuellen Bezug, es geht nicht nur um eine jüdische Familie, es ist allen Menschen gewidmet, die ihre Heimat verlassen müssen und auf der Flucht sind", sagt sie.

Ulrike von der Linden ist eine bekannte Tänzerin, nicht ganz so bekannt ist vielleicht, dass sie Deutschlehrerin an einem Gymnasium in Steinheim war. Die Literatur und die Sprache liegen ihr am Herzen. Der Roman "Alma" besteche durch die klare Sprache, er erinnert an ein Tagebuch. "Die Begebenheiten gab es, aber die Geschichte ist Fiktion", sagt von der Linden. Es geht um das Schicksal der Musiker-Familie Stern. Der Cellist Aaron Stern muss Deutschland verlassen, als die Nationalsozialisten an die Macht kommen. Er kauft für sich und seine Frau zwei Karten für eine Schiffspassage nach Kuba. Für das Kind, das kurz vor der Abfahrt geboren wird, gibt es keine Karte mehr, es bleibt bei einem Freund zurück. Kuba wird für die Sterns kein Zufluchtsort, sie dürfen gar nicht erst an Land gehen, über Umwege kommen sie zurück nach Deutschland. Aaron Stern wird deportiert, muss in einem KZ musizieren, um zu überleben. Später sucht er seine Tochter.

Esther Bejarano, die mittlerweile verstorben ist, hat das Vorwort für das Buch "Alma" geschrieben. Sie war eine deutsche jüdische Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau. Mit Anita Lasker-Wallfisch und anderen spielte sie im Mädchenorchester von Auschwitz. "In ihrem Vorwort macht Esther Bejarano deutlich, dass es nicht um einzelne jüdische Schicksale geht, sondern dieses Buch allen Geflüchteten gewidmet ist." Darum sei es gerade heute wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass sich die Geschichte niemals wiederholen soll. "Es ist gut, wenn die Leute auf die Straße gehen und gegen die Rechten protestieren. Ich sehe mit Schrecken, welches braune Gedankengut an die Oberfläche kommt."

Die Lesung, die am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus stattfindet, hat Ulrike von der Linden akribisch vorbereitet, denn ganz so einfach ist das nicht. "Man kann ja nicht alles vortragen, sondern muss entscheiden, was man weglassen kann, ohne der Geschichte zu schaden." Dabei spielt die Musik eine besondere Rolle. "Wenn sich Worte mit der Musik verbinden, dann ist das sehr viel tiefer gehend."

Der Cellist Marko Simic spielt zum Beispiel das Stück, das auch Aaron Stern im KZ spielen musste.

Ironie der Geschichte: Das Lied "Bei mir bist Du schön" kam aus den USA ging um die Welt. Erst nach einiger Zeit bemerkten die Nazis den Ursprung - und setzten es auf die Liste verbotener Musik von jüdischen Komponisten. Damit verschwand die Platte vom Markt, der Song wurde nicht mehr im Radio gespielt. "Dieses Lied hat eine fröhliche Melodie. Aaron Stern ist gezwungen, es für diese Schlächter im KZ zu spielen - das ist sehr emotional, man merkt es in den Lesungen immer wieder."

Ob Aaron Stern seine Tochter wiederfindet, das lässt die Detmolderin offen. Ganz klar gibt sie die Empfehlung, dieses Buch zu lesen. Ulrike von der Linden stellt "Alma" am Freitag, 9. Februar, ab 19 Uhr im Technikum Lage vor. Karten zum Preis von 5 Euro gibt es in der Buchhandlung Brückmann, Lange Straße 79, und in der Stadtbücherei, Bergstraße 6.

Bildunterschrift: Ulrike von der Linden hat das Buch "Alma" auch bei einer Lesung im Haus Münsterberg vorgestellt.

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Am 9. Februar 2024 stellt Ulrike von der Linden im "Technikum" in Lage, aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus, das Buch "Alma" vor - Veranstalterin: Förderverein Stadtbücherei Lage.

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www.foerderverein-buecherei-lage.de


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