www.hiergeblieben.de

1 Artikel , 18.01.2024 :

Pressespiegel überregional

_______________________________________________


Übersicht:


die tageszeitung, 18.01.2024:
Ein ganzheitlicher Nazi / Am geheimen "Remigrations"-Treffen nahm auch der rechtsextreme Kieler Heilpraktiker Henning Pless teil

_______________________________________________


die tageszeitung, 18.01.2024:

Ein ganzheitlicher Nazi / Am geheimen "Remigrations"-Treffen nahm auch der rechtsextreme Kieler Heilpraktiker Henning Pless teil

Von Andreas Speit

"Remigration", das Unwort des Jahres, eint die Szene. Rechtsextreme über alle Partei- und Szene-Grenzen fordern, den angeblichen "großen Austausch" der eigenen Bevölkerung durch vermeintlich fremde Bevölkerungsgruppen zu stoppen. Auch der Kieler Heilpraktiker Henning Pless, der "auf eine lange Biografie in der extremen Rechten zurückblickt", wie Julia Schmidt von der Autonomen Antifa-Koordination Kiel sagt, dürfte dazugehören. Wie jetzt bekannt wurde, nahm Pless an den geheimen Treffen in Potsdam teil. Dort soll der Szene-Publizist Martin Sellner aus Wien im Beisein von AfD- und CDU-Mitgliedern sowie Unternehmerinnen, Unternehmer konkrete Remigrationspläne vorgestellt haben.

Schon 1996 wird Pless als einer der Bundesvorsitzenden der "Heimattreuen Jugend" (DHJ) erwähnt - dem Vorläufer der verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ). Gernot Mörig, der mit zu dem geheimen Treffen geladen hatte und laut dem Recherche-Zentrum Correctiv die Gäste ausgewählt haben soll, war in den 1970er-Jahren Bundesführer dieses rechtsextremen Netzwerkes.

Die DHJ unterstützte auch die Aktivitäten des extrem rechten Verlegers Dietmar Munier in Osteuropa. Munier, der aus Martensrade bei Kiel das Verlagsnetzwerk "Lesen und Schenken" verantwortet, wollte eine Wiederansiedlung von Deutschen in Russland vorantreiben. Pless habe vor Ort viele Aufgaben übernommen, da Munier nicht mehr einreisen dürfe, so Schmidt. Schon 2013 und 2014 demonstrierte die Antifa deshalb vor Pless’ "Heilcentrum".

Die Hamburger AfD versucht derweil, ihre eigene Position zu relativieren. Die Fraktion um Dirk Nockemann bemüht sich, bürgerlich und moderat zu erscheinen. In einer aktuellen Stunde in der Hamburger Bürgerschaft bewertete Nockemann am Mittwoch das Potsdamer Treffen als eine"private Veranstaltung". "Weder gab es ein Geheimtreffen der AfD noch einen Geheimplan und erst recht keine Deportationspläne", sagte er.

Dabei hatte der Thüringer AfD-Landtagsfraktionschef Björn Höcke bereits 2018 offen über ein "großangelegtes Remigrationsprojekt" gesprochen. Und auch der aktuelle Hamburger Kandidat der AfD für das Europäische Parlament, Michael Schumann, erklärte bei seiner Kandidatur vergangenes Jahr, dass er Teil der "letzten Generation ( … ) junger Europäer" sei, die sich nicht gefallen lassen wolle, eine "Minderheit im eigenen Land" zu werden. Die "Ersetzungsmigration" sei "keine Verschwörungstheorie". Schumacher forderte, Airbus solle "Pläne für die Remigrationsflotte" vorlegen, die Rückführung sei nötig, um die "europäische Völkerfamilie, das deutsche Volk" zu schützen. Nockemann distanzierte sich im NDR nicht von Schumanns Aussage.

Für den morgigen Freitag um 17.00 Uhr rufen in linker Kieler Gruppen unter dem Motto "Rassistische Deportationsstrateginnen, Deportationsstrategen zur Rechenschaft ziehen" zu einer Kundgebung am Bootshafen auf.

_______________________________________________


zurück