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Mindener Tageblatt ,
17.01.2024 :
Demo gegen Rechtsextremismus am Freitag
Wegen des schon im Vorhinein großen Zuspruchs findet die Veranstaltung vor der Martinitreppe statt
Lea Oetjen
Minden. Der Flyer verbreitet sich wie ein Lauffeuer. In Minden - und auch darüber hinaus - spricht sich schnell herum, dass am Freitag ab 17 Uhr eine Demonstration gegen Rechtsextremismus in der Weserstadt stattfindet. Die Aufmerksamkeit ist riesig, "daher haben wir uns dazu entschlossen, die Kundgebung vom Friedens- auf den Marktplatz vor die Martinitreppe zu verlegen", sagt Marcel Komusin vom Verein "Für Demokratie und Vielfalt". Das Bündnis richtet den Protest gemeinsam mit dem Quartiersmanagement der Oberen Altstadt und dem Treffpunkt "Lila Gold" aus. "Der Grund erklärt sich von selbst", spielt Marcel Komusin auf die Berichte des Recherche-Netzwerks Correctiv an.
Das Medium hatte in der vergangenen Woche aufgedeckt, dass sich im November ranghohe AfD-Politiker mit anderen Rechtsextremen über eine massenhafte Vertreibung von Menschen mit Migrationshintergrund beraten hatten. Ebenso sollen Unterstützer von Flüchtlingen abgeschoben werden, hieß es. Bei dem Treffen in einem Hotel nahe Potsdam war mit Martin Sellner nicht nur ein bekannter Rechtsextremer aus Österreich dabei, sondern auch Berater von Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel, AfD-Funktionäre und zwei CDU-Politiker, die der rechtskonservativen Werteunion angehören.
"Wer einzelne Aussagen dieses Treffens verfolgt hat, sollte die Dringlichkeit erkennen, bei der Kundgebung ein Zeichen zu setzen und Farbe zu bekennen", sagt Komusin. Es komme jetzt darauf an, die liberale Demokratie im Land zu verteidigen: "Es ist absolut an der Zeit, seine eigenen Werte zum Ausdruck zu bringen." Angesichts des AfD-Aufschwungs sei das "vermutlich nötiger denn je". Ähnlich argumentiert Franziska Bader, Quartiersmanagerin der Oberen Altstadt. Sowohl Menschen aus der Nachbarschaft als auch Akteure, die über die Quartiersgrenzen hinaus leben, hätten Interesse an einer Veranstaltung bekundet: "Für viele ist es wichtig, ein Sprachrohr zu haben." Sie freue sich, dass sich Teilnehmende aus dem gesamten Kreisgebiet für die Demo angekündigt haben.
Diverse Politiker, Funktionäre und Ehrenamtliche seien zur Kundgebung eingeladen worden - "und alle angefragten Personen haben zugesagt", freut sich Komusin. So werden unter anderem Bürgermeister Michael Jäcke (SPD), Landrat Ali Dogan (SPD), aber auch der evangelische Superintendent Michael Mertins dabei sein. Die Polizei sei aber auch auf "andere Gäste" vorbereitet. Die AfD im Kreis hat sich in der Vergangenheit spärlich bis gar nicht gegen lokal bekannte Neonazis wie Marcus W. positioniert. Die Gruppierung um ihn, die so genannten "Mindener Jungs", "müssen wir im Auge behalten. Auftritte aus diesem Personenspektrum sind leider nicht auszuschließen", sagt Komusin. Die Polizei habe das auf dem Zettel. Umso wichtiger sei es, dass sich viele Menschen aus der bürgerlichen Mitte zeigen. "Wenn Menschen zusammenkommen, sich einsetzen und Präsenz zeigen, dann macht das etwas mit einem. Es tut gut, diesen Zusammenhalt zu spüren", unterstreicht Bader. Davon ist auch Komusin überzeugt. Die Gesellschaft müsse sich gegen die aktuelle politische Entwicklung im Land wehren: "Wir müssen aktiv sein, Demokratie nicht nur alle vier Jahre bei der Wahl mal ausleben", appelliert er.
Bildunterschrift: Marcel Komusin (Verein für Demokratie und Vielfalt) und Franziska Bader (Quartiersmanagerin Obere Altstadt) haben die Demonstration organisiert.
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- Freitag, 19. Januar 2024 um 17.00 Uhr -
Kundgebung: Gegen die Neue Rechte!
Veranstaltungsort:
Martinitreppe
32423 Minden
Redebeiträge von:
Bürgermeister Michael Jäcke
Landrat Ali Dogan
Kathrin Kosiek, CDU
Rüdiger Höcker, Seebrücke Minden
Felix Abruszat, FDP
Nina Pape, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden
Anna Gasiewski, Fluchtpunkt Martinihaus
Selvi Arslan, Integrationsbüro Minden
Aylin Rescho, Jugendforum Minden
Kolya Mustafa, Jugendforum Minden
Oswald Marschall, Verein Deutscher Sinti e.V. Minden
Volker Böttcher, Sparkassenvorstand im Ruhestand
Michael Mertins, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Minden
Sprecherin der Grünen
Irmgard Schmidt, Lübbecke zeigt Gesicht
Veranstalterin: Minden - Für Demokratie und Vielfalt e.V.: www.lap-minden.de
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Am 11. Januar 2024 forderte der völkisch-nationalistische "AfD"-"Kreisverband Minden Lübbecke", mit der xenophoben Überschrift "Remigration statt "Einzelfälle"!": "2024 muss das Jahr der Remigration werden!"
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