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Mindener Tageblatt ,
17.01.2024 :
Ein Bünder beschützte Adolf Hitler
Der an der Sedanstraße aufgewachsene Kurt Thomas war Nachfolger von Erwin Rommel als Kommandant des Führerhauptquartiers
Florian Weyand
Bünde. Die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland konnte nur bestehen, weil an vielen Schaltstellen willige Helfer arbeiteten. Einer von ihnen war der Bünder Kurt Thomas, ein "überzeugter Nationalsozialist", wie der Historiker Norbert Sahrhage für sein Buch "Bünder Köpfe" recherchiert hat.
1940 wurde Thomas sogar Kommandant des Führerhauptquartiers und war damit für die Sicherheit von Adolf Hitler verantwortlich. Später übernimmt er die Führung der so genannten Strafdivision 999. Nach einem Flug übers Mittelmeer verliert sich seine Spur.
Die Familie von Kurt Thomas lebte im Zentrum von Bünde, an der Sedanstraße. 1896 geboren trat der Bünder schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs dem Militär bei: als Kriegsfreiwilliger eines Pionier-Ersatzbataillons. Anschließend machte er im Militärapparat in der Weimarer Republik auch im Dritten Reich Karriere. 1935, die Nationalsozialisten waren seit zwei Jahren an der Macht, wurde er zum Major befördert.
Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen kämpfe Thomas an verschiedenen Fronten. Laut des Lexikons der Wehrmacht wurde ihm unter anderem "beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen". Offenbar hinterließ der Bünder bei den NS-Funktionären Eindruck. Anfang 1940 wurde er Kommandeur des Führer-Begleit-Batallions.
"Er war damit für die Sicherheit Hitlers in den verschiedenen Führerhauptquartieren zuständig", hat Sahrhage recherchiert. Neben der Einteilung in Sicherheits- oder Sperrzonen gehörte die Organisation des Wachpersonals zu seinen Aufgaben. Nur einige Wochen später löste er den aus Propagandasicht der Nazis legendären Erwin Rommel ("Wüstenfuchs") als Verantwortlichen für das Führerhauptquartier ab. Diesen Posten bekleidete er zweieinhalb Jahre, bis Thomas am 15. Oktober 1942 zum Kommandeur der Strafdivision 999 benannt wurde.
Offizier war als "Tom, der Wahnsinnige" bekannt
Diese Einheit war ein Sonderverband der Wehrmacht, deren Mitglieder eigentlich als "wehrunwürdig" galten: Darunter waren Straftäter und auch zahlreiche politische Gefangene. "Der Großteil dieser rund 8.000 politischen 999er gehörte zur Linken, die Hälfte war kommunistisch. Wolfgang Abendroth zum Beispiel, der Jurist und Politikwissenschaftler, der Bildhauer Fritz Nolde, der Komponist Kurt Schwaen und der frühere Reichstagsabgeordnete Wilhelm Agatz aus Essen taten Dienst im Bewährungsbataillon", schreibt das Magazin "Der Spiegel" über die Strafdivision 999. Auch Karl-Eduard von Schnitzler, später als Propagandist im DDR-Fernsehen bekannt, gehörte zu der Einheit.
Galt der Wehrdienst im NS-Staat lange Zeit als "Ehrendienst am Deutschen Volk", gingen den Nationalsozialisten nach und nach die wehrfähigen Männer aus. Nach dem großen Sterben im Kampf um Russland brauchte die Armee wieder neues Menschenmaterial. "Das holten sich die Militärs aus Gefängnissen und Lagern. Die waren vollgepfercht mit Delinquenten, die von den Kriegsgerichten zu Zehntausenden monatlich abgeurteilt worden waren", schreibt der Spiegel. Als Kommandant der Einheit verdiente sich Kurt Thomas von seinen Männern einen Spitznamen. "Der schrullige Offizier wurde wegen seiner hochfliegenden Pläne schon bald Tom, der Wahnsinnige genannt", heißt es im "Spiegel".
Während der Bünder bekennender Nationalsozialist war, betätigten sich einige seiner Soldaten im Widerstand gegen das Regime. Einige gaben heimlich Flugblätter weiter, andere organisierten Medikamente für Partisanen oder betrieben Sabotage. Dafür betankten sie Flugzeuge mit falschem Sprit oder verzögerten Arbeiten.
Und Kurt Thomas? Der sollte das Ende des Krieges und den Untergang des NS-Staates gar nicht mehr miterleben. Am 1. April 1943 wird der Bünder noch zum Generalmajor befördert. Etwa einen Monat später hob er in einer von zwei Transportmaschinen in Sardinien ab - und wurde nie wieder gesehen. Das Flugzeug, das auf dem Weg nach Tunesien war, wurde über dem Mittelmeer zum Ziel eines britischen Nachtjägers.
Bildunterschrift: Kommandant Kurt Thomas.
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Ab 15. Februar 1940 (bis 15. Oktober 1942) war der Nationalsozialist Kurt Thomas - in Bünde geboren am 2. März 1896 - Kommandant des "Führerhauptquartiers" - hiernach, Kommandeur der "Strafdivision 999".
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https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Thomas_(Offizier)
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