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Neue Westfälische ,
08.01.2024 :
Provokation mit Palästina-Fahne
Der Streit um eine ehemalige Synagoge in Detmold nimmt kein Ende / Der Besitzer, ein Anwalt, der regelmäßig auch Rechtsextreme vertritt, hat in dem ehemals jüdischen Gebäude eine Flagge gehisst
Lukas Brekenkamp
Detmold. Matitjahu Kellig ist schockiert. Durch die Fenster einer historischen Synagoge in Detmold ist klar eine gigantische Palästina-Fahne zu erkennen. Offenbar verantwortlich dafür: der Besitzer des Gebäudes - ein Anwalt von Rechtsextremen. "Jeder kann sich in seine Fenster hängen, was er will", sagt der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold. Dass jedoch ausgerechnet in einer ehemaligen Synagoge eine Palästina-Fahne hängt, sei nur schwer zu ertragen.
Erst vor wenigen Jahren zeigte ein Gutachten, was wirklich hinter dem kleinen, verfallenen Gebäude in der Detmolder Innenstadt stecken soll: nämlich eine ehemalige Hofsynagoge aus dem 17. Jahrhundert, die womöglich älteste ihrer Art in Nordwest-Deutschland. Schon lange ist das Denkmal im Besitz von Anwalt Hendrik Schnelle und seiner Familie. Das Gebäude gleicht mittlerweile einer Ruine. Bürger kämpfen um den Erhalt und wünschen sich hier eine Begegnungsstätte oder ein Museum.
Doch daraus scheint nichts zu werden. Anwalt Schnelle möchte das Gebäude abreißen lassen, um Parkplätze zu errichten. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt. Schnelle schlug deswegen den juristischen Weg ein. Am Verwaltungsgericht Minden scheiterte er Anfang 2022. Mittlerweile liegt sein Fall beim Oberverwaltungsgericht in Münster. Ein Termin für das Verfahren ist noch nicht in Sicht.
Während es juristisch aktuell einen Stillstand gibt, ist das auf dem Grundstück der Synagoge ganz anders. Ende 2023 feierten Besucher eine Halloween-Party in dem historischen Gebäude, das dabei als "Horrorhaus" bezeichnet wurde. Etwa seit Weihnachten ist durch die Fenster der Synagoge eine gigantische Palästina-Fahne zu erkennen. Zudem berichteten Beobachter der rechten Szene von Arbeiten auf dem Grundstück, durchgeführt von einem überregional bekannten Rechtsextremisten. Durch seine Mandanten hat Schnelle regelmäßig Kontakt in extrem rechte Kreise, da er immer wieder - teils prominente - Personen aus der Szene anwaltlich vertritt.
Hannah Herborn, Mitarbeiterin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus OWL, beschreibt Schnelle als "sehr gut vernetzten Szene-Anwalt der extremen Rechten". Er sei in der Vergangenheit bereits wegen Volksverhetzung verurteilt worden. "Vor dem Hintergrund seiner rechtsextremistischen Szene-Kontakte und menschenfeindlicher Äußerungen kann nicht ausgeschlossen werden, dass Hendrik Schnelle die alte Hofsynagoge auch für politische Provokationen missbraucht", sagt Herborn.
Für Empörung sorgen die Halloween-Party und die Palästina-Fahne derweil bei der Organisation ADIRA, kurz für Antidiskriminierungsberatung und Intervention bei Antisemitismus und Rassismus. Teamleiter Micha Neumann betont: "Die Vorfälle zeigen erneut, dass Schnelle die Geschichte des Hauses weiter mit Füßen tritt. Sein einziges Ziel ist die Provokation."
Das Präsentieren der Palästina-Fahne reihe sich nahtlos in diese Entwicklungen ein, so Neumann weiter. Sein Urteil: "Die Fahne selbst ist natürlich nicht antisemitisch, sie allerdings in einer ehemaligen Synagoge nach den Ereignissen des 7. Oktobers überdimensional zu präsentieren, kann nicht anders verstanden werden, als eine Glorifizierung des antisemitischen Terrors." Der Besitzer verherrliche Gewalt gegen Jüdinnen und Juden "und nutzt dafür noch eine ehemalige Synagoge".
In einer schriftlichen Stellungnahme beantwortet Schnelle die Frage nicht, weshalb er ausgerechnet in einer ehemaligen Synagoge eine Palästina-Fahne zeigt. Er zitiert unter anderem einen Medienbericht, in dem es heißt: "Kritik an Israels Politik ist kein Antisemitismus". Zu weiteren Fragen verweist Schnelle lediglich auf bereits in der Vergangenheit getätigte Aussagen oder Veröffentlichungen.
Gemeindevorsitzender Kellig übt derweil Kritik an der Landesregierung. Bereits im Sommer 2022 beteuerte das Land, sich mit dem Thema zu befassen. "Seitdem ist nichts passiert", beklagt Kellig. "Es gab keine Gespräche - und wenn doch, waren sie rein informell."
Bildunterschrift: Durch die Fenster der Detmolder Hofsynagoge ist eine gigantische Palästina-Fahne - schwarz, weiß. grüne Streifen und links ein rotes Dreieck - zu erkennen.
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Seit dem 25. Dezember 2023 ist durch Fenster der (früheren) Detmolder Hofsynagoge - Besitzer: Hendrik Schnelle - erneut (zuerst: 14. Dezember 2023, im Internet) eine große palästinensische Flagge zu sehen.
Am 14. Dezember 2023 veröffentlichte der Szene-Anwalt Hendrik Schnelle (im Internet) ein Bild, wo durch Fenster der ehemaligen Hofsynagoge in Detmold, eine großflächige palästinensische Flagge zu sehen ist.
Die am 18. November 2023 in der ehemaligen Detmolder Hofsynagoge veranstaltete "Happy Halloween"-Feier des Szene-Anwalts Hendrik Schnelle wird von RIAS NRW als ein antisemitischer Vorfall dokumentiert.
Am 18. November 2023 fand in der maroden (baufälligen) Detmolder Hofsynagoge eine boshafte "Happy Halloween"-Feier - im Beisein des Eigentümers Hendrik Schnelle, Anwalt der extrem rechten Szene - statt.
Am 16. August 2023 führte der Neonazi Gerd Ulrich (Berlebeck) auf dem Parkplatz vor der Hofsynagoge in Detmold in der Bruchmauerstraße 37 Reinigungsarbeiten mit eigenen Anhänger und Arbeitsgeräten durch.
Am 19. Mai 2022 bezeichnete Szene-Anwalt Hendrik Schnelle in einer "Pressemitteilung", die freistehende Hofsynagoge (aus dem Jahr 1633) in der Bruchmauerstraße 37 in Detmold als "Schandfleck im Stadtbild".
Am 18. Mai 2022 wies das Verwaltungsgericht Minden eine Klage des Szene-Anwalts Hendrik Schnelle, auf Erteilung der Abbruchgenehmigung für die Hofsynagoge (1633) in der Bruchmauerstraße 37, Detmold, ab.
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