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Neue Westfälische , 04.01.2024 :

Neue Pläne für Stalag

Die Vorhaben, das frühere Kriegsgefangenenlager in Schloß Holte-Stukenbrock zu einem Erinnerungsort zu entwickeln, stocken / Doch hinter den Kulissen herrscht Bewegung

Ingo Kalischek

Gütersloh / Düsseldorf. Die Diskussionen um die Zukunft des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers "Stalag 326" in Senne hatten im Herbst deutschlandweit für Wirbel gesorgt. Dann wurde es ruhig um das Projekt. Doch im Hintergrund laufen die Gespräche weiter. Unterstützer der Gedenkstätte machen jetzt einen neuen Vorschlag.

Das frühere Kriegsgefangenenlager galt als der größte Sammelpunkt von überwiegend sowjetischen Kriegsgefangenen im Deutschen Reich. Bis zu 300.000 Gefangene wurden dort durchgeschleust, als Zwangsarbeiter weitergeschickt - und oftmals zum Sterben zurück in das Stalag 326 gebracht.

In der Region Ostwestfalen-Lippe existieren seit Jahren Pläne, um die bisherige und überwiegend ehrenamtlich betriebene Gedenkstätte zu einem Erinnerungsort von internationaler Bedeutung weiterzuentwickeln.

Bund und Land wollen diese mit rund 50 Millionen Euro unterstützen. Doch ausgerechnet in der Heimat regte sich Widerstand.

Der Kreistag in Gütersloh stimmte mehrheitlich gegen die Pläne. Die sehen vor, dass sich die beteiligten Kommunen in Ostwestfalen-Lippe an den Betriebskosten beteiligen. Doch unter anderem die CDU in Gütersloh hält diese für überdimensioniert - und legte ihr Veto ein. Seitdem droht dem Gesamtkonzept das Aus.

Um das zu verhindern, machen Projekt-Unterstützer nun einen neuen Vorschlag. Eine regionale Arbeitsgruppe des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie" schlägt vor, bei den Ausbauplänen vor allem auf bereits bestehende - denkmalgeschützte - Gebäude zu setzen, anstatt diese neu zu bauen. Das könne Kosten sparen.

Das Projekt hängt von der Gründung einer Stiftung ab

Zudem könne auf ein neues Empfangsgebäude verzichtet werden, meinen die Mitglieder, zu denen zum Beispiel der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht, Bielefelds früherer Stadtdirektor Jürgen Heinrich, der Historiker Falk Pingel sowie der Soziologe Jürgen Feldhoff zählen.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe regen an, die Betriebskosten, also die Sach- und Personalkosten, der künftigen Gedenkstätte nach unten zu korrigieren, indem realistische Besucher-Prognosen erstellt werden. Die jährlichen Betriebskosten wurden zuletzt auf rund vier Millionen Euro geschätzt und sollen von den OWL-Kreisen sowie den Städten Schloß Holte-Stukenbrock und Bielefeld übernommen werden. Das führte zu Widerstand.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe regen weiter an, dass der sowjetische Ehrenfriedhof verbindlich in die Pläne einbezogen wird. Wichtig sei es auch, das Netzwerk der Unterstützer auszubauen, wie zum Beispiel die regionalen Hochschulen, Bundeswehr, Polizei und Bildungseinrichtungen. Entscheidend sei vor allem, dass es endlich gelinge, eine Stiftung für das Projekt zu gründen.

"Solange es diese Stiftung nicht gibt, sind die Verantwortlichkeiten nicht konkret und offiziell geklärt", moniert Heinrich. Das setze allerdings wiederum ein Finanzierungskonzept voraus. Deshalb sieht die Arbeitsgruppe weiterhin den Kreistag in Gütersloh in der Pflicht, eine Lösung zu erarbeiten.

Gespräche dazu laufen derzeit auch auf anderen Ebenen, unter anderem unter Beteiligung von Landtagspräsident André Kuper aus Rietberg, der das Projekt seit Jahren vorantreibt. Ein gemeinsames Gespräch der Beteiligten mit Kulturstaatsministerin Claudia Roth ist ebenfalls weiter geplant, nachdem es zu Jahresende verschoben worden war. Bis dahin steht die Gedenkstätte Stalag 326 vor einer ungewissen Zukunft.

Bildunterschrift: Ein Grabstein auf dem Ehrenfriedhof nahe des "Stalag 326" in Schloß Holte-Stukenbrock, auf dem mindestens 15.000 getötete sowjetische Kriegsgefangene in Massengräbern verscharrt wurden.

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Am 25. September 2023 blockierten die Fraktionen von CDU, Freien Wählern, "AfD" im Kreistag Gütersloh einmütig, den Beschlussvorschlag für die Beteiligung an den Betriebskosten der Gedenkstätte Stalag 326.

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www.stalag326.de

www.blumen-fuer-stukenbrock.eu


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