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Nachrichten ,
04.01.2024 :
Tages-Chronologie von Donnerstag, 4. Januar 2024
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Pressespiegel überregional
Der Tagesspiegel Online, 04.01.2024:
Kontakt mit ehemaligem NVA-Offizier / "Reichsbürger" wollten militärisches Material erlangen
die tageszeitung Online, 04.01.2024:
Streit um Unvereinbarkeitsliste / AfD streitet um Neonazis
Belltower.News, 04.01.2024:
Jahresrückblick 2023 / Sachsen-Anhalt - Anastasia, Institut für Staatspolitik und AfD
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Donnerstag, 4. Januar 2024
Am 3. Mai 1989 wurde Karl-Friedrich Höcker aus Engershausen vom Landgericht Bielefeld auf Grund seiner Beteiligung an der Vergasung meistens jüdischer Häftlinge im KZ Majdanek, zu vier Jahren Haft verurteilt.
Am 6. Januar 2024 referiert Uwe Standera (Bielefeld) zum Thema "Die Familien Frankenstein und Elsbach in Herford und Bielefeld. Eine jüdische Familiengeschichte im 19. Jahrhundert" (Haus der Kulturen, Enger).
Am 24. August 2023 schilderte die (81 Jahre alte) Niederländerin Rozette Kats bei einem Gesprächsabend (Bühnen-Gespräch: Raphaela Kula) in der Synagoge in Herford, wie sie als Jüdin den Holocaust überlebte.
Am 25. September 2023 blockierten die Fraktionen von CDU, Freien Wählern, "AfD" im Kreistag Gütersloh einmütig, den Beschlussvorschlag für die Beteiligung an den Betriebskosten der Gedenkstätte Stalag 326.
Am 4. Januar 2024, 14.30 Uhr, war eine Zusammenkunft der "Frauengruppe" in der "Kreisgruppe Minden" bei der revanchistischen "Landsmannschaft Schlesien", in Minden, in der "Bäckerei Schmidt" angekündigt.
Für den 9. Januar 2024 ist, ab 19.00 Uhr, ein weiteres Mal ein "Stammtisch" der völkisch-nationalistischen Fraktion der "AfD" im Rat der Stadt Bad Salzuflen in der "Pizzeria Da Salvatore", Bad Salzuflen, beworben.
Am 4. Januar 2024 kündigte die Fraktion der "AfD" im Rat der Stadt Bad Salzuflen am 9. Januar 2024, ab 19.00 Uhr, einen neuen "Stammtisch" in der "Pizzeria Da Salvatore" (Wüstener Straße, Bad Salzuflen) an.
Am 5. Januar 2024 veranstaltete der völkische Neonazi Gerd Ulrich (mit 10 Teilnehmenden) von 15.00 bis 16.00 Uhr in Detmold ("Barntruper Straße") eine "Schilder-Aktion" gegen die "Marionetten" der Regierung.
Am 4. Januar 2024 kündigte der völkische Neonazi Gerd Ulrich zum 5. Januar 2024 (15.00 bis 16.00 Uhr), in Detmold (an der "Barntruper Straße") eine "Schilder-Aktion" gegen die "Marionetten" der Regierung an.
Für den 8. Januar 2024 kündigt der völkisch-nationalistische "Kreisverband Höxter" der Partei "Alternative für Deutschland", in der Zeit von 09.00 bis 15.00 Uhr einen "Infostand in Höxter" (in der Marktstraße) an.
Am 4. Januar 2024 kündigte der völkisch-nationalistische "Kreisverband Höxter" der Partei "AfD" - für den 8. Januar 2024, in der Zeit von 09.00 bis 15.00 Uhr - einen "Infostand in Höxter" (in der Marktstraße) an.
www.auschwitz-prozess-frankfurt.de/index.php?id=111
www.hf-gen.de/termine
www.zellentrakt.de
www.jg-hf-dt.de
www.stalag326.de
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www.mbr-owl.de
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Westfalen-Blatt / Lübbecker Kreiszeitung, 04.01.2024:
Eine Spur führt nach Lübbecke
Westfalen-Blatt / Lübbecker Kreiszeitung, 04.01.2024:
Heute im Lokalteil / Auschwitz-Prozess mit Lübbecker Spur
Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 04.01.2024:
Eine jüdische Familie
Neue Westfälische - Herford und Enger / Spenge, 04.01.2024:
Über die Familien Frankenstein und Elsbach
Neue Westfälische - Herford und Enger / Spenge, 04.01.2024:
Erinnerung als Mahnung und Appell
Radio Gütersloh, 04.01.2024:
Neue Vorschläge für Gedenkstätte Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock
Neue Westfälische, 04.01.2024:
Neue Pläne für Stalag
Neue Westfälische, 04.01.2024:
Zwischen Weser und Rhein / Neue Pläne für Stalag 326
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Westfalen-Blatt / Lübbecker Kreiszeitung, 04.01.2024:
Eine Spur führt nach Lübbecke
TV-Serie "Deutsches Haus" über Auschwitz-Prozess - Sparkassen-Angestellter zählte zu den Angeklagten
Von Hartmut Horstmann
Lübbecke (WB). "Deutsches Haus" heißt eine viel diskutierte TV-Serie, in der es um den Auschwitz-Prozess des Jahres 1963 in Frankfurt geht. Zu den Mitwirkenden zählen Iris Berben und Heiner Lauterbach. Eine Spur führt zu einem Angeklagten nach Lübbecke.
Unter den Angeklagten, die sich 1963 während des Prozesses verantworten mussten, befand sich Karl-Friedrich Höcker, der aus Preußisch Oldendorf (Engershausen) stammt.
Eine Rolle spielt der 1911 Geborene in der aktuellen Verfilmung nicht, aber sein Name fällt beim Verlesen der Anklageschrift bereits an zweiter Stelle: "Karl Höcker, Hauptkassierer bei der Kreissparkasse Lübbecke."
Vor Gericht standen SS-Männer, die im Vernichtungslager Auschwitz unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt hatten und die nach Kriegsende in ihr "normales Leben" zurückgekehrt waren. So arbeitete Höcker wieder bei der Sparkasse.
Haftstrafe nicht komplett verbüßt
In dem Fünfteiler (zu sehen beim Streaming-Dienst Disney +) stehen auf der Angeklagten-Seite andere im Mittelpunkt - unter anderem Wilhelm Boger, einer der Hauptangeklagten, der von Heiner Lauterbach gespielt wird. Einig sind sich die Beschuldigten darin, dass sie jede Beteiligung an den Grausamkeiten, für die der Name Auschwitz steht, leugnen.
In den Gerichtsprotokollen sind auch die Aussagen Höckers dokumentiert. Dieser sagte in seinen Schlussworten, von den Geschehnissen in Birkenau habe er erst im Laufe der Zeit erfahren, er habe damit nichts zu tun: "Ich hatte keine Möglichkeit, diese Geschehnisse in irgendeiner Weise zu beeinflussen, noch habe ich sie gewollt oder betrieben. Ich habe keinem Menschen etwas zuleide getan, noch ist jemand durch mich in Auschwitz umgekommen."
Zuvor hatte er während der Verhandlung über die Ermordung von Juden gesagt: "Das war wohl eine politische Einstellung der Führung von Hitler. Aber allen SS-Leuten war wohl der Gedanke gekommen, dass dies nicht der richtige Weg war. Aber da war keine Macht, das zu ändern."
Wegen "gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord" wurde der SS-Mann später zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt, die er aber nicht komplett verbüßen musste. Unklar ist, was er nach seiner Rückkehr nach Lübbecke machte. In einigen Quellen heißt es, er habe wieder als Bankangestellter gearbeitet. An anderer Stelle wird das bezweifelt. Höcker starb im Jahr 2000, er wurde 88 Jahre alt.
KZ-Vergangenheit verheimlicht
Der Sohn eines Bauarbeiters war im Oktober 1933 der SS beigetreten. Seit 1939 gehörte er dem 9. SS-Infanterieregiment in Danzig an. Nach verschiedenen Stationen kam er im Mai 1944 nach Auschwitz, wurde Adjutant des letzten Lagerkommandanten Richard Baer. Nach der Evakuierung des KZ folgte Höcker seinem Chef ins KZ Mittelbau-Dora.
Als dies evakuiert wurde, floh der Adjutant. Zwar griffen ihn britische Truppen auf, doch konnte er auf Grund falscher Papiere seine KZ-Vergangenheit verheimlichen. Anfang 1947 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft nach Lübbecke zurück.
Auch nach einer Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld im Jahr 1952 musste Höcker nicht ins Gefängnis.
Nach seiner späteren Verurteilung in Frankfurt stand der Lübbecker in den 1980er Jahren noch einmal vor Gericht. Nachdem ihm nachgewiesen worden war, dass er Zyklon B für das KZ Majdanek beschafft hatte, wurde er vom Landgericht Bielefeld zu vier Jahren Haft verurteilt. Wegen seines Alters blieb er jedoch von der Haft verschont.
"Höcker-Album" sorgt weltweit für Schlagzeilen
Doch auch nach seinem Tod geriet der einstmalige SS-Obersturmführer weltweit in die Schlagzeilen - und zwar wegen eines Foto-Albums. Unter dem Namen "Höcker-Album" bekannt geworden, enthält es Fotografien, die das SS-Personal bei Freizeitaktivitäten zeigen.
Das Fotobuch befand sich im Besitz eines ehemaligen US-Soldaten, der sagte, er habe es 1946 in Frankfurt entdeckt. Im Jahr 2006 übergab er es dem United States Holocaust Memorial Museum.
Besagtes Album stammt von Karl Höcker, der viele Aufnahmen selbst gemacht hat und auf anderen zu sehen ist. Eine Fotografie zeigt ihn inmitten lachender Frauen.
Angesichts der Funktionen, die der Lübbecker Nazi und seine Mitstreiter innehatten, heißt es in einem Rundfunk-Beitrag treffend über das Buch: "Das ist das Verstörende an Höckers Album. Es zeigt keine SS-Männer beim Morden oder in Gruppen vor ausgehobenen Leichengruben stehen. Stattdessen sieht man unbeschwert lachende junge Leute."
Karl Höcker soll seine letzten Monate in einem Evangelischen Altenheim in Lübbecke verbracht haben - der Nachwelt hat er mit seinem Fotobuch ein Dokument maximaler Empathielosigkeit hinterlassen.
Bildunterschrift: Karl-Friedrich Höcker (Mitte) inmitten von SS-Helferinnen bei einem Betriebsausflug zur Solahütte, einem SS-Erholungsheim etwa 30 Kilometer von Auschwitz entfernt. Das Foto entstand am 22. Juli 1944.
Bildunterschrift: Eine Gerichtsszene aus der Serie "Deutsches Haus": Auf der linken Seite sitzen die Angeklagten.
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Westfalen-Blatt / Lübbecker Kreiszeitung, 04.01.2024:
Heute im Lokalteil / Auschwitz-Prozess mit Lübbecker Spur
Lübbecke. In der TV-Serie "Deutsches Haus" mit Heiner Lauterbach und Iris Berben geht es um den Auschwitz-Prozess des Jahres 1963. Eine Spur führt nach Lübbecke. Denn zu den Angeklagten zählte Karl Höcker, der bei der Sparkasse in Lübbecke arbeitete.
Lokalseite
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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt, 04.01.2024:
Eine jüdische Familie
Herford (HK). Die Arbeitsgruppe Familienforschung im Kreis Herford (www.hf-gen.de) lädt ein zu einem Vortrag mit dem Thema "Die Familien Frankenstein und Elsbach in Herford und Bielefeld. Eine jüdische Familiengeschichte im 19. Jahrhundert." Beginn ist am kommenden Samstag, 6. Januar um 14 Uhr im Haus der Kulturen, Brandstraße 11, in Enger. Die Teilnahme ist kostenlos, Gäste sind willkommen. Die Wäschefirma Elsbach ist in Herford bekannt und das Elsbach-Haus an der Goebenstraße erinnert an die Familie. Die Mutter der Elsbachs ist eine geborene Frankenstein, ihr aus Franken stammender Vater siedelte sich Anfang des 19. Jahrhunderts in Herford an. Weniger bekannt ist der Familienzweig der Familie Frankenstein, der in Heepen und Bielefeld vertreten war und dessen Verbindung nach Herford. In dem Vortrag von Uwe Standera werden nicht nur einzelne Familienangehörige vorgestellt, sondern auch die zugrunde liegenden Quellen.
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Neue Westfälische - Herford und Enger / Spenge, 04.01.2024:
Über die Familien Frankenstein und Elsbach
Kreis Herford. Die Arbeitsgruppe Familienforschung im Kreis Herford lädt zu einem Vortrag mit dem Thema "Die Familien Frankenstein und Elsbach in Herford und Bielefeld. Eine jüdische Familiengeschichte im 19. Jahrhundert" ein. Die Veranstaltung findet am Samstag, 6. Januar, um 14 Uhr im Haus der Kulturen an der Brandstraße 11 in Enger statt. Die Teilnahme ist kostenlos, Gäste sind willkommen.
Die Wäschefirma Elsbach ist in Herford bekannt und das dortige Elsbach-Haus an der Goebenstraße erinnert an die Familie. Die Mutter der Elsbachs ist eine geborene Frankenstein, ihr aus Franken stammender Vater siedelte sich Anfang des 19. Jahrhunderts in Herford an. Weniger bekannt ist der Familienzweig der Familie Frankenstein, der in Heepen und Bielefeld vertreten war, und dessen Verbindung nach Herford. In dem Vortrag von Uwe Standera werden nicht nur einzelne Familienangehörige anhand ihrer Lebenswege und Biografien vorgestellt, sondern auch die zugrunde liegenden Quellen.
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Neue Westfälische - Herford und Enger / Spenge, 04.01.2024:
Erinnerung als Mahnung und Appell
Das Kuratorium "Erinnern Forschen Gedenken" blickt auf ein arbeitsreiches Jahr zurück und plant ein pralles 2024 / Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung sei das Engagement für ein "Nie wieder" wichtiger denn je
Ralf Bittner
Herford. Gestiegene Besucherzahlen vermeldet das Kuratorium "Erinnern Forschen Gedenken" für das Jahr 2023. Vor allem die Zahl der Schülerinnen und Schüler unter den insgesamt 3.069 Besuchenden war mit 1.103 deutlich höher als im Vorjahr. Trotzdem blickt die Vorsitzende Gisela Küster in ihrer Jahresbilanz besorgt zurück und in die Zukunft.
Mit "Drei Steine", "Die Kommissare - Kriminalpolizei an Rhein und Ruhr 1920 - 1950" und der aktuellen Präsentation "Anne Frank war nicht allein. Jüdische Kindheit und Jugend im Raum Herford 1933 - 1945" wurden drei Ausstellungen in der Gedenkstätte Zellentrakt im Rathauskeller präsentiert, dazu eine Ausstellung zu den jüdischen Stars im deutschen Sport bis 1933, die danach auf dem Münsterkirchplatz zu sehen war. Begleitet wurden die Ausstellungen von fünf Workshops mit Schülerinnen und Schülern und elf Workshops mit der Polizei.
Dazu gab es eine ganze Reihe von Veranstaltungen mit oder für Schülerinnen und Schüler oder die breite Öffentlichkeit, etwa zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Januar, in Erinnerung an die Bücherverbrennung im Mai oder eine Lesung mit Maren Gottschalk aus deren Biografie von Sophie Scholl in der Geschwister-Scholl-Realschule und im Elisabeth-von-der-Pfalz-Berufskolleg. Eindrucksvoll war auch ein Gesprächsabend mit Rozette Kats. Die Holländerin berichtete in der Synagoge davon, wie sie als Kind den Holocaust überlebte.
Erinnert wurde auch an die Reichspogromnacht, die Opfer der Patienten-Morde und an den Völkermord an den Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus.
Ausblick auf das kommende Jahr
Auch für 2024 plant das Kuratorium wieder eine Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen. Ob im Anschluss an die Anne Frank-Ausstellung eine Ausstellung zu "Sophie Scholl", "Frauen im Widerstand" oder zur Enteignung jüdischen Besitzes gezeigt wird, ist noch offen.
Fest eingeplant ist dagegen die Ausstellung "Verbrannte Orte" zum Tag der Bücherverbrennung im Elsbach-Haus.
Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich derzeit mit den deutschen Kolonien in Afrika und ihren Folgen und Sichtbarkeiten heute in der Region Herford. Einen Titel für eine daraus entstehende Ausstellung gibt es noch nicht.
Auch einige Veranstaltungen sind bereits geplant oder angedacht. Am 24. Januar werden Schülerinnen und Schüler des Ravensberger Gymnasiums von ihrer Teilnahme an einem internationalen Jugendaustausch am ehemaligen NS-Vernichtungslager im polnischen Sobibor berichten. Am 30. Januar geht Matthias Künzel im Vortrag "Nazis und der Nahe Osten" der Frage nach, wie der islamische Antisemitismus entstand.
Voraussichtlich im Juli wird die Journalistin Nora Hespers davon berichten, wie sich der Widerstand ihres Großvaters, vermittelt über den Vater, bis heute auf sie auswirkt. Im Sommer soll das Straßentheaterstück "Spectaculum de defectum" in Kooperation mit dem Theaterlabor Bielefeld und der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold gezeigt werden. In dem Stück geht es um Holzwürmer, die im Gebälk einer alten Synagoge leben, die allerdings im Besitz eines Nazis ist. Das Stück ist frei von aktuellen Ereignissen in Detmold inspiriert. Fortgesetzt werden soll die Bildungspartnerschaft von Kuratorium und Gesamtschule Friedenstal.
Auch einige Projekte in der Gedenkstätte Zellentrakt im Rathauskeller wie die Neugestaltung der Gedenkzelle, die bauhistorische Untersuchung der Zelle mit Einritzungen am Rahmen und in der Tür oder die Erweiterung der Gedenkstätte um die noch vom Standesamt belegten Zellen sollen angegangen oder weitergeführt werden. Nicht nur angesichts der Prognosen für die Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen mit voraussichtlich beispiellosen Zahlen für eine AfD, "angeführt von Personen, die vom Verfassungsschutz als eindeutig rechtsextrem eingestuft werden", sei es dringender denn je, die Kräfte zu bündeln und sich für historische Bildung, Demokratie und Menschenrechte einzusetzen, heißt es. Das gelte auch angesichts antisemitischer Demonstrationen, Zerstörung von Erinnerungsorten sowie Pöbeleien und Drohungen gegen jüdische Menschen - verstärkt seit dem 7. Oktober - und der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.
www.zellentrakt.de
Bildunterschrift: Im August berichtete Rozette Kats (r.) in der Synagoge, wie sie als Kind den Holocaust überlebte. Für den Sommer ist ein weiteres Gespräch mit der Holländerin angedacht - dann allerdings im Ravensberger Gymnasium.
Bildunterschrift: Im Spectaculum de defectum bedroht der Streit um ein altes jüdisches Bethaus die dort lebenden Holzwürmer. Geplant ist die Aufführung in Herford im Sommer.
Bildunterschrift: Die Ausstellung "Anne Frank war nicht allein" in der Gedenkstätte Zellentrakt ist noch bis März zu sehen. Sie erinnert an die Schicksale jüdischer Kinder aus Herford während des NS-Regimes.
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Radio Gütersloh, 04.01.2024:
Neue Vorschläge für Gedenkstätte Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock
Für die Gedenkstätte Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock werden neue Pläne ausgearbeitet. Nach dem Nein der CDU im Gütersloher Kreistag unternehmen die Unterstützer einen neun Anlauf. Eine Arbeitsgruppe macht Vorschläge, wie Kosten gesenkt werden können. Für das Projekt soll auch eine Stiftung gegründet werden. Das frühere sowjetische Kriegsgefangenenlager Stalag 326 soll zu einer überregional bedeutsamen Gedenkstätte ausgebaut werden. Bund und Land wollen 50 Millionen Euro dafür gegeben. Der CDU im Gütersloher Kreistag ist das Projekt aber zu überdimensioniert und zu teuer. Der Kreistag hatte deshalb eine finanzielle Beteiligung des Kreises Gütersloh abgelehnt.
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Neue Westfälische, 04.01.2024:
Neue Pläne für Stalag
Die Vorhaben, das frühere Kriegsgefangenenlager in Schloß Holte-Stukenbrock zu einem Erinnerungsort zu entwickeln, stocken / Doch hinter den Kulissen herrscht Bewegung
Ingo Kalischek
Gütersloh / Düsseldorf. Die Diskussionen um die Zukunft des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers "Stalag 326" in Senne hatten im Herbst deutschlandweit für Wirbel gesorgt. Dann wurde es ruhig um das Projekt. Doch im Hintergrund laufen die Gespräche weiter. Unterstützer der Gedenkstätte machen jetzt einen neuen Vorschlag.
Das frühere Kriegsgefangenenlager galt als der größte Sammelpunkt von überwiegend sowjetischen Kriegsgefangenen im Deutschen Reich. Bis zu 300.000 Gefangene wurden dort durchgeschleust, als Zwangsarbeiter weitergeschickt - und oftmals zum Sterben zurück in das Stalag 326 gebracht.
In der Region Ostwestfalen-Lippe existieren seit Jahren Pläne, um die bisherige und überwiegend ehrenamtlich betriebene Gedenkstätte zu einem Erinnerungsort von internationaler Bedeutung weiterzuentwickeln.
Bund und Land wollen diese mit rund 50 Millionen Euro unterstützen. Doch ausgerechnet in der Heimat regte sich Widerstand.
Der Kreistag in Gütersloh stimmte mehrheitlich gegen die Pläne. Die sehen vor, dass sich die beteiligten Kommunen in Ostwestfalen-Lippe an den Betriebskosten beteiligen. Doch unter anderem die CDU in Gütersloh hält diese für überdimensioniert - und legte ihr Veto ein. Seitdem droht dem Gesamtkonzept das Aus.
Um das zu verhindern, machen Projekt-Unterstützer nun einen neuen Vorschlag. Eine regionale Arbeitsgruppe des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie" schlägt vor, bei den Ausbauplänen vor allem auf bereits bestehende - denkmalgeschützte - Gebäude zu setzen, anstatt diese neu zu bauen. Das könne Kosten sparen.
Das Projekt hängt von der Gründung einer Stiftung ab
Zudem könne auf ein neues Empfangsgebäude verzichtet werden, meinen die Mitglieder, zu denen zum Beispiel der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht, Bielefelds früherer Stadtdirektor Jürgen Heinrich, der Historiker Falk Pingel sowie der Soziologe Jürgen Feldhoff zählen.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe regen an, die Betriebskosten, also die Sach- und Personalkosten, der künftigen Gedenkstätte nach unten zu korrigieren, indem realistische Besucher-Prognosen erstellt werden. Die jährlichen Betriebskosten wurden zuletzt auf rund vier Millionen Euro geschätzt und sollen von den OWL-Kreisen sowie den Städten Schloß Holte-Stukenbrock und Bielefeld übernommen werden. Das führte zu Widerstand.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe regen weiter an, dass der sowjetische Ehrenfriedhof verbindlich in die Pläne einbezogen wird. Wichtig sei es auch, das Netzwerk der Unterstützer auszubauen, wie zum Beispiel die regionalen Hochschulen, Bundeswehr, Polizei und Bildungseinrichtungen. Entscheidend sei vor allem, dass es endlich gelinge, eine Stiftung für das Projekt zu gründen.
"Solange es diese Stiftung nicht gibt, sind die Verantwortlichkeiten nicht konkret und offiziell geklärt", moniert Heinrich. Das setze allerdings wiederum ein Finanzierungskonzept voraus. Deshalb sieht die Arbeitsgruppe weiterhin den Kreistag in Gütersloh in der Pflicht, eine Lösung zu erarbeiten.
Gespräche dazu laufen derzeit auch auf anderen Ebenen, unter anderem unter Beteiligung von Landtagspräsident André Kuper aus Rietberg, der das Projekt seit Jahren vorantreibt. Ein gemeinsames Gespräch der Beteiligten mit Kulturstaatsministerin Claudia Roth ist ebenfalls weiter geplant, nachdem es zu Jahresende verschoben worden war. Bis dahin steht die Gedenkstätte Stalag 326 vor einer ungewissen Zukunft.
Bildunterschrift: Ein Grabstein auf dem Ehrenfriedhof nahe des "Stalag 326" in Schloß Holte-Stukenbrock, auf dem mindestens 15.000 getötete sowjetische Kriegsgefangene in Massengräbern verscharrt wurden.
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Neue Westfälische, 04.01.2024:
Zwischen Weser und Rhein / Neue Pläne für Stalag 326
Gütersloh / Düsseldorf. Die Vorhaben, das frühere Kriegsgefangenenlager "Stalag 326" in Senne zu einem Erinnerungsort zu entwickeln, stocken. Hinter den Kulissen gibt es neue Pläne.
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