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Westfalen-Blatt / Bielefelder Zeitung ,
30.12.2023 :
Erinnern und Gedenken
Der 108. Jahresbericht des Historischen Vereins ist von sofort an erhältlich
Von Uta Jostwerner
Bielefeld (WB). Die regionale Kriegs- und Nachkriegsgeschichte bildet einen thematischen Schwerpunkt im jüngst erschienenen Jahresbericht 2023 des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg.
So wirft Petra Wissbrock einen Blick auf Major Douglas MacOlive, der von 1945 bis 1951 britischer Stadtkommandant von Bielefeld war. "Die Methoden, die MacOlive anwandte, um als einziger Kreis Resident Officer in der Britischen Zone sechs Jahre lang in dieser Position zu bleiben, waren von Pragmatismus und Menschenfreundlichkeit geprägt", fasst die Autorin zusammen. MacOlives Prämisse war es, mit einfachen Mitteln und der Nutzung vorhandener Ressourcen dringende Probleme zu lösen.
Als sich nach den Kommunalwahlen im Oktober 1948 die Drucker der SPD-nahen Zeitung Freie Presse weigerten, die CDU-nahe Westfalen Zeitung in ihren Druckereien zu drucken, ließ es sich MacOlive nicht nehmen, die Drucker persönlich an ihre Pflichten zu erinnern.
Mit Humor, so berichtet Wissbrock, betrachtete MacOlive die kleinen Reibereien zwischen den führenden Parteien in OWL. Als etwa der Paderborner Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger eine Kampagne gegen die SPD als eine angeblich "nicht-christliche" Partei startete, weigerte sich die SPD-Mehrheit im Bielefelder Rat, einer Bitte der dortigen katholischen Marienschule nachzukommen, 3.500 Mark für die Renovierung des Schulgebäudes bereitzustellen.
Einen erschütternden Bericht über den Umgang mit Kriegsgefangenen, Zwangs- und Fremdarbeitern in Steinhagen steuert Jürgen Büschenfeld bei. In den Fokus gerät hier besonders Eduard Meyer zu Hoberge, der von 1929 bis 1945 Amtsbürgermeister, von 1945 bis 1963 Amtsdirektor des Amtes Halle war. Büschenfeld kommt nach Quellenstudie zu der Erkenntnis, dass Meyer zu Hoberge in seinem drakonischen Handeln gegenüber Zwangsarbeitern Ermessensspielräume nicht nutzte, sondern sein Amt - anders als er es nach 1945 glauben machen wollte - "ganz im Sinne der Partei wahrgenommen haben dürfte".
Ein weiteres dunkles Kapitel des Umgangs mit Kriegsgefangenen handelt vom Kriegsgefangenenlager Stalag 326 in der Senne. Unter dem Titel "Eine lange Geschichte von Erinnern und Gedenken - zum geplanten Ausbau der Gedenkstätte Stalag 326 in Stukenbrock / Senne" beleuchtet Falk Pingel die unmenschlichen Lebensumstände im Lager, in dem zwischen 1941 bis 1945 etwa 65.000 Kriegsgefangene den Tod fanden. Weitere Aspekte sind die Nachnutzung, Erinnerungskultur sowie der gegenwärtige Planungsstand.
Vorgesehen ist ein Ausbau der Gedenkstätte mit einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro, wobei die Finanzierung durch die Gebietskörperschaften noch nicht gesichert ist.
Der 108. Jahresbericht ist im Stadtarchiv Bielefeld erhältlich.
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In der vierten Dezemberwoche 2023 erschien - u.a. über "Kriegsgefangene, Zwangs- und Fremdarbeiter in Steinhagen - der "108. Jahresbericht" des "Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg e.V., 2023".
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www.hv-ravensberg.de/neuerscheinungen.html
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