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Höxtersche Zeitung , 08.06.2005 :

(Höxter) Im Grundsatz für die Steine / Erinnerung an jüdische Mitbürger

Von Frank Spiegel

Höxter (WB). Grundsätzlich stimmte der Haupt- und Finanzausschuss des Rates der Stadt Höxter in seiner jüngsten Sitzung für die Verlegung weiterer Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die Stadtverordneten wollen aber keine generelle Freigabe erteilen, sondern zuvor mehr Informationen über die Menschen erhalten, an die mit den Stolpersteinen erinnert werden soll.

Entzündet hatte sich eine Diskussion, weil Susanne und Karl-Heinz Kraft in ihrem Antrag für weitere Steine die Formulierung " ... für Opfer der Nazidiktatur ... " gewählt hatten. "Das ist zu allgemein", meinte Jürgen Lessing (UWG). Da müssten die Antragsteller erst einmal sagen, wen sie konkret damit meinten. Lessing befürchtet Konflikte bei der Auswahl derjenigen, die als Opfer gelten oder eben nicht. "Man muss sich Gedanken machen, wo der Opferbegriff anfängt und wo er aufhört", meinte auch Berno Schlanstedt (Bündnis 90/Die Grünen). Sozialdemokrat Alexander Fischer: "Wir müssen eine Richtung finden, die wir dem Bürger gegenüber vertreten können." Für die CDU sprach sich Engelbert Bömelburg ebenfalls gegen eine generelle Freigabe aus: "Die Stadt muss es kontrollieren können." Seiner Meinung nach solle der Haupt- und Finanzausschuss die Entscheidungen treffen.

Mit ihren Ansichten waren alle Fraktionen nicht weit voneinander entfernt. Bürgermeister Hermann Hecker mutmaßte, dass in den Satzteil " ... für Opfer der Nazidiktatur ... " mehr interpretiert werde, als von den Antragstellern gemeint sei. Diesen sei es doch zunächst um jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger gegangen. Möglicherweise seien allein diese mit "Opfer der Nazidiktatur" gemeint: "Die Stolpersteine sind ein Zeichen gegen die schlimmen Dinge, die im Dritten Reich passiert sind. Sie sind auch nicht so gestaltet, dass Menschen wirklich darüber stolpern können, Daher sollten wir weiteren Anträgen positiv entgegensehen."

Beschluss fiel einstimmig

Einstimmig gab der Ausschuss schließlich seine grundsätzliche Zustimmung zu weiteren Denkmälern, zuvor wollen die Stadtverordneten aber jeweils weitere Informationen zu den Menschen, für die sie gesetzt werden sollen.

Neue Stolpersteine in Höxter sollen erinnern an Lina und Kati Rosenberg sowie Pauline Leopold (Corveyer Allee, 2), Karolin Beyerlein (Bachstraße 6), Albert, Irmgard und Martha Bukofzer (Stummrigestraße 45 - 49,), Berl-Eli, Ernst, Gertrud und Minna Löwenstein (Westerbachstraße 5) sowie an Ida und Dr. Leo Pins (Marktstraße 12).


hoexter@westfalen-blatt.de

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