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Neue Westfälische , 03.06.2005 :

(Bielefeld) Tiefe Spuren des Verrats

Von Maria Frickenstein

Bielefeld. Die Geschichte könnte überall geschehen, wo eine vermeintliche Staatssicherheit Willkür, Verrat und Folter für ihre selbstherrlichen Zwecke einsetzt. Das Theaterstück "Unter den Mauern" von Lupe Barone aus Uruguay erzählt von den nachhaltigen Auswirkungen der Menschenrechtsverletzungen. Regisseurin Barbara M. Frey vom Tunneltheater hat das Stück übersetzt und in der Capella hospitalis inszeniert.

Die Folter haben die Opfer überlebt, aber wie leben sie danach weiter? Die 1953 in Montevideo geborene Autorin Lupe Barone litt selbst als politische Gefangene unter der zwölfjährigen Diktatur des Militärs, die erst 1985 durch eine demokratische Regierung abgelöst wurde. Es gäbe keine Sprache, die so viel Niederträchtigkeit beschreiben könnte, sagte Barone über diese Zeit. "Unter den Mauern": Pedro (Hagen Barth) und Alicia (Katja Wolf) verbindet eine gemeinsame Zeit der Verfolgung durch das Militärregime. Pedro konnte sich verstecken, Alicia war im Gefängnis. Wie eine unüberwindliche Mauer steht das Leid im Raum und ist doch sehr präsent. Mit Gustavo (Heiner Wild) kündigt sich Besuch an. Allein mit seiner Anwesenheit rührt er an ein Ereignis, dessen Erinnerung unausweichlich ist.

Die Schauspieler des Tunneltheaters spielen die vielen Untertöne dieser belasteten Freundschaft, in der Verrat, Schuld und Leid einer klaren Aussprache bedürfen. Überzeugend spielt Katja Wolf die Starre eines Opfers, das nur noch mit einem Tunnelblick auf den Täter schaut und sich selbst aus den Augen verloren hat. Hagen Barth in der Rolle des Davongekommenen ist ein verunsicherter, von Schuldgefühlen geplagter Mann. Auch Heiner Wild eröffnet als Gustavo die undurchsichtigen Facetten einer zwielichtigen Figur, die fordert, jeden Verräter anzugreifen.

Nächste Aufführung: Sonntag, 5. Juni, 20 Uhr in der Capella Hospitalis, Teutoburger Str. 50.


lok-red.bielefeld@neue-westfaelische.de

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