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Neue Westfälische ,
11.08.1993 :
OWL-Kriminalitätsstatistik liegt im Landestrend / Brandanschläge oft Trunkenheitsdelikte
Von Horst Dieter Kückmann
Bielefeld. "Die Bielefelder Polizei hat allein im Stadtgebiet mehr als 120 Objekte, die durch besondere Observierung vor Anschlägen Rechtsextremer geschützt werden sollen."
Das ist, so der Erste Polizeihauptkommissar im Bielefelder Polizeipräsidium, Jürgen Gronemeier, eine schwierige Situation für die Beamten. Bei der hohen Zahl an Objekten sei es unmöglich, einen Sonderschutz für jedes Haus rund um die Uhr zu organisieren. Deshalb verlaufe die Überwachung zumeist im Rahmen der normalen Streifenfahrten.
So sieht es zur Zeit in den meisten Städten Ostwestfalen-Lippes aus. Die für fremdenfeindliche Straftaten zuständige Staatsschutzabteilung der Polizei hat in Ostwestfalen-Lippe in den vergangenen neun Monaten insgesamt 138 Strafverfahren eingeleitet. Allein im letzten Quartal des Jahres 1992 waren es 55 Taten, bilanziert Kriminalrat Thomas Rosenthal vom Prasidialbüro zwei, dem früheren K 14 in Bielefeld.
Da in OWL nur fünf Prozent aller fremdenfeindlichen Straftaten in NRW registriert worden sind, ist die Lage noch nicht so brisant wie etwa im Ruhrgebiet. Bisher habe es im Regierungsbezirk eine versuchte Tötung gegeben: In der Silyesternacht wurde in Detmold in die Wohnung einer ausländischen Familie geschossen. Daneben gab es mehrere Brandstiftungen, die jedoch bislang "relativ glimpflich" verlaufen sind. Die meisten Delikte sind anonyme Drohungen gegen Ausländer, meist per Telefon. Doch auch hier gebe es erstaunlich hohe Aufklärungsquoten, sagt Rosenthal.
Zentren der Rechtsradikalen wie früher der "Andreaskrug" in Bielefeld-Schildesche oder die NF-Zentrale in Detmold-Pivitsheide habe man mittlerweile unter Kontrolle, erklären die Polizeibeamten. Trotzdem müsse auf die Sicherheit der ausländischen Bevölkerung ständig besonders geachtet werden.
Die meisten haben inzwischen einen Telefonanschluss
Die Polizei hat bei den Kommunen darauf gedrängt, die meisten Asylbewerberwohnheime inzwischen sowohl mit einem Telefonanschluss als auch mit Feuerlöschern auszustatten. Im Regierungsbezirk Detmold sind insgesamt 42.000 Flugblätter in zehn verschiedenen Sprachen verteilt worden, auf denen besondere Verhaltensregeln erklärt werden: So sollen ausländischen Bürger verdächtige Beobachtungen sofort der Polizei melden, Brandschutz in den Wohnungen vornehmen und alle Familienmitglieder über mögliche Gefahren und Gegenwehrmaßnahmen informieren.
Nicht jede fremdenfeindliche Straftat sei jedoch Rechtsextremen zuzuordnen, berichten die Polizeiexperten. Es gebe auffällige Zusammenhänge zwischen Alkoholgenuss, dunkler Tageszeit und Gststättenbesuchen, nach denen pubertierende Jugendliche derartige Straftaten begehen. Diese Beobachtung wurde gestern auch von Innenminister Schnoor geteilt.
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