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Arbeitsgemeinschaft Fossoli , 21.06.2000 :

"Titho muss für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden" / Redebeitrag auf der Kundgebung "Gemeinsam gegen Sonnenwendfeiern von Neonazis"

Wenn man in Horn gegen rassistisches Gedankengut, gegen Nazis und deren Aktivitäten protestiert, dann gilt es auch, darauf zu zeigen, dass hier in Horn in der Pfuhlstraße seit vielen Jahrzehnten ein Nazi-Scherge seinen unverdient ruhigen Lebensabend verbringt. – Ein Nazi-Scherge, der bisher nie richtig zur Verantwortung gezogen worden ist.

Es handelt sich bei diesem Mann um Karl Friedrich Titho.

In Italien wurde er auch lange der "Henker von Fossoli" genannt.

In Fossoli gab es ein "Polizei- und Durchgangslager", von dem aus zahlreiche italienische Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer in deutsche Konzentrationslager sowie Tausende Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden.

Karl Friedrich Titho war Kommandant dieses Lagers.

Der aus dem lippischen Veldrom stammende Titho war schon früh, nämlich im Jahre 1932 der SS beigetreten und wurde schnell Funktionär der NSDAP-Ortsgruppe Feldrom.

Bevor er Lagerkommandant in Fossoli wurde war er Fahrer des SD-Chefs in den Niederlanden. In den Niederlanden hat er nachweislich zwei Verbrechen begangen:

- Im Konzentrationslager Vught hat er Lagerinsassen gefoltert.

- Im Polizei- und Durchgangslager Amersfoort war er an der Erschießung von mindestens 65 russischen Kriegsgefangenen beteiligt.

Im Jahre 1944/45 war Titho dann Kommandant des Lagers Fossoli, das Ende 1944 nach Bozen verlegt wurde. Aus dem Lager Fossoli wurden etwa ein Drittel aller italienischen Juden in die Vernichtungslager deportiert. Im Juni 1944 wurden 68 Gefangene des Lagers als sogenannte Vergeltungsmaßnahme wegen eines Partisanenangriffs auf Wehrmachtssoldaten erschossen.

Im Lager Fossoli und vor allem nach der Verlegung des Lagers nach Bozen wurde eine ganze Anzahl von Häftlingen auf verschiedene Weise zu Tode gequält und Titho war der verantwortliche Leiter des Lagers.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus ist Titho – wie die meisten der deutschen Täter – unbehelligt davon gekommen. Nur für die bereits erwähnten Taten in den Niederlanden ist er von einem holländischen Gericht zu insgesamt 7 Jahren Haft verurteilt worden.

Seit 1954 lebt Titho in Horn. Viele Hornerinnen und Horner wussten und wissen um seine Taten.

In den 1960er Jahren eröffnete die Dortmunder Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen ein Ermittlungsverfahren gegen die deutschen NS-Täter in Italien. Unter anderem gegen den kürzlich von einem italienischen Gericht verurteilten Priebke. Ermittelt wurde auch gegen Titho.

Man ermittelte und ermittelte, d.h. faktisch verschleppte und verschleppte und nach fast zehn Jahren der Untersuchungen stellte man in Dortmund die Ermittlungen gegen die an der "Endlösung der Judenfrage" beteiligten Täter ein. Die geradezu unglaubliche Begründung lautete, man habe ihnen nicht mit Sicherheit nachweisen können, dass sie von der Vernichtung der Juden gewusst hätten.

Bei genauerem Hinsehen kann diese Verfahrenseinstellung jedoch nicht mehr überraschen. Die ersten drei Leiter der Dortmunder Zentralstelle waren nämlich allesamt NS-Richter gewesen. Und diese hatten ihre alten Kameraden natürlich nicht verurteilt sehen wollen.

Tithos freche Lüge, er habe nicht gewusst, dass die Juden ermordet wurden, war aber selbst den „alten Kameraden“ zu durchsichtig und juristisch zu anfechtbar gewesen. Sie ließen sich zu seiner Entlastung etwas besonderes einfallen.

Sie sagten, Titho habe zwar davon gewusst, dass die aus Fossoli deportierten Juden ermordet werden sollten, jedoch hätte er vielleicht auch davon ausgehen können, dass ein baldiges Kriegsende die Ermordung verhindern werde. Allein diese gewagte Vermutung also, die beabsichtigten Mordtaten könnten durch das Eingreifen Dritter verhindert werden, ließen Titho straffrei ausgehen.

Juristisch wie moralisch: Eine unglaubliche Sauerei!

In der bundesrepublikanischen Realität jedoch: Kein ungewöhnlicher Umgang mit Nazi-Schergen.

Mann muss es deutlich sagen: Dieser juristische Umgang mit Titho ist keine Ausnahme.

Titho hatte all jene Rechtfertigungsphrasen aufgesagt, die die Nazi-Schergen immer wieder zu ihrer Verteidigung angeführt hatten und auch heute noch anführen:

Sie sagten und sagen:

- Sie sagen, sie hätten nicht gewusst, was mit den Juden passierte.

- Sie sagen, sie seien eigentlich nur kleine Rädchen in einer großen Maschine gewesen.

- Sie sagen, sie hätten nichts entscheiden können, hätten nur Befehle empfangen, die sie hätten ausführen müssen.

- Sie sagen, sie wären selbst an die Wand gestellt worden, wenn sie Befehle nicht ausgeführt hätten.

Es gibt keinen Grund diesen frechen Rechtfertigungslügen zu glauben!

Auch im Nationalsozialismus war niemand gezwungen

- wie Karl Friedrich Titho Menschen zu foltern,

- wie Karl Friedrich Titho russische Kriegsgefangene durch Genickschuss zu ermorden,

- wie Karl Friedrich Titho als Lagerkommandant an herausragender Stelle an der Deportation der italienischen Juden in die Gaskammern mitzuwirken.

Titho ist auch für seine Verbrechen in Italien zur Verantwortung zu ziehen.

Wir werden keine Ruhe geben, bis das geschehen ist.

Wir werden keine Ruhe geben, auch wenn Titho bereits ein alter Mann ist. – Er selbst hat sich offensichtlich auch nicht am Alter der aus „seinem“ Lager Deportierten gestoßen. So war die jüngste Deportierte eines Transportes von Fossoli in das KZ Bergen-Belsen vom Mai 1944 ein gerade mal 6 Wochen altes Mädchen. Sie hieß Gina Labi und war bereits in Fossoli geboren worden. Wie wäres es, wenn die Pfuhlstraße hier in Horn, wo der Täter jahrzehntelang ungestört leben konnte, nach diesem Mädchen benannt würde?

Wir fordern:

- Keine Ruhe für Nazi-Schergen!

- Auslieferung Tithos an Italien!

- Titho muss für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden!


agfossoli@freenet.de

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