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Gütersloher Volkszeitung / Die Glocke , 14.09.2013 :

Politisches bleibt einfach mal außen vor

Rietberg (bv). "Er wohnte mit 30 noch bei seiner Mutter, sie hielt ihn für einen Gott, und er machte aus dem kleinen Laden seines Vaters einen Global Player." Für Katharina Lustgarten drei nicht ganz ernst gemeinte Gründe, warum Jesus ganz gewiss Jude war.

Die stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bielefeld hat im Heimathaus die verschiedenen Aspekte des Judentums beleuchtet. Eingeladen hatte der Rietberger Heimatverein. Was aber macht das Judentum aus? Ist es nur eine Religion oder das Bewusstsein, ein gemeinsames Volk, eine Schicksalsgemeinschaft oder eben das auserwählte Volk zu sein? Die 45-Jährige glaubt an "ein bisschen was aus all diesen Zutaten". Typisch jüdisch sei für sie "die prickelnde Mischung aus Pragmatismus, eine sehr unromantische Weltsicht - die bestimmt mit der jahrhundertelangen Verfolgungsgeschichte zu tun hat - sowie ganz viel Seele und eine ordentliche Portion Humor und Selbstironie".

"Enorm vielfältig"

Mit seinen unterschiedlichen Strömungen sei das Judentum zudem enorm vielfältig. Die Ultraorthodoxie etwa - "in Europa leider zu einem Feindbild geworden, aber das Politische lassen wir an dieser Stelle mal weg" - stamme aus Osteuropa. Die typische Kleidung entspreche der polnischen Tracht des 17. Jahrhunderts. "Man muss schon sehr fromm sein, um in Israel im August einen Pelzhut zu tragen", sagt die studierte Germanistin und Judaistin, die nebenberuflich als Übersetzerin arbeitet. Bevor Katharina Lustgarten die Vortragstrilogie vor etwa 70 interessierten Zuhörern startete, verwies sie auf die nach ihren Worten beachtliche jüdische Geschichte in Rietberg und sprach daher gleichzeitig die Warnung aus: "Ich werde ganz viel nicht erzählen und ganz viel weglassen und überspringen, weil man es anders gar nicht machen kann." Im zweiten Themenschwerpunkt widmete sich die Referentin dem jüdischen Kalender mit seinen Festen und Feiertagen.

Liebe auf den ersten Blick

Katharina Lustgarten lebt mit ihrem Mann und den neunjährigen Zwillingen Rosa und Lilly seit sechs Jahren in Rietberg. Vor knapp drei Jahren hat die Familie aus Wiesbaden in der Emsstadt ein Eigenheim bezogen. "Ich habe zwar jüdische Vorfahren, bin aber nicht jüdisch geboren. Dieses Thema war in meiner Familie ein völliges Tabu", verrät sie im Gespräch mit der "Glocke". Erst als Teenager habe sie von ihren jüdischen Wurzeln erfahren und begonnen, sich mit dem Judentum auseinander zu setzen. Kurz darauf sei sie zum ersten Mal in Israel gewesen: "Es war Liebe auf den ersten Blick." Danach ist sie immer mal wieder dort hingeflogen. Nach der Heirat vor 14 Jahren ist sie zum Judentum konvertiert.

Bildunterschrift: Großes Interesse: Rund 70 Bürger waren ins Rietberger Heimathaus gekommen, um Katharina Lustgartens Vortrag zu hören.

14./15.09.2013
gt@die-glocke.de

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