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Neue Westfälische 07 - Gütersloh , 13.09.2013 :

"Das Politische lassen wir weg" / Start der Vortragstrilogie: Katharina Lustgarten referiert über das Judentum

Von Birgit Vredenburg

Rietberg. "Er wohnte mit 30 noch bei seiner Mutter, sie hielt ihn für einen Gott und er machte aus dem kleinen Laden seines Vaters einen Global Player." Für Katharina Lustgarten drei gute Gründe, warum Jesus ganz gewiss Jude war. Die stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bielefeld hat im Heimathaus die verschiedenen Aspekte des Judentums beleuchtet.

Eingeladen hatte der Rietberger Heimatverein. Was aber macht das Judentum aus? Ist es nur eine Religion, oder das Bewusstsein, ein gemeinsames Volk, eine Schicksalsgemeinschaft oder eben das auserwählte Volk zu sein? Die 45-Jährige glaubt an "ein bisschen was aus all diesen Zutaten".

Typisch jüdisch sei für sie "die prickelnde Mischung aus Pragmatismus, eine sehr unromantische Weltsicht - die bestimmt mit der jahrhundertelangen Verfolgungsgeschichte zu tun hat - ganz viel Seele und eine ordentliche Portion Humor und Selbstironie".

Mit seinen unterschiedlichen Strömungen sei das Judentum enorm vielfältig. Die Ultraorthodoxie etwa - "in Europa leider zu einem Feindbild geworden - aber das Politische lassen wir weg" - stamme aus Osteuropa. Die typische Kleidung entspreche der polnischen Tracht des 17. Jahrhunderts. "Man muss schon sehr fromm sein, um in Israel im August einen Pelzhut zu tragen", findet die studierte Germanistin und Judaistin, die nebenberuflich aus Übersetzerin arbeitet.

Bevor Katharina Lustgarten die Vortragstrilogie vor etwa 70 Zuhörern startete, verwies sie auf die "beachtliche jüdische Geschichte in Rietberg" und sprach gleichzeitig die "Warnung" aus: "Ich werde ganz viel nicht erzählen. Ich werde ganz viel weglassen und überspringen, weil man es anders gar nicht machen kann." Im zweiten Themenschwerpunkt widmete sie sich dem jüdischen Kalender mit seinen Festen und Feiertagen.

Katharina Lustgarten lebt mit ihrem Mann und den neunjährigen Zwillingen Rosa und Lilly seit sechs Jahren in Rietberg. Vor knapp drei Jahren hat die Familie aus Wiesbaden in der Emsstadt ein Eigenheim bezogen. "Ich habe zwar jüdische Vorfahren, bin aber nicht jüdisch geboren. Dieses Thema war in meiner Familie ein völliges Tabu", verrät sie der NW. Erst als Teenager habe sie von ihren Wurzeln erfahren und begonnen, sich mit dem Judentum auseinander zu setzen. Kurz darauf sei sie zum ersten Mal in Israel gewesen: "Es war Liebe auf den ersten Blick." Danach sei sie immer wieder hingeflogen. Als Studentin habe sie an der Uni ihren Mann kennen gelernt. Nach der Heirat vor 14 Jahren sei sie zum Judentum konvertiert.

Info / Weitere Termine

Im zweiten Vortrag am Mittwoch, 13. November, beschäftigt sich Lustgarten mit der Geschichte der Juden in Deutschland bis 1933.

Anfang 2014 endet die Reihe mit einem Blick auf die religiös geprägten Stationen, die ein typisches jüdisches Leben "von der Wiege bis zur Bahre" durchläuft.

Abschließend ist die Besichtigung der neuen Synagoge in Bielefeld, Beit Tikwa, geplant.

Bildunterschrift: Wohnt in Rietberg: Katharina Lustgarten, Mitglied der Jüdischen Gemeinde Bielefeld, beleuchtet in einer Vortragsreihe die vielen Facetten des Judentums.

Bildunterschrift: Interesse: Die Vortragsreihe über das Judentum lockt mehr als 70 Zuhörer ins Heimathaus.


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