Veranstaltungen / Nachrichten ,
20.09.2010 :
Tages-Chronologie von Montag, 20. September 2010
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Veranstaltungskalender:
Montag, 20. September 2010 von 14.00 bis 16.00 Uhr:
Antifa-Cafe der Antifa-AG an der Universität Bielefeld - www.antifaagbi.blogsport.de
Veranstaltungsort:
Universität
Universitätsstraße 25
AG-Raum auf der AStA-Galerie (C1-166)
33615 Bielefeld
www.uni-bielefeld.de
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Montag, 20. September 2010 von 18.00 bis 21.00 Uhr:
Antifa-Cafe im Infoladen Anschlag
Veranstaltungsort:
AJZ Bielefeld
Heeper Straße 132
33607 Bielefeld
Diskutieren, lesen, Filme und Veranstaltungen bei Kaffee-Spezialitäten und Knabberei.
Internet: www.ajz-bielefeld.de - www.infoladen-anschlag.de
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Montag, 20. September 2010 um 19.00 Uhr:
Vortrag von Gertrud Wagner: Litauen - christlich-jüdische Begegnungen in einem geschundenen Land
Veranstaltungsort:
Martin-Luther-Kirche
Gemeindehaus
Schülerstraße 14
32756 Detmold
Still und nachdenklich kehrten 18 TeilnehmerInnen der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe am Donnerstag nach Ostern in ihre Heimatorte zurück. Vor unseren Augen hatten wir noch die Bilder der wunderbaren Städte Vilnius und Riga mit ihrer alten Kultur.
Daneben schieben sich allerdings Bilder des Schreckens.
Es sind Orte wie Paneriai oder das 9. Fort in Kaunas, an denen Tausende von Juden durch deutsche Besatzer und mit der Unterstützung williger einheimischer Helfershelfer erschossen wurden.
In unseren Ohren klingen noch immer die Lebensgeschichten, die Überlebende uns erzählt haben, so zum Beispiel Fania Braucouskaja, eine 88-jährige jüdische Partisanin, die uns mit Berichten in jiddischer Sprache durch das ehemalige Vilnaer Ghetto führte. Auch heute hat sie wieder mit antisemitischen Anfeindungen zu kämpfen. Bei einem Besuch in der Deutschen Botschaft erfuhren wir, dass Bundespräsident Horst Köhler sie durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, wozu er persönlich anreiste, unterstützt.
Auch Juliane Zarchis Geschichte haben wir noch im Ohr. Ihr Vater war zuletzt in Kaunas als jüdischer Journalist tätig und wurde von den Deutschen erschossen, wo, ist nicht bekannt. Ihre Mutter, eine gebürtige Düsseldorferin, denkt: Mir und dem Kind (Juliane) wird unter den Deutschen nichts passieren, ich komme ja aus Düsseldorf. Doch sie kann sich nur durch Verstecken retten. Ihr Kind, die dreijährige Juliane, kommt ins Ghetto, kann aber zum Glück herausgeschmuggelt werden. Nach dem Abzug der Deutschen kehrt die Rote Armee zurück und Mutter und Tochter werden wie etwa ein Viertel aller Litauer unter Stalin verschleppt, Juliane und ihre Mutter verschlägt es nach Tadschikistan. Sie kommen nach 16 Jahren zurück nach Kaunas. Noch heute sucht Juliane auf allen Fotos von erhängten oder erschossenen Juden nach dem Gesicht ihres Vaters, den sie kaum gekannt hat.
Im Tolerance Center in Vilnius zeigte uns der Leiter Markas Zingeris. ein in Litauen bekannter Schriftsteller, eine bewegende Ausstellung über Kinder im Ghetto. Diese Ausstellung, die unter anderem auch mit finanzieller Unterstützung durch unsere "Gesellschaft" zustande kam, ist einer der bisher wenigen Versuche, die Erinnerung an die Vernichtung der Litauer Juden wach zu halten.
Aber nicht nur jüdisches Leben hat uns auf dieser Reise beschäftigt. Wir trafen uns auch mit Vertretern der Evangelisch Reformierten Minderheit in Litauen. Sowohl in Vilnius wie auch in Birzai, dem Zentrum der Reformierten im Norden, hörten wir von der Präsidentin der Synode und vom Generalsuperintendenten Rimas Mikolauskas, wie trotz aller Schwierigkeiten ein zartes Pflänzchen des Vertrauens zwischen jüdischen und reformierten Gemeinden wächst. Beide befinden sich in ähnlichen Minderheitspositionen.
So kam uns bei dem Besuch des großen, verfallenen jüdischen Friedhofs in Birzai die Idee eines Projekts: Ein Sommerlager 50+, wie wir es von Aktion Sühnezeichen kennen, um den jüdischen Friedhof vor dem Verfall zu retten. Dies könnte ein Gemeinschaftsprojekt der Lippischen Landeskirche und ihrer Partnerkirche in Litauen werden!
Erfreut waren wir auch über den spontanen Beschluss des Superintendenten Mikolauskas und seines Kirchenvorstands, je einen Sonntagsgottesdienst im Jahr den vergessenen jüdischen Geschwistern zu widmen.
Nicht zuletzt sei Pfarrer Erhard Mische aus Bremen gedankt. Er ist Beauftragter des Reformierten Bundes für die kleine Litauische Reformierte Kirche. Er hat für uns das dichte Programm mit den vielen Begegnungen vorbereitet.
Am Ostersonntag erzählte er in einem zweistündigen Gottesdienst in der reformierten Kathedrale von Kedainiai eine Geschichte von Ignaz Bubis, die die Eindrücke dieser Reise gut zusammenfasst:
Nach dem Holocaust treffen sich überlebende Rabbiner und diskutieren die ganze Nacht die Frage: "Wie konnte Gott das zulassen?"
Sie kommen zu dem Ergebnis: "Es gibt keinen Gott."
Nach den langen Nachtstunden tritt schließlich einer der Teilnehmer ans Fenster und sieht die anbrechende Morgenröte. Da öffnet er das Fenster und sagt: "Lasst uns aufbrechen zum Morgengebet!"
Eine Veranstaltung der der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.
Internet: www.r-schleysing.de
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Montag, 20. September 2010 um 19.00 Uhr:
Treffen der Rabatz-Gruppe - www.rabatz.org
Veranstaltungsort:
BDP-Infoladen
Leostraße 75
33098 Paderborn
www.infoladenpaderborn.blogsport.de
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Montag, 20. September 2010 um 19.30 Uhr:
Konzert: "Balalaika kann mehr als Kalinka"
Veranstaltungsort:
Jüdische Kultusgemeinde
Pipinstraße 32
33098 Paderborn
Die Jüdische Kultusgemeinde Paderborn lädt zu einem Konzert mit jüdischer und russischer Folklore sowie Klassik und lateinamerikanischer Musik in der Synagoge in der Pipinstraße. Unter dem Motto "Balalaika kann mehr als Kalinka" gastieren das Transatlantic-Duo aus Alexander Paperny (Balalaika/Deutschland) und Vladimir Fridman-Gitarre (Gesang/USA). Der Eintritt ist frei, Spenden werden aber erbeten.
Das Konzert wird unterstützt durch den Zentralrat der Juden in Deutschland. Paperny stammt aus Moskau, Fridman aus Washington. Beide spielen seit 2004 zusammen, so auch mit dem American Balalaika Symphony Orchestra im Kennedy Center (Washington, USA).
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Montag, 20. September 2010 um 19.30 Uhr:
Treffen des Antifaschistischen Arbeitskreises Detmold
Veranstaltungsort:
Fahrradbüro
Richthofenstraße 14.
32756 Detmold
www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-lippe/geschaeftsstelle.html
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Montag, 20. September 2010 um 20.30 Uhr:
Treffen der Büren-Gruppe Paderborn - www.aha-bueren.de
Veranstaltungsort:
BDP-Infoladen
Leostraße 75
33098 Paderborn
www.infoladenpaderborn.blogsport.de
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Montag, 20. September 2010
Hessisch Oldendorf: Holocaust-Überlebende Kitty Hart-Moxon berichtete über Auschwitz
Hessisch Oldendorf. Kitty Hart-Moxon, polnische Holocaust-Überlebende, berichtete vor Zehntklässler der Wilhelm-Busch-Realschule über ihre Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, in dem sie zwei Jahre überlebte. Kurz nach ihrer Befreiung durch amerikanische Soldaten im April 1945 zog sie zusammen mit ihrer Mutter nach England. Dort heiratete sie und widmete ihr Leben der Aufklärung über die Shoa.
Herford: Gedenken an Wilhelm-Oberhaus zum 68. Todestag
Schülerinnen und Schüler der 4a und 4c der katholischen Bekenntnisschule Wilhelm-Oberhaus-Schule haben heute, anlässlich des 68. Todestages ihres Namenspatrons, Blumen und Krerzen am Grab von Wilhelm Oberhaus auf dem Alten Friedhof nieder gelegt. Der katholische Priester Wilhelm Oberhaus wurde wegen einer Predigt am 4. Mai 1935, in der er sagte: "Die Kinder, liebe Eltern, gehören euch nach Gott; erst dann dem Staat!" im Jahre 1936 verhaftet. Am 7. Februar 1936 wurde er wegen "eines Vergehens gegen § 2 des Heimtückegesetzes" angeklagt und zu 5 Monaten Haft verurteilt. Weil er er einem BDM-Mädel eine Ohrfeige gab wurde er am 13. Februar 1941 erneut verhaftet und wegen "Körperverletzung" zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Strafende am 26. August 1941 blieb er auf Veranlassung der Gestapo in Schutzhaft und wurde schließlich am 10. Oktober 1941 mit der Häftlingsnummer 27.826 ins Konzentrationslager Dachau überführt. Er starb am 20. September 1942 an Hunger und nicht behandelten Phlegmonen am rechten Unterschenkel. Unter großer Anteilnahme vieler Menschen aus Herford wurden die Überreste des Verstorbenen am 24. Oktober 1942 auf dem Herforder Friedhof unter Beteiligung des Paderborner Generalvikars Rentelen beigesetzt. Die Beerdigung glich einer Protestversammlung gegen das nationalsozialistische Unrecht.
Detmold: Christlich-jüdische Begegnungen in einem geschundenen Land - Reisebericht aus Litauen
Zu einem Reisebericht über Litauen - "christlich-jüdische Begegnungen in einem geschundenen Land" - lädt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe heute ein. Vorgetragen wird unter anderem über Lebensgeschichten von jüdischen Holocaust-Überlebenden, die heute wieder mit antisemitischen Anfeindungen zu kämpfen haben.
Detmold-Berlebeck: "Adler auf der Hitlerhöhe" - "Kommentierung in angemessener Form"
Die Broschüre "Adler auf der Hitlerhöhe" von David Motadel soll künftig doch auf der Adlerwarte verkauft werden, allerdings nicht unkommentiert, berichtet heute Radio Lippe. Das 2008 veröffentlichte Buch des aus Detmold stammenden Cambridge-Historiker David Motadel befasst sich mit der Geschichte der Adlerwarte, wurde aber bisher dort nicht zum Kauf angeboten. Fachbereichsleiter Jürgen Grimm von der Detmolder Stadtverwaltung geht davon aus, dass der Titel "Hitlerhöhe" einen unangenehmen Eindruck hinterlasse - "vor allem bei ausländischen Gästen", berichtete die Lippische Landes-Zeitung am 2. September. Dieser kruden Argumentation hatte sich auch das Aktionsbündnis "Berlebeck gegen Rechts" angeschlossen: In einem Schreiben vom 13. September an Bürgermeister Rainer Heller wurde das Vorhaben sogar als ein "für alle, die sich im Aktionsbündnis gegen Rechts engagieren, ... fester Schlag ins Gesicht" bezeichnet. Am 14. September hatte sich der Ausschuss für Kultur, Tourismus und Marketing im Rat der Stadt Detmold dafür ausgesprochen, dass das Buch zur NS-Vergangenheit der Adlerwarte künftig mit einer "Kommentierung in angemessener Form" - etwa unter Verweis darauf, dass es sich um eine historische Abhandlung handelt - auf der Adlerwarte verkauft werden kann. Rückblick: Am 12. Juli 2009 feierte die Adlerwarte Berlebeck ihren 70. Geburtstag, ohne dass der Nationalsozialismus und die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF) bei den Festrednern wie Bürgermeister Rainer Heller mit einer Silbe erwähnt wurden. Im August 2006 besuchte die Heimattreue Deutsche Jugend unter Führung des Berlebeckers Gerd Ulrich von der HDJ-"Einheit Hermannsland" vom nahen Zeltlager in Fromhausen aus mit über 60 Personen in voller HDJ-Kluft die Adlerwarte. Das Personal der Warte, das Aktionsbündnis "Berlebeck gegen Rechts", die Detmolder Verwaltung und die Polizei schritten nicht ein.
Werther: Jüdisches leben und die Synagoge
Im Rahmen der Wanderausstellung "9.11.1938. Reichspogromnacht in OWL" und der Ergänzungsausstellung "Spuren. Jüdisches Leben in Werther", die vom 16. September bis 10. Oktober 2010 in der Begegnungsstätte Haus Werther präsentiert wird, findet am 21. September ein Vortrag über jüdisches Leben in Werther und die Synagoge statt.
Schloß Holte-Stukenbrock: Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326
Schloß Holte-Stukenbrock. Seit vielen Jahren arbeitet der Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326 daran, die Geschichte der Kriegsgefangenen und Zwangsverschleppten aufzuarbeiten. Ehrenamtlich. Immer wieder sind Versuche gescheitert, die Arbeit auf sichere finanzielle Beine zu stellen. Jetzt will der Vorstand mit der Hilfe von Europaparlamentarier Elmar Brok sowie bundes- und landespolitischer Vertreter einen neuen Versuch starten.
Bielefeld: Treffen der "Heimatgemeinschaft Wansen"
Bielefeld. Am 18. September fand das "64. Heimattreffen" der "Heimatgemeinschaft Wansen" im Restaurant Fichtenhof statt. Zitat aus dem Bielefelder Tageblatt: "Die Anwesenden bewahren mit diesen Stunden Erinnerungen an die schlesische Heimat: Am 7. August 1946 mussten auf polnischen Befehl die noch in der Stadt lebenden deutschen Bewohner, rund 1.850, ihren Ort Wansen verlassen. Die Vertriebenen haben ihre zweite Heimat unter anderem in Bielefeld gefunden." Seit 1956 verbindet Bielefeld mit Wansen eine Patenschaft.
Stadthagen: "Rechtsextremismus bei Jugendlichen - wie ist zu reagieren?"
Stadthagen. Im Anschluss an einen Vortrages von Prof. Dr. Hartmut Griese, Ausländerbeauftragter (Psychologie) der Leibniz Universität Hannover, unter dem Titel "Rechtsextremismus bei Jugendlichen - wie ist zu reagieren?" haben sich zahlreiche Interessierte an der Diskussion beteiligt. Die Veranstaltung am 17. September war vom Schaumburger Mosaik - "Multikultureller Verein" organisiert worden.
Detmold: Vortrag und Ausstellung über die Situation von Flüchtlingen
Zu einem Vortrag und eine Ausstellung über Situation von Flüchtlingen an den europäischen Außengrenzen und die Grenzschutzagentur Frontex, lädt die Kulturinitiative Detmold am 22. September in ihr Vereinshaus ein.
Kreis Gütersloh: Flüchtlinge müssen eigene Abschiebung bezahlen
Flüchtlinge im Kreis Gütersloh müssen für die Kosten ihrer Abschiebung zahlen. Das berichte Dr. Wolfgang Schwentker, Leiter der Abteilung Ordnung in der Kreisverwaltung heute in der Sitzung des Kreisausschusses. Es handele sich um Reisekosten, Verwaltungskosten, die Kosten für ärztliche Gutachten oder die Identifizierung, die den betroffenen Personen in Rechnung gestellt werde, zur Zeit gebe es 25 Fälle dieser Art, so Dr. Schwentker.
Augustdorf: Gelöbnis bei Generalfeldmarschall-Rommel
Augustdorf. 304 Rekruten haben am 17. September in der nach einem "Wegbereiter des Holocaust" (Guido Knopp) benannten "General-Feldmarschall-Rommel-Kaserne" ein Gelöbnis abgelegt. Gastredner Dr. Reiner Austermann, Bürgermeister der Stadt Lemgo, die die Patenschaft für das "Panzergrenadierbataillon 212" inne hat, forderte die Soldaten dazu auf, "mit Stolz und Selbstbewusstsein auf diesen Tag zu blicken", berichtet die Lippische Landes-Zeitung heute.
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Deister- und Weserzeitung, 20.09.2010:
Manchmal erlebten die Freunde den nächsten Tag nicht mehr
Schaumburger Zeitung, 20.09.2010:
"Ich habe gesehen, was da passiert ist"
Radio Lippe, 20.09.2010:
Bedenken zerstreut
WDR-Nachrichten aus Ostwestfalen-Lippe, 20.09.2010:
Wertheraner erforschen jüdische Geschichte
Zeitung für Werther / Westfalen-Blatt, 20.09.2010:
Vortrag zur Ausstellung
Bielefelder Tageblatt (OH) / Neue Westfälische, 20.09.2010:
Aktive europäische Erinnerung / Förderverein wünscht sich finanziellen Grundstock für die Geschichts-Darstellung
Bielefelder Tageblatt (OH) / Neue Westfälische, 20.09.2010:
Polen und Deutsche sind gute Freunde / Treffen der Heimatgemeinschaft Wansen
Schaumburger Zeitung, 20.09.2010:
Neonazis kommen aus der Mitte der Gesellschaft
Lippische Landes-Zeitung, 20.09.2010:
Die Lage an Europas Grenzen / Vortrag zur Agentur Frontex in der "Pauline"
Lippische Landes-Zeitung, 20.09.2010:
Austermann lobt Soldaten / Gelöbnis in Augustdorf
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Deister- und Weserzeitung, 20.09.2010:
Manchmal erlebten die Freunde den nächsten Tag nicht mehr
Hessisch Oldendorf (ah). Mehr als zwei Stunden hören die Zehntklässler der Wilhelm-Busch-Realschule Kitty Hart-Moxon gebannt zu, begleiten sie auf ihrer Odyssee, erleben einen Geschichtsunterricht zum Thema Auschwitz, der Seltenheitswert hat. Am Ende bleiben Fragen wie: "Haben Sie dort auch eine beste Freundin gehabt?"
Die Antwort der ehemaligen Zwangsarbeiterin folgt sofort: "Allein konnte man nicht überleben, wir bildeten kleine Familien, aber es konnte sein, dass die Freunde schon am nächsten Tag nicht mehr am Leben waren." Eine weitere Frage lautet: "Haben Sie sich manchmal gewünscht zu sterben?" "Dieses Gefühl hatte ich immer wieder", gesteht Kitty Hart-Moxon. Schulleiter Ottmar Framke hebt die Bedeutung der Zeitzeugin hervor, "damit das, was in Auschwitz passiert ist, nicht in Vergessenheit gerät."
Zum Abschied gibt sie den Schülern mit auf den Weg: "Es geht nicht nur darum, was war, sondern auch darum, was sein wird. Wir alle müssen aufpassen, dass so etwas nie wieder passiert."
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Schaumburger Zeitung, 20.09.2010:
"Ich habe gesehen, was da passiert ist"
Von Annette Hensel
Hessisch Oldendorf. Auschwitz - der Name steht für unvorstellbares Leid, für Massenmord am jüdischen Volk. Die wenigsten, die dorthin gebracht wurden, haben überlebt, viele Zeitzeugen sind verstorben oder behalten ihre quälenden Erinnerungen für sich. Nicht so Kitty Hart-Moxon: Die gebürtige Polin, eine Jüdin Jahrgang 1927, sieht es als Verpflichtung an, ihren Alltag im Ghetto, den Kampf ums Überleben, das Morden der Nationalsozialisten in die Öffentlichkeit zu tragen. Mit Filmen, ihrem Buch "Return to Auschwitz" und Besuchen in Bildungsstätten wie der Wilhelm-Busch-Realschule erreicht die Zeitzeugin auch jene, die nicht viel wissen von den Jahren vor 1945. Sie betont: "Es geht nicht nur darum, was war, sondern auch darum, was sein wird. Wir alle müssen aufpassen, dass so etwas nie wieder passiert."
Kitty Hart-Moxon wächst im polnisch-deutsch-tschechischen Grenzgebiet unweit von Auschwitz auf, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Schnell ist der Süden Polens von der deutschen Armee besetzt, Einsatzgruppen, bewaffnete Polizisten "sortieren" die Bevölkerung. Juden müssen in das Lubliner Ghetto umziehen. Dort wird die Zwölfjährige Augenzeugin, wie Einsatzgruppen in Häuser einbrechen, alles zerstören, Menschen aus dem Fenster schmeißen; manche verschwinden für immer. Unter Lebensgefahr schleicht das Mädchen durch das Kanalsystem auf die nicht-jüdische Seite Lublins, tauscht alles, was die Familie noch besitzt, gegen Lebensmittel.
Als alle Ghettos gesperrt werden, beschließt die Familie zu fliehen. Im zweiten Anlauf gelingt Kittys Familie die Flucht zu Fuß durch Felder und Wälder, bis sie ein Dorf mit einer jüdischen Gemeinde erreicht. Täglich wird dort kontrolliert, Kleider, Schuhe, Lebensmittel müssen herausgegeben werden. 43.000 Leute sind in Lublin getötet worden, heißt es im Dorf. Kitty und ihre Eltern ziehen weiter, verstecken sich wochenlang in einem schwer zu durchdringenden Wald, ernähren sich von Beeren und Pilzen. Bei ihrer Rückkehr ist niemand mehr am Leben. Sie gehen zurück nach Lublin, wo Kittys Vater nicht-jüdische Dokumente besorgen kann. Vorsichtshalber trennt sich die Familie; Kitty sieht ihren Vater nie wieder. Mutter und Tochter, auf den gefälschten Ausweisen nicht miteinander verwandt, mischen sich unter Polen, die als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt werden. In Bitterfeld werden sie entlarvt, von der Gestapo befragt, angeklagt und als illegale Juden in Deutschland zum Tode verurteilt. In Einzelzellen in Halle warten sie auf die Vollstreckung, doch das Todesurteil wird in lebenslange Zwangsarbeit in Auschwitz umgewandelt. Der Weg dorthin führt über Gefängnisse in Leipzig und Dresden, Häftlinge haben an die Wände geschrieben: "Wir gehen nach Auschwitz, da kommt keiner weg."
1943 erreichen Kitty und ihre Mutter Auschwitz: Die Umzäunung steht unter Hochspannung, jeder Häftling wird tätowiert, niemandem kann die Flucht gelingen. Die mittlerweile 15-Jährige wird als Zwangsarbeiterin dem Vernichtungslager zugeteilt, sortiert im Block "Kanada" nachts mit 400 Frauen Berge von Gepäckstücken. "Ich habe gesehen, was da passiert ist", sagt Kitty Hart-Moxon ernst und erzählt: "In Viehwaggons, in denen sie ohne Licht und Toilette eingesperrt waren, gelangten die Menschen nach Auschwitz. Familien wurden getrennt, nur die Jüngeren kamen ins Lager, die Älteren sofort in die Gaskammer." Ihr Hab und Gut bringen Zwangsarbeiter auf Karren zum Sortieren. Schon bald weiß Kitty, was es bedeutet, wenn Neuankömmlinge in den Baracken verschwinden und Rauch aufsteigt. "Am Ende bleibt nur Asche", erklärt sie. Als das Lager im September 1944 evakuiert wird, weil die Russen vorrücken, werden Häftlinge wie Kitty und ihre Mutter in eine ostdeutsche Elektrofabrik geschickt. Am 18. Februar 1945 beginnt ihr so genannter Todesmarsch durch das gebirgige Sudetenland. "Barfuß bin ich im Winter durch Wälder und auf Berge gezogen, wir schliefen im Schnee, hatten kein Essen, wer hinten blieb, wurde erschossen", erinnert sich die heute 83-Jährige an die sechs schwersten Monate ihres Lebens. Sie werden nach Porta Westfalica transportiert, arbeiten erneut in einer Elektrofabrik unter Tage. Als die Alliierten auf dem Vormarsch sind, werden die Zwangsarbeiter in überfüllten, verriegelten, luftdichten Waggons nach Bergen Belsen gebracht, viele ersticken im Dunkeln, Kitty kann ein Luftloch ins Holz ritzen. In Salzwedel werden sie endlich befreit.
In den 70er Jahren kehrt Kitty Hart-Moxon nach Auschwitz zurück, dreht einen Dokumentarfilm. Sie erzählt "vom größten Problem", den katastrophalen hygienischen Verhältnissen in ihrer nachts abgesperrten Baracke, in der sich acht Frauen "wie die Sardinen" eine Schlafkoje teilen, es keine Toilette und kein Wasser gibt. Ihre Essschüssel verwendet sie zugleich als Klo. Mit der Aussage: "Ein Jahr lang habe ich meine Kleidung nicht ausgezogen - sie wäre sofort weg gewesen", macht sie das Ausmaß an Demütigungen deutlich. Asche und Knochensplitter vor Ort weisen auf unsagbares Leid hin. "Die Leute, die hierher gebracht wurden, haben davon nichts gewusst", erzählt sie und fügt hinzu: "Auschwitz war meine Universität, alles, was ich hier erlebt habe, hat Bedeutung."
Gebannt hören die Zehntklässler der Wilhelm-Busch-Realschule Kitty Hart-Moxon zu, begleiten sie auf ihrer Odyssee, erleben einen Geschichtsunterricht, der Seltenheitswert hat. Am Ende bleiben Fragen wie: "Haben Sie in Auschwitz auch eine beste Freundin gehabt?" Die Antwort folgt sofort: "Allein konnte man nicht überleben, wir bildeten kleine Familien, aber es konnte sein, dass die Freunde schon am nächsten Tag nicht mehr am Leben waren." Eine weitere Frage lautet: "Haben Sie sich manchmal gewünscht zu sterben?" "Dieses Gefühl hatte ich immer wieder", gesteht Kitty Hart-Moxon. Schulleiter Ottmar Framke hebt die Bedeutung des Besuches der Zeitzeugin hervor, die Auschwitz im Alter der Zehntklässler erlebt hat, "damit das, was passiert ist, nicht in Vergessenheit gerät".
Bildunterschrift: Kitty Hart-Moxon in einer Toilettenbaracke in Auschwitz bei einem Besuch in den 70er Jahren.
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Radio Lippe, 20.09.2010:
Bedenken zerstreut
Das Buch "Adler auf der Hitlerhöhe" soll weiterhin an der Adlerwarte verkauft werden. Allerdings soll es nicht mehr so plakativ zur Schau gestellt werden.
Der Detmolder Ausschuss für Kultur, Tourismus und Marketing hat sich dafür ausgesprochen, dass das Buch zur NS-Vergangenheit der Adlerwarte künftig in einem Kasten stehen soll. Der soll die Aufschrift Literatur zur Adlerwarte tragen, so dass die Broschüre nicht in die Irre führen kann. Genau das hatte die Stadt nämlich befürchtet. Besucher könnten an Hand des Titels meinen, dass die Adlerwarte immer noch Hitlerhöhe heißt. Am Inhalt des recherchierten Buches stört sich die Stadt nicht.
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WDR-Nachrichten aus Ostwestfalen-Lippe, 20.09.2010:
Wertheraner erforschen jüdische Geschichte
In Werther im Kreis Gütersloh hat ein Arbeitskreis die jüdische Geschichte der Stadt aufgearbeitet. Rund 30 Bürger haben Zeitzeugen interviewt und den alten jüdischen Friedhof dokumentiert. Außerdem haben sie Bilder und Texte zu traditionsreichen jüdischen Familien gesammelt. Eigens ausgebildete Schüler führen Gruppen durch die Ausstellung im Haus Werther.
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Zeitung für Werther / Westfalen-Blatt, 20.09.2010:
Vortrag zur Ausstellung
Werther (sta). Einen Vortrag über jüdisches Leben in Werther und die Synagoge gibt es morgen, 21. September, um 15 Uhr im Haus Tiefenstraße. Es sprechen der Autor des Buches "Juden in Werther", Dr. Volker Beckmann und Heimatforscher Ulrich Maaß. Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms der Wanderausstellung "9.11.1938 - Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe" und der lokalen Zusatzausstellung "Spuren jüdischen Lebens in Werther". Der Eintritt ist frei.
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Bielefelder Tageblatt (OH) / Neue Westfälische, 20.09.2010:
Aktive europäische Erinnerung / Förderverein wünscht sich finanziellen Grundstock für die Geschichts-Darstellung
Schloß Holte-Stukenbrock (kap). Seit vielen Jahren arbeitet der Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326 daran, die Geschichte der Kriegsgefangenen und Zwangsverschleppten aufzuarbeiten. Ehrenamtlich. Immer wieder sind Versuche gescheitert, die Arbeit auf sichere finanzielle Beine zu stellen. Jetzt will der Vorstand mit der Hilfe von Europaparlamentarier Elmar Brok sowie bundes- und landespolitischer Vertreter einen neuen Versuch starten.
Elmar Brok hatte sich bereits schlau gemacht, als er am frühen Samstagmorgen in die Ausstellungsräume im ehemaligen Arrestgebäude kam. Fündig geworden war er beim Programm "Europa für Bürgerinnen und Bürger" und hier insbesondere bei der "Aktion 4 - Aktive europäische Erinnerung".
Im Rahmen dieser Aktion würden zum einen Projekte zum Erhalt der wichtigsten mit Massendeportation in Verbindung stehende Stätten und Denkmäler, zum anderen Projekte zum Gedenken an die Opfer von Massenvernichtung und Massendeportation sowie zur Erhaltung der Gedenkstätten und Archive unterstützt, erläuterte Brok und schlussfolgerte: "Beides trifft hier zu."
Lange hatte es von Seiten der Politik Berührungsängste gegeben, wurde die Verantwortung zwischen Stadt, Land und Bund hin- und hergeschoben. "Man hat die Verantwortung nicht gesehen", bestätigte Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, stellte aber auch klar, dass "die anfängliche Zurückhaltung mittlerweile vorbei" ist. "Auch, wenn die finanzielle Unterstützung nicht so ist, wie sich das Stalag das vorstellt."
In der Tat wünscht sich der Förderverein einen sicheren finanziellen Grundstock. "Die ganze Geschichte muss dargestellt werden", betonte Oliver Nickel. Sie sei ein wichtiger Teil der deutschen Historie. Neben dem Kriegsgefangen- und Internierungslager möchte der Historiker auch das Sozialwerk mit einbeziehen. "Viele Besucher kommen gerade deshalb hierher", berichtete Brigitte Barz vom großen Interesse ehemaliger Bewohner und deren Familien. Auch Elmar Broks Schwiegereltern und seine Frau hatten eine Zeitlang im Sozialwerk gelebt.
Auf der Suche nach zusätzlichen Räumen für weitere Ausstellungen könnte sich eine Lösung abzeichnen. Um den Standort der Polizeischule zu sichern, will die Polizei investieren. Die denkmalgeschützte ehemalige Entlausungsstation, in der momentan Werkstätten untergebracht sind, könnte der Förderverein übernehmen. "Finanziell ist das für uns allerdings nicht zu schultern", stellte Oliver Nickel klar. Auch sei die Baustruktur nicht eben günstig. "Wir haben alternativ über das Nachbargebäude nachgedacht."
CDU-Landtagsabgeordneter Dr. Michael Brinkmeier bestätigte, dass es einen großen Konsens gebe, die Dinge voranzutreiben. "Ein Gelände von dieser Bedeutung ist in Nordrhein-Westfalen einzigartig." Die Zeit nach dem Krieg hinzuzufügen, mache einen weiteren besonderen Aspekt aus. "Man hätte dann eine Geschichtslinie über mehrere Jahrzehnte." Zunächst aber muss ein finanzstarker Partner her. Brinkmeier und die CDU-Landtagsabgeordnete Ursula Doppmeier könnten sich vorstellen, dass der im Stiftungsbereich zu finden ist. Brinkmeier will aber auch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes kontaktieren. Manfred Büngener kündigte an, dass es am 17. November außerdem ein Treffen mit dem Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann in der Dokumentationsstätte geben werde.
Bildunterschrift: Wollen sich kümmern: Oliver Nickel (l.) und Manfred Büngener (r.) hoffen auf die Unterstützung von Elmar Brok, Ursula Doppmeier, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr und Dr. Michael Brinkmeier (v. l.), die sich zu einem Gespräch in den Räumen der Dokumentationsstätte getroffen haben.
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Bielefelder Tageblatt (OH) / Neue Westfälische, 20.09.2010:
Polen und Deutsche sind gute Freunde / Treffen der Heimatgemeinschaft Wansen
Bielefeld (wika). "Auch in der Fremde kann man Heimat finden", betonte Bürgermeister Detlef Helling in seiner Begrüßungsrede beim 64. Heimattreffen der Wansener jetzt in Bielefeld. Seit 1956 verbindet Bielefeld mit Wansen eine Patenschaft. Am Samstag trafen sich die Mitglieder der Heimatgemeinschaft im Restaurant Fichtenhof. Die Anwesenden bewahren mit diesen Stunden Erinnerungen an die schlesische Heimat: Am 7. August 1946 mussten auf polnischen Befehl die noch in der Stadt lebenden deutschen Bewohner, rund 1.850, ihren Ort Wansen verlassen. Die Vertriebenen haben ihre zweite Heimat unter anderem in Bielefeld gefunden.
"Das Verständnis der eigenen Kultur ist ein Schlüssel zur Identität. Wir als Heimatvertriebene in Westdeutschland sind, ohne unsere Vergangenheit aufzugeben, ein wesentlicher Teil dieser Gesellschaft geworden und haben dennoch unser Bewusstsein bewahrt und gepflegt", sagte Manfred Endreß, Vorsitzender der Heimatgemeinschaft. Er freute sich über die Reise dreier Vorstandsmitglieder der Heimatgemeinschaft nach Wansen, der heutigen Stadt Wiazow. Sie waren vor zwei Wochen bei der Eröffnung des neugebauten Kindergartens und der umgestalteten Grundschule dabei. "Auch im Juni waren wir zu Gast beim Stadtfest in Wiazow. Dr. Szklarz, ehemaliger Bürgermeister, wurde mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Er war der erste polnische Bürgermeister, der Kontakt zur Heimatgemeinschaft suchte."
Auch bei dem Heimattreff in Bielefeld waren polnische Gäste anwesend. Ewa Schütterly, Vorsitzende des Stadt- und Gemeinderats in Wansen, Barbara Ewa Wyka, Direktorin des Kulturhauses, und die Stellvertretende Direktorin der Schule und Deutschlehrerin Elzbieta Zulawinska sind gekommen. "Der Vorstand der Heimatgemeinschaft Wansen wird alles tun, damit die guten Beziehungen zwischen der Stadt Wiazow und den ehemaligen Bewohnern der Stadt Wansen bestehen bleiben", sagte Gabriele Stumpf.
Bildunterschrift: Polnische Gäste: Die Heimatgemeinschaft begrüßte Ewa Schütterly, Barbara Ewa Wyka , Piotr Schütterly und Elzbieta Zulawinska (vordere Reihen, 2. bis 5. von links). Detlef Helling (rechts) lobte die kulturelle Arbeit des Vorsitzenden Manfred Endreß und seines Teams.
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Schaumburger Zeitung, 20.09.2010:
Neonazis kommen aus der Mitte der Gesellschaft
Landkreis (aw). Zahlreiche Interessierte haben am Freitagabend in Stadthagen über das Thema Rechtsextremismus bei Jugendlichen diskutiert. Zu der Veranstaltung im Gasthaus Bruns hatte der Verein "Schaumburger Mosaik" eingeladen.
In einem Vortrag kritisierte Professor Hartmut Griese von der Universität Hannover, dass die Politik bei Rechtsextremismus nur halbherzig reagiere und das Problem rein pädagogisch angehe. "Es wird nicht nach gesellschaftlichen Ursachen gefragt." Der Rechtsextremismus biete einfache, dumpfe Lösungen für die komplexen Probleme der heutigen Zeit angesichts diffuser Zukunftsängste der Bevölkerung. Griese wies auch darauf hin, dass Rechtsextremismus nicht nur bei Jugendlichen auftrete. "Rechtsextremismus ist kein Randphänomen. Er kommt aus der Mitte der Gesellschaft." Stephan Hartmann vom Kreisverband Schaumburg der Arbeiterwohlfahrt (AWO) berichtete, dass er Rassismus auch schon bei älteren Menschen erlebt habe.
Die Ursachen für eine rechte Gesinnung sieht Griese in den gesamtgesellschaftlichen Bedingungen, den Widersprüchen zwischen den Werten der Gesellschaft und dem, was tagtäglich geschieht. "Wenn wir den Rechtsextremismus bekämpfen wollen, müssen wir auch die Entstehungsbedingungen hinterfragen. Was wir brauchen, ist ein Klima der Anerkennung." Es gebe aber stattdessen Polarisierungsprozesse innerhalb der Gesellschaft. Diese sei "derzeit nicht in der Lage, große Teile zu integrieren". Griese verwies auch darauf, dass Rechtsextremismus kein spezifisch deutsches Problem sei.
"Es geht darum, an sich zu glauben", sagte Klaus-Dieter Drewes (CDU) während der Diskussion. "Wer keine Ziele im Leben für sich sieht, sucht sich Ventile." Sören Hartmann (Linke) kritisierte, dass die Demonstrationen gegen den so genannten "Trauermarsch" der NPD in Bad Nenndorf im August von staatlicher Seite behindert wurden. "Es ist ein Armutszeugnis für die Kommune, dass hier nicht viel gemacht wird." Die Politik habe linke Gewalttäter "herbeiphantasiert", kritisierte auch Jürgen Uebel vom Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt". "Man erwartet von uns Zivilcourage, Bürgerprotest, und wenn er dann da ist, wird er abgewürgt."
"Die Nazis richten sich immer mehr in Schaumburg ein", stellte Örsan Özcan (Linke) fest. In Bückeburg würden Demonstranten von rechten Gewalttätern tyrannisiert. Michael Shara, einer der jüngeren Diskussionsteilnehmer, bestätigte dies. "Die Antifaschisten trauen sich nicht mehr, irgendetwas zu sagen."
Eine Lösung für das Problem hatten jedoch weder Griese noch die anderen Teilnehmer parat. Man müsse "aus dem links-kritischen Umfeld ausbrechen", um die Mehrheit der Bevölkerung zu erreichen, sagte Richard Wilmers, stellvertretender Vorsitzender des "Schaumburger Mosaiks". Die Schwierigkeit dabei, so Jörg Borchers vom Kulturzentrum "Alte Polizei" in Stadthagen, sei die Vermittlung.
Bildunterschrift: Richard Wilmers, Hartmut Griese und Hülya Songün diskutieren mit den Gästen.
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Lippische Landes-Zeitung, 20.09.2010:
Die Lage an Europas Grenzen / Vortrag zur Agentur Frontex in der "Pauline"
Detmold. Ein Vortrag und eine Ausstellung befassen sich am Mittwoch, 22. September, in der "alten Pauline" mit der Situation von Flüchtlingen an den europäischen Außengrenzen. Es geht um die europäische Grenzschutzagentur Frontex.
Hagen Kopp, Mitbegründer des bundesweiten Netzwerks "kein Mensch ist illegal", spricht nach Angaben aus dem Kulturzentrum über Frontex, die seit 2005 an den Grenzen Europas aktiv sei, um Migration unmöglich zu machen. Seit 2006 sei Frontex auch in die Praxis der Massenabschiebungen eingestiegen.
Die Veranstaltung in Kooperation mit der Flüchtlingshilfe Lippe beginnt um 19.30 Uhr in der "alten Pauline", Bielefelder Straße 3, mit einer Führung durch eine Ausstellung zur Situation auf der griechischen Insel Lesbos. Auf Lesbos stranden laut der Mitteilung jährlich Tausende von Flüchtlingen auf der Suche nach einem menschenwürdigeren Leben. Trotz jahrelanger Kritik diverser Menschenrechtsorganisationen seien die Unterbringungsbedingungen dort immer noch katastrophal.
Anschließend soll über Interventionsmöglichkeiten diskutiert werden. Des Weiteren gebe es Informationen zum "No Border-Camp" Ende September in Brüssel.
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Lippische Landes-Zeitung, 20.09.2010:
Austermann lobt Soldaten / Gelöbnis in Augustdorf
Augustdorf. 304 Rekruten der Augustdorfer Garnison haben jetzt in der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne ihr Gelöbnis abgelegt. Gastredner Dr. Reiner Austermann, Bürgermeister der Stadt Lemgo, die die Patenschaft für das Panzergrenadierbataillon 212 inne hat, forderte sie dazu auf, mit Stolz und Selbstbewusstsein auf diesen Tag zu blicken.
Die jungen Soldatinnen und Soldaten könnten beim "Bund" Erfahrungen sammeln, die sie später auch im Zivilleben nutzen könnten. Die Bundesrepublik wiederum habe es trotz vieler Unzulänglichkeiten im Alltag verdient, dass man sich für sie engagiere.
Austermann ging nach Angaben der Bundeswehr auch auf die Diskussionen um die künftige Gestalt der Streitkräfte ein. Die Bundeswehr dürfe nicht zu einer Interventions-Armee werden, die zur Durchsetzung außenpolitischer Interessen rund um den Globus geschickt werde, sie müsse eine Armee bleiben, die nur nach sorgfältiger Abwägung zur Verteidigung von Recht und Freiheit eingesetzt werden dürfe.
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