www.hiergeblieben.de

Veranstaltungen / Nachrichten - Zuspruch für Sarrazin von Bielefelder Polizei-Sprecher , 08.09.2010 :

Tages-Chronologie von Mittwoch, 8. September 2010

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Veranstaltungskalender:


Mittwoch, 8. September 2010 von 11.00 bis 20.00 Uhr:

"Sie sieht mich nicht" - Fotoausstellung der türkischen Journalistin Süreyya Martin zum Militärputsch in der Türkei

Ausstellungsort:

Internationales Begegnungszentrum
Friedenshaus e.V.
Teutoburger Straße 106
33607 Bielefeld

www.ibz-bielefeld.de

"Sie sieht mich nicht"

Unter dem Titel "Sie sieht mich nicht" zeigt das Anatolien Zentrum in Kooperation mit dem Internationalen Begegnungszentrum Friedenshaus eine Fotoausstellung der türkischen Journalistin Süreyya Martin anlässlich des türkischen Militärputsches vor 30 Jahren.

Militärputsch in der Türkei

Am 12. September 1980 übernahm das Militär, unter der Leitung des Generalstabschefs Kenan Evren, mit Gewalt die Macht in der Türkei. Diesem grauenvollen Militärakt folgten 650.000 Festnahmen, 50 Hinrichtungen, 171 zu Tode Gefolterte und viele weitere Menschenrechtsverletzungen.

Süreyya Martin

Süreyya Martin wurde 1958 in Izmir geboren und studierte nach ihrem Abitur Journalismus an der Ege-Universität in Izmir. Zu ihrer Ausstellung sagt sie:

"Ich möchte, dass meine Bilder das Andenken an diejenigen, die von der Erde getilgt werden sollten, aufrecht erhalten, bei Zeitzeugen und anderen, damit sie die Qualen mitfühlen, auf dass die Erde solches Leid nicht wieder sehen soll. Zuallererst aber sind diese Fotos Grüße an die wundervollen Kinder von damals, die gelernt haben, aus Schmerzen Fröhlichkeit zu schaffen, die um einer lebenswerten Welt Willen ihr Leben verloren."



Mittwoch, 8. September 2010 um 19.00 Uhr:

Vortrag von Axel Köhler-Schnura: Die Verantwortung multinationaler Konzerne am Beispiel des Bayer-Konzerns

Veranstaltungsort:

Restaurant SchlossWache
Lange Straße 58
32756 Detmold

www.schlosswache-detmold.de

Axel Köhler-Schnura arbeitet im Vorstand der Coordination gegen Bayer-Gefahren: www.cbgnetwork.org

Eine Veranstaltung der attac-Regionalgruppe Detmold.

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Zusammenfassung:


Die Ausstellung "Wir lebten in einer Oase des Friedens … " dokumentiert die Geschichte der jüdischen Mädchenschule in Herford in den Jahren zwischen 1926 und 1938, die in der Gedenk-, Dokumentations- und Begegnungsstätte Zellentrakt im Herforder Rathaus vom 11. September 2010 bis 29. Januar 2011 zu sehen ist. Im Zentrum stehen dabei die Erinnerungen ehemaliger Schülerinnen, die in Israel, USA, England und Kanada mit der Kamera aufgezeichnet wurden. Erinnert wird aber auch an all die Schülerinnen, die von den Nazis ermordet wurden.

Das Buch "Die Westfälische Diakonenanstalt Nazareth 1914 - 1954, Jahrzehnte der Krise" des Historikers Reinhard Neumann hat die historische Entwicklung der Brüderschaft der Westfälischen Diakonenanstalt Nazareth, insbesondere im Nationalsozialismus, wissenschaftlich aufgearbeitet. Im Vergleich zu anderen diakonischen Gemeinschaften in Deutschland, so Neumann, der umfangreiches Quellenmaterial zum Teil erstmalig ausgewertet hat, seien nur wenige Nazareth-Diakone der NSDAP beigetreten, so waren seinen Angaben zu Folge beispielsweise 1939 von 810 Nazareth-Brüdern nur zehn Mitglied in der SA.

Am 18. Oktober 2009 wurde in Bad Driburg das Mahnmal zum Gedenken an die ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Badestadt in der oberen Langen Straße eingeweiht. Zur Erinnerung an dieses Ereignis hat der "Bürgerpunkt" jetzt eine Broschüre mit Fotos, Gebeten und den damals gehaltenen Ansprachen aufgelegt. Der Initiator der Gedächtnisstätte, Karl Brinkmöller, der Leben und Leiden der jüdischen Frauen, Männer und Kinder, die einst in Bad Driburg lebten und die er alle noch gut gekannt hat, lädt zu einer Stadtführung "Auf Spuren jüdischen Lebens" am 11. September ein.

Der CVJM-Freundeskreis Lippe veranstaltet am 16. September eine Halbtagesfahrt zur Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 - 1945. Einer Führung durch die Dauerausstellung "Ideologie und Terror der SS" schließt sich ein zeitgeschichtlicher Rundgang durch den Ortsrand von Büren-Wewelsburg und das ehemalige Konzentrationslager Niederhagen an.

Die Frauengruppe der "Landsmannschaft Ostpreußen" (LO), Gruppe Gütersloh, im "Bund der Vertriebenen" (BdV) trifft sich 9. September Gütersloher "Brauhaus".

Bei Führungskadern der neonazistischen "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V." (HNG) fanden am 7. September 2010 auf Veranlassung des Bundesministers des Innern länderübergreifende Durchsuchungen und Beschlagnahmen statt. Die Durchsuchungen sollten zeigen, ob die vom Verbot bedrohte HNG sich in "aggressiv-kämpferischer Weise gegen die verfassungsmäßige Ordnung richtet". Regionale Schwerpunkte der Durchsuchungsaktionen waren die Länder Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Auch in Bielefeld hat es eine Durchsuchung gegeben. Wo genau, teilten die zuständigen Behörden nicht mit. In den 1980er Jahren war Christa Görth aus Bielefeld Vorsitzende der HNG. Sie stammte aus dem Umfeld von Michael Kühnen und der "Aktionsfront Nationaler Sozialisten / Nationale Aktivisten" (ANS/NA).

Auf indymedia ist ein zusammenfassender Bericht zum Antifa-Workcamp vom 3. bis 5. September 2010 neben dem Sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock-Senne, dass bereits zum 15. Mal vom Antifaschistischen Kreisplenum Gütersloh organisiert wurde, zu lesen.

Udo Golabeck, Pressesprecher der Polizei Bielefeld und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Alten Hansestadt Lemgo, der sich nach eigenen Angaben noch einmal intensiv mit den Thesen von Thilo Sarrazin beschäftigt hat, wird heute, 8. September 2010, in der Lippischen Landes-Zeitung zitiert: "Sarrazin arbeitet in seinem Buch mit vielen Fakten. Ich kann als Kriminalbeamter, der auch mit Randgruppen zu tun hat, nur sagen, dass die von ihm beschriebenen Situationen von vorne bis hinten stimmen." Auch die viel diskutierte Aussage zum "Rassengen" der Juden hält Golabeck für aus dem Zusammenhang gerissen und durch die Kurzform völlig verfälscht: "Er stellt unter anderem die Geschäftstüchtigkeit der Juden als positiven Wesenszug heraus - belegt durch historische Fakten. Und diese Details stimmen."

Anlässlich der Demonstration gegen Abschiebehaft am 25. September in Büren und Paderborn, lädt die Grüne Jugend Vlotho zu einer Informationsveranstaltung mit Frank Gockel, Flüchtlingsberater und Vorsitzender des Vereins "Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.", ein.

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Herforder Kreisblatt / Westfalen-Blatt, 08.09.2010:
Die letzte Zeitzeugin / Inge Obermeier besuchte ab 1936 eine jüdische Mädchenschule in Wolfratshausen

Bielefelder Zeitung / Westfalen-Blatt, 08.09.2010:
Nur wenige waren "braune Brüder" / Neues Buch über die männliche Diakonie in Bethel befasst sich auch mit dem Nationalsozialismus


Höxtersche Kreiszeitung / Neue Westfälische, 08.09.2010:
Auf Spuren jüdischen Lebens


Höxtersche Kreiszeitung / Neue Westfälische, 08.09.2010:
Zur Erinnerung und Mahnung / Bad Driburger Bürgerpunkt legt Gedenkbroschüre auf


Zeitung für Bad Driburg und Brakel / Westfalen-Blatt, 08.09.2010:
Dokumentation hält die Erinnerung wach / Reden und Gebete der Gedächtnisstätte-Übergabe gesammelt


Lippische Landes-Zeitung, 08.09.2010:
Fahrt zur Wewelsburg / CVJM hat Plätze frei


Gütersloher Zeitung / Neue Westfälische, 08.09.2010:
Ostpreußen-Frauen: Treff im Brauhaus


Westfalen-Blatt, 08.09.2010:
Razzia bei Rechtsradikalen


Neue Westfälische, 08.09.2010:
Neonazi-Razzia in Bielefeld / Bundesinnenminister will "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene" verbieten


indymedia, 08.09.2010:
Antifa-Workcamp in Stukenbrock-Senne / OWL


Lippische Landes-Zeitung, 08.09.2010:
SPD-Basis sähe Ausschluss Sarrazins kritisch / Es gibt unterschiedliche Meinungen zum derzeitigen Provokateur Nummer 1


Vlothoer Zeitung / Westfalen-Blatt, 08.09.2010:
Grüne Jugend informiert

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Herforder Kreisblatt / Westfalen-Blatt, 08.09.2010:

Die letzte Zeitzeugin / Inge Obermeier besuchte ab 1936 eine jüdische Mädchenschule in Wolfratshausen
Herford (man). In der Gedenkstätte Zellentrakt wird am Samstag, 11. September, eine neue Ausstellung eröffnet. Sie befasst sich mit einer jüdischen Mädchenschule in Bayern, die auch von Herforderinnen besucht wurde. Eine Zeitzeugin lebt noch.

Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte der jüdischen Mädchenschule Wolfratshausen in den Jahren zwischen 1926 und 1938. In der vom jüdischen Frauenbund Wolfratshausen (Bayern) gegründeten Hauswirtschaftsschule lernten Mädchen, einen jüdischen Haushalt nach rituellen Regeln zu führen, und sie bereiteten sich auf weiterführende Berufe vor. Während der NS-Zeit entwickelte sich die Schule zum Zufluchtsort. Junge Frauen aus dem gesamten Reich kamen hierher, auch aus Herford. Am 9./10. November 1938 wurden in der Reichspogromnacht alle Schülerinnen und Lehrerinnen gewaltsam vertrieben. Die Schule wurde geschlossen.

Seit Sommer 2002 erforscht ein Team des Historischen Vereins Wolfratshausen unter der Leitung der Historikerin Dr. Sybille Krafft und der evangelischen Pfarrerin Kirsten Jörgensen die Geschichte der Schule.

Die auf diesem Weg entstandene Ausstellung wird durch Herforder Beispiele ergänzt. Grundsätzlich galt auch für die Werrestadt, dass ab 1933 die jüdischen Kinder in ihrem freien Schulbesuch behindert und schikaniert wurden. Nach dem Ende der jüdischen Grundschule im Jahr 1902 hatten die Kinder städtische Schulen besucht. Am 15. November 1938 griff das allgemeine Schulverbot für Juden.

Eine Gymnasiastin erinnert sich an eine Versammlung, bei der der Schulleiter befahl, die jüdischen Mädchen hätten die Aula zu verlassen: "Daraufhin gingen zwei Mädchen raus. Sie mussten an allen vorbei. Es war ein regelrechtes Spießrutenlaufen. Eine weinte. Wir waren alle entsetzt. Ich habe das nicht vergessen können."

Zu den Herforder Schülerinnen, die nach Wolfratshausen gingen, zählt Inge Obermeier - am 14. März 1920 als Tochter des Fabrikanten Adolf Obermeier geboren. Sie lebte mit ihrer Familie in der Villa Lübbertorwall 18 und besuchte ab 1930 das Oberlyzeum (heute KMG). 1936 verließ sie die Schule, "weil die Verhältnisse in der Klasse wegen ihrer Rassezugehörigkeit für sie untragbar wurden". Nach Schulbesuchen in Wolfratshausen und Berlin konnte sie 1939 nach England flüchten und 1941 in die USA auswandern. Sie ist die einzige noch lebende Herforder Augenzeugin aus Wolfratshausen. Seit 1996 lebt die heute 90-Jährige in einem Altenheim in Virginia.

Ausstellung im Zellentrakt

"Wir lebten in einer Oase des Friedens": Diesen Titel trägt die Ausstellung über die Mädchenschule in Wolfratshausen. Die Präsentation, die am Samstag, 11. September, um 18 Uhr eröffnet wird, ist bis zum 28. Januar in der Gedenkstätte Zellentrakt (Rathaus) zu sehen. Zuständig ist das Kuratorium "Erinnern, Forschen, Gedenken", das die Ausstellung aus Wolfratshausen um Herforder Beispiele ergänzt hat. Sie ist samstags von 14 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet - Telefon: 05221 / 189257.

Bildunterschrift: Rolf Löwenstein (unten) mit drei Freunden. Er wurde 1942 deportiert und ermordet.

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Bielefelder Zeitung / Westfalen-Blatt, 08.09.2010:

Nur wenige waren "braune Brüder" / Neues Buch über die männliche Diakonie in Bethel befasst sich auch mit dem Nationalsozialismus

Bethel (WB). Jahrelang hat sich der Nazareth-Historiker Reinhard Neumann mit der Behauptung des Theologen Wolfgang Schnabel, alle Diakone in Bethel seien bis 1937 in die SA eingetreten, beschäftigt. Das Ergebnis seiner Recherchen ist jetzt als Buch erschienen.

Die Behauptung Wolfgang Schnabels in seinem Buch "Geschichte der evangelischen Posaunenbewegung Westfalens" von 2003 sorgte in Bethel bei Zeitzeugen und Angehörigen für große Beunruhigung. Trotz Gegenargumentation hielt sich der Mythos von den braunen Brüdern in Nazareth hartnäckig.

"Es geisterten so viele Mutmaßungen und Legenden über die Haltung der Brüder der Westfälischen Diakonenanstalt Nazareth zum Nationalsozialismus umher, dass es unumgänglich war, darüber zu forschen und die Ergebnisse auf wissenschaftliche Füße zu stellen", sagt Pastor Bernward Wolf, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und zuständig für die diakonischen Gemeinschaften Nazareth und Sarepta. In Absprache mit der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel und der Nazareth-Leitung erteilte der Vorstand daraufhin dem Dozenten Reinhard Neumann den Auftrag, die historische Entwicklung der Brüderschaft in der Zeit von 1914 bis 1954 wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten.

1914 war Pastor Johannes Kuhlo Vorsteher der Diakonenanstalt Nazareth. Er leitete tiefgreifende Veränderungen für die Nazareth-Diakone in Bethel ein. So wurde unter anderem die zölibatäre Lebensform gelockert, und die Brüderschaft gewann neben der Sarepta-Schwesternschaft größere Eigenständigkeit. "Die männliche Diakonie in Bethel wurde 1877 als Hilfsinstrument der Diakonissen gegründet. Diakone wurden dort eingesetzt, wo das Schamgefühl der Diakonissen verletzt wurde, zum Beispiel in der Pflege männlicher Patienten", erläutert Reinhard Neumann. Die Diakonissen hatten das Sagen, die Diakone mussten sich - entgegen dem damaligen Rollenverständnis der Geschlechter - unterordnen.

Politisch dachte Johannes Kuhlo national-chauvinistisch. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1918 und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches machte Kuhlo die "Judensippe" und die "Spartakisten" als Schuldige für den "kommunistischen, gottlosen Umsturz" aus. Seine glühende Verehrung für den Kaiser übertrug er nahtlos auf Adolf Hitler. Ab 1923 war er allerdings nicht mehr Vorsteher der Westfälischen Diakonenanstalt Nazareth. Stattdessen widmete er sich ganz und gar der Kirchenmusik.

Kuhlos Nachfolger Pastor Paul Tegtmeyer, der von 1923 bis 1954 das Amt des Vorstehers in Nazareth innehatte, hegte gegen den Nationalsozialismus eine tiefe Abneigung. Vor allem jüngere Brüder, die ihren Dienst nicht in Bethel versahen, suchten nach Orientierung. Die Propaganda versprach ihnen ein positives Christentum. Doch Pastor Tegtmeyer blieb kritisch. Reinhard Neumann ist überzeugt: "Tegtmeyer hat die Brüderschaft in ihrer Gesamtheit durch die Zeit des Nationalsozialismus gerettet."

Im Vergleich zu anderen diakonischen Gemeinschaften in Deutschland traten nur wenige Nazareth-Diakone der NSDAP bei. 1939 meldete Tegtmeyer auf Anfrage der Deutschen Diakonenschaft, dass von 810 Nazareth-Brüdern zehn Mitglied in der SA seien.

Im Archiv der Stiftung Nazareth hat Reinhard Neumann Quellenmaterial erschlossen, das zum Teil erstmalig ausgewertet wurde und für die Zeit von 1914 bis 1954 neue Erkenntnisse liefert. Besonders bewegt haben ihn die Schilderungen der Soldatenbrüder im Zweiten Weltkrieg. In größter seelischer Not schrieben sie an Pastor Tegtmeyer von den Gräueltaten, die sie erlebten oder die ihnen zu Ohren kamen.

Nach Kriegsende musste Paul Tegtmeyer seine ganze Kraft aufbringen, um die desillusionierten und traumatisierten, heimatvertriebenen oder aus langer Gefangenschaft nach Hause kehrenden Brüder in die Nazareth-Familie wiedereinzugliedern.

Das Buch "Die Westfälische Diakonenanstalt Nazareth 1914 - 1954, Jahrzehnte der Krise" ist jetzt im Luther-Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro (Beiträge zur Westfälischen Kirchengeschichte, Band 36, 380 Seiten, ISBN 978-3-7858-0453-7).

Bildunterschrift: 1940 wurden zum letzten Mal vor Ende des Zweiten Weltkriegs Diakone eingesegnet. Mit auf dem Foto sind Paul Tegtmeyer (2. v. r. sitzend) und Johannes Kuhlo (3. v. r.) mit Parteiabzeichen.

Bildunterschrift: Maria und Paul Tegtmeyer standen als strenge, fürsorgende Eltern der Nazareth-Familie vor.

Bildunterschrift: Für sein Buch hat Reinhard Neumann bisher unausgewertete Quellen im Nazareth-Archiv gesichtet.

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Höxtersche Kreiszeitung / Neue Westfälische, 08.09.2010:

Auf Spuren jüdischen Lebens

Bad Driburg. Der "bürgerpunkt" lädt zu einer Stadtführung "Auf Spuren jüdischen Lebens" ein. In Bad Driburg führt Karl Brinkmöller durch die Stadt. Dabei kann er viel über Leben und Leiden der jüdischen Frauen, Männer und Kinder berichten, die einst in Bad Driburg lebten und die er alle noch gut gekannt hat. Treffpunkt: Samstag, 11. September, um 14.30 Uhr, Lange Straße 68, an der Gedächtnisstätte (nur bei günstiger Witterung). Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung ist zu empfehlen in der Zeit von 16 bis 20 Uhr, Tel. (05253) 2336.

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Höxtersche Kreiszeitung / Neue Westfälische, 08.09.2010:

Zur Erinnerung und Mahnung / Bad Driburger Bürgerpunkt legt Gedenkbroschüre auf

Bad Driburg (sr). Im Herbst vergangenen Jahres ist das Mahnmal zum Gedenken an die jüdischen Bürger der Badestadt, die dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer fielen, in der oberen Langen Straße eingeweiht worden. Zur Erinnerung an dieses Ereignis hat der Bürgerpunkt jetzt eine Broschüre mit Fotos, Gebeten und den damals gehaltenen Ansprachen aufgelegt.

Die Sandsteinstele mit den Namen der Männer, Frauen und Kinder, die entrechtet, gedemütigt, verfolgt und ermordet wurden, konnte auf Initiative einer Projektgruppe des Bürgerpunktes mit finanzieller Unterstützung zahlreicher Bad Driburger und der Stadt vor dem ehemaligen Haus Schiff errichtet werden.

Verbunden mit Worten des Dankes konnte Bürgermeister Burkhard Deppe stellvertretend für die Verwaltung und die Stadtverordnetenversammlung die ersten Exemplare des Heftes von Mitgliedern des Bürgerpunktes entgegennehmen. Die von Peter Möhring unter Mitwirkung von Dr. Udo Stroop zusammengestellte Gedenkbroschüre, die zunächst in einer kleinen Auflage gedruckt wurde, wird demnächst für einen geringen Beitrag im Bürgerbüro erhältlich sein.

Bildunterschrift: Ort des Gedenkens: Mitglieder des Bürgerpunktes übergaben die erste Auflage der Gedenkbroschüre an Baudezernent Markus Baier (2. v. l.), Bürgermeister Burkhard Deppe (4. v. l.), sowie die Vertreter der Ratsparteien (v. l.) Heinz Sablotny (UWG), Dr. Udo Stroop, Peter Möhring, Dr. Hanns Philipzen, Karl Brinkmöller (alle Bürgerpunkt), Petra Nolte (FDP), Klemens Lübeck (CDU), Horst Verhoeven (SPD) und Martin Kluß (Vorsitzender Bürgerpunkt).

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Zeitung für Bad Driburg und Brakel / Westfalen-Blatt, 08.09.2010:

Dokumentation hält die Erinnerung wach / Reden und Gebete der Gedächtnisstätte-Übergabe gesammelt

Bad Driburg (fsp). Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist am 18. Oktober die Gedächtnisstätte für die ermordeten jüdischen Driburger Bürger übergeben worden. Jetzt ist ein Heft erschienen, das dieses Ereignis dokumentiert. Peter Möhring hat das erste Exemplar der Zusammenfassung, die auf Initiative des "Bürgerpunktes" entstanden ist, an Bürgermeister Burkhard Deppe übergeben. Die Idee zu dem Heft hatte Peter Möhring bei der Übergabefeier selbst. "Ich dachte plötzlich: Was hier geschieht, muss festgehalten werden", blickte er bei der Übergabe zurück. Er wollte eine Möglichkeit schaffen, dieses bedeutsame Ereignis für die Bürger zu erhalten, die Ansprachen und die Gebete zu dokumentieren. Als erstes habe er den Bürgermeister um den Text seiner Rede gebeten, auch alle anderen Redner hätten ihre Texte zur Verfügung gestellt. Pfarrer Dietmar Wegner bat Peter Möhring um einige einführende Zeilen, Dr. Udo Stroop half bei der Gestaltung.

Martin Kluß, Vorsitzender des Bürgerpunktes, dankte Peter Möhring für seine Einsatz, lobte aber insbesondere auch Karl Brinkmöller. Der Bad Driburger hat alle Juden der Badestadt persönlich gekannt und war Initiator für die Gedächtnisstätte.

Bürgermeister Burkhard Deppe dankte den Initiatoren des Heftes. Dass Thema sei gerade in diesen Tagen leider wieder aktuell, weil Aufkleber in der Stadt aufgetaucht seien mit rechten Parolen. "Wir dürfen keine dumpfen rechten Parolen in unseren Städten dulden, auch nicht in Bad Driburg", sagte der Bürgermeister.

Das Heft ist für einen geringen Kostenbeitrag im Rathaus zu erhalten.

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Lippische Landes-Zeitung, 08.09.2010:

Fahrt zur Wewelsburg / CVJM hat Plätze frei

Kreis Lippe. Der CVJM-Freundeskreis Lippe veranstaltet am Donnerstag, 16. September, eine Halbtagesfahrt zur Wewelsburg. Eine Führung durch die neu eröffnete Ausstellung und Dokumentation im ehemaligen Wachgebäude auf dem Burggelände wird einen Einblick in die Geschichte der Wewelsburg in der Zeit von 1933 bis 1945 geben.

Für alle Interessierten besteht nach dem Kaffeetrinken noch die Möglichkeit, an einem zeitgeschichtlichen Rundgang durch den Ort teilzunehmen und das ehemalige KZ-Gelände zu besichtigen. Noch sind einige Plätze frei. Gäste sind herzlich willkommen.

Interessierte melden sich unter Telefon (05231) 920659.

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Gütersloher Zeitung / Neue Westfälische, 08.09.2010:

Ostpreußen-Frauen: Treff im Brauhaus

Gütersloh. Die ostpreußische Frauengruppe trifft sich wieder an morgigen Donnerstag (9. September) um 15.30 Uhr im Gütersloher Brauhaus (Unter den Ulmen 9). Interessierte Gäste sind dazu ausdrücklich willkommen.

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Westfalen-Blatt, 08.09.2010:

Razzia bei Rechtsradikalen

Berlin (dpa). Polizei und Justiz haben gestern bei einer länderübergreifenden Razzia Räume der rechtsextremen Hilfsorganisation für Gefangene (HNG) durchsucht. Bei den Durchsuchungen, die es auch in Ostwestfalen-Lippe gab, wurde Material für ein mögliches Verbot des größten Neonazi-Vereins beschlagnahmt.

Durchsucht wurden etwa 30 Wohnungen von Funktionären, Mitgliedern und Anhängern. Die zentral geführte "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V." wurde 1979 gegründet. Sie ist mit etwa 600 Mitgliedern die größte neonazistische Organisation in Deutschland. Erklärtes Ziel ist laut Innenministerium die Betreuung und Unterstützung sogenannter "nationaler Gefangener". Dabei gehe es nicht um eine Resozialisierung von Straftätern und deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft, sondern darum, die nationalsozialistische Gesinnung zu verfestigen.

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Neue Westfälische, 08.09.2010:

Neonazi-Razzia in Bielefeld / Bundesinnenminister will "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene" verbieten

Von Hubertus Gärtner

Bielefeld/Berlin. Mit einer bundesweiten Aktion haben die Sicherheitsbehörden gestern zahlreiche Wohnungen und Büros der "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) durchsucht. Nach Informationen dieser Zeitung fand eine Razzia auch in Bielefeld statt. Einzelheiten zu dem Verfahren wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Die HNG sei "die derzeit größte neonazistische Gruppierung in Deutschland", teilte das Bundesinnenministerium mit. Weil der Verdacht existiere, dass sich der Verein "in aggressiv-kämpferischer Weise gegen die verfassungsmäßige Ordnung richtet", werde derzeit ein Verbot geprüft.

1979 wurde die HNG gegründet, heute verfügt sie über rund 600 Mitglieder. Diese sehen ihre Hauptaufgabe darin, die weltweit inhaftierten deutschen und ausländischen Neonazis als so genannte nationale Gefangene zu unterstützen und zu betreuen. Vor allem Rechtsberatung und Briefkontakte werden vermittelt.

Dabei gehe es "nicht um eine Resozialisierung von Straftätern und deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft", sondern um "die Verfestigung einer beim Straftäter angelegten nationalsozialistischen Gesinnung", so das Bundesinnenministerium. "Die uns vorliegenden Erkenntnisse nähren den Verdacht, dass es der HNG in erster Linie darum geht, die häufig fragmentierte neonazistische Szene jenseits bestehender Grabenkämpfe zu vernetzen und zu stärken", erklärte Innen-Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche.

Auch in den Gefängnissen der Region Ostwestfalen-Lippe ist die HNG in der Vergangenheit gelegentlich aktiv geworden. Die Vertreter hätten stets die "angeblichen Schikanen der deutschen Justiz" angeprangert und versucht, die inhaftierten Straftäter zu "heroisieren", sagte Uwe Nelle-Cornelsen, Leiter der Justizvollzugsanstalt Senne.

Die HNG, die früher durch eine Bielefelderin geführt wurde, gibt monatlich ein Nachrichtenblatt in einer Auflage von rund 700 Exemplaren heraus. In der Publikation werden unter anderem Briefe von Gefangenen und eine Liste mit den Namen inhaftierter Rechtsextremisten veröffentlicht, die einen Kontakt suchen oder von der HNG betreut werden.

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indymedia, 08.09.2010:

Antifa-Workcamp in Stukenbrock-Senne / OWL

Am vergangenen Wochenende fand wie jedes Jahr am ersten Septemberwochenende unser dreitägiges Antifa_Workcamp neben dem Sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock-Senne statt. Hier, zwischen Bielefeld und Paderborn, befand sich während des Zweiten Weltkriegs das Stalag 326, ein Lager für größtenteils sowjetische Kriegsgefangene, von denen an die 65.000 ihr Leben verloren.

Vorausgegangen war unserer Veranstaltung dieses Jahr eine Schändung des Friedhofs durch Nazis in der Nacht auf Dienstag.

Bereits zum 15. Mal organisierte das Antifaschistische Kreisplenum Gütersloh ein Jugendzeltlager, dessen Ursprünge sogar bis Anfang der 1970er zurück reichen. Anlass war damals eine Schändung des Friedhofs in der Nacht vor der Gedenkveranstaltung, die dort sei 1967 immer am ersten Septemberwochenende aus Anlass des weltweiten Antikriegstages stattfindet.

Und auch dieses Jahr, wenngleich schon in der Nacht auf Dienstag, ereignete sich ein beschämender Zwischenfall: Eine der Stelen, die vor den Massengräbern des Soldatenfriedhofs stehen, wurde mit einem Hakenkreuz besprüht und das Denkmal für die 65.000 hier gestorbenen Kriegsgefangenen, ein nach der Befreiung von den Überlebenden errichteter Obelisk, wurde mit dem Spruch "Ruhm und Ehre der Waffen SS" verunziert. Wahrlich eine ruhmreiche Tat deutscher Heldengestalten ...

Gänzlich überrascht waren wir davon allerdings nicht, hatte es in den vergangenen Monaten doch genügend Anzeichen gegeben, dass die regionale Nazi-Szene nun auch in der Kleinstadt Schloß Holte-Stukenbrock Anhänger gefunden zu haben scheint. So tauchten im Frühjahr etliche rassistische und nationalistische Sprühereien auf, immer wieder werden massenweise Aufkleber gesichtet, etwa im Rahmen der Mobilisierung für die Nazi-Aufmärsche in Bad Nenndorf und in Dortmund. Zuletzt wurden unsere Plakate für das Antifa-Camp zerstört beziehungsweise mit NS-Symbolen beschmiert. Schließlich fanden und finden sich verschiedene Hinweise auf hiesige AN-Aktivisten auf der Internetplattform der Nazis aus den Regionen OWL und Schaumburg, "Westfalen-Nord".

Vielleicht auch wegen eben jener Vorfälle konnten wir trotz der zeitgleich stattfindenden Aktionen gegen den so genannten "Nationalen Antikriegstag" in Dortmund gut 100 TeilnehmerInnen begrüßen. Darunter befanden sich auch zwei Gruppen aus Russland. Zum einen waren es SchülerInnen aus Moskau, die ein Schulmuseum zum Stalag 326 haben. Zum anderen waren es Studierende und eine Geschichtsprofessorin aus Moskau. Darunter befand sich auch der Enkel eines ehemaligen russischen Kinder-Zwangsarbeiters, der an der Einweihung des Friedhofs Anfang Mai 1945 teilgenommen hatte.

Freitag Nachmittag begann unser Camp mit einer Führung über den Friedhof. Neben der Geschichte des Stalags und des Baus des Friedhofs durch die Überlebenden galt das Augenmerk nicht zuletzt Aspekten der Vergangenheitspolitik. Während des Kalten Krieges sollte der Friedhof dem Erdboden gleichgemacht und damit jede Erinnerung an die von Deutschen begangenen Verbrechen während des Nationalsozialismus getilgt werden.

Wenn gleich dies wegen der Intervention von sowjetischer und britischer Besatzungsbehörde noch verhindert werden konnte, wurden zwei entscheidende Dinge verändert. Ein Denkmal für die ermordeten russischen Offiziere wurde umgewidmet und erinnert seit den 1950ern an die deutschen Heimatvertriebenen. Und dem erwähnten Obelisken wurde die rote Fahne in Gestalt einer Glasplastik genommen und an ihre Stelle ein orthodoxes Kreuz gesetzt, welches sich trotz Appellen der Überlebenden zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands immer noch dort befindet.

Am Freitag Abend gab es noch zwei Vorträge, die sich mit staatlicher Repression gegen linke Bewegungen auseinander setzten. Zunächst ging es dabei um die Anzeigen und Gerichtsverfahren im Anschluss an Proteste gegen den so genannten Tausend Kreuze-Marsch erzkonservativer und fundamentalistischer Katholiken in Münster vor mehr als einem Jahr. Im Anschluss daran berichtete ein russischer Genosse über die aktuelle politische Lage in Russland und die schwierige Situation für linke und antifaschistische Bewegungen.

Am Samstag fanden zunächst vormittags verschiedene Workshops statt, unter anderem zur regionalen Nazi-Szene, zu Konzepten antifaschistischer Politik, zur augenblicklichen Lage von Mumia Abu Jamal oder auch, mal ganz praktisch, die Instandsetzung des ehemaligen Friedhofs für die italienischen Kriegsgefangenen.

Am Nachmittag lud der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" zu seiner jährlichen Gedenkveranstaltung. Gut 400 Menschen hörten sich die verschiedenen Reden und Grußworte an und auch wir steuerten eine Rede bei.

Nach dem obligatorischen Fußballspiel (die OWL-Auswahl gewann gegen Gütersloh überzeugend mit 4 zu 1 Toren) und dem Abendessen, gab es dieses Jahr statt des Zeitzeugengesprächs eine Filmvorführung. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm "Brigadistas" (roadside-Dokumentarfilm, D 2007), der das vermutlich letzte große Treffen der internationalen Brigaden mit AntifaschistInnen aus aller Welt im Oktober 2006 begleitete. Nach Ende der Vorführung stand uns der Regisseur des Films noch Rede und Antwort.

Abgeschlossen wurde das inhaltliche Programm des Tages mit zwei zeitgleich angebotenen Vorträgen. Während der eine die Geschichte der so genannten Lagerbordelle im Nationalsozialismus beleuchtete, wendete sich der andere dem Thema der Islamfeindlichkeit zu, ein Thema, das uns wohl noch länger erhalten bleiben wird. Traditionsbewusst wie wir sind klang der lange Abend dann mit Liedern von Eisler bis Reiser am Lagerfeuer aus.

Am Sonntag stand neben dem Abschlussplenum und dem gemeinsamen Abbau noch der Besuch der Dokumentationsstätte auf dem ehemaligen Stalag-Gelände auf dem Programm, in der das Leben und die Leiden der Kriegsgefangenen in Stukenbrock nochmals in aller Ausführlichkeit dargestellt wird.

Alles in allem konnten wir wieder mal drei spannende, interessante, bewegende und ausnahmsweise auch mal sonnige Tage in Stukenbrock verbringen. Auf ein Neues im nächsten Jahr.

www.antifa-workcamp.de

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Lippische Landes-Zeitung, 08.09.2010:

SPD-Basis sähe Ausschluss Sarrazins kritisch / Es gibt unterschiedliche Meinungen zum derzeitigen Provokateur Nummer 1

Von unserer Lokalredaktion

Nach seinen provokanten Aussagen zur Ausländerintegration prüft die SPD einen Parteiausschluss gegen Thilo Sarrazin. Doch einen Rauswurf aus der Partei halten viele lippische SPD-Vertreter für falsch.

Kreis Lippe. Udo Golabeck, Vorsitzender der Lemgoer SPD-Ratsfraktion, glaubt, dass sich die Partei mit einem Ausschluss Sarrazins keinen Gefallen tut. Golabeck hat sich nach eigenen Angaben noch einmal intensiv mit den Thesen des Bundesbank-Vorstands beschäftigt. "Sarrazin arbeitet in seinem Buch mit vielen Fakten. Ich kann als Kriminalbeamter, der auch mit Randgruppen zu tun hat, nur sagen, dass die von ihm beschriebenen Situationen von vorne bis hinten stimmen." Auch die viel diskutierte Aussage zum "Rassengen" der Juden hält Golabeck für aus dem Zusammenhang gerissen und durch die Kurzform völlig verfälscht: "Er stellt unter anderem die Geschäftstüchtigkeit der Juden als positiven Wesenszug heraus - belegt durch historische Fakten. Und diese Details stimmen."

Auch Günther Borchard, Fraktionschef der Blomberger SPD, hält den Parteiausschluss von Sarrazin für das falsche Mittel. "Ich persönlich kann seine Haltung absolut nicht teilen. Aber man muss nicht immer mit Ausschluss kommen, das richtige Mittel wäre meiner Meinung nach die Auseinandersetzung mit ihm." Allerdings habe er Zweifel, so Borchard, ob Sarrazin überhaupt an der Auseinandersetzung interessiert ist: "Meines Erachtens ist das ein Selbstdarsteller, der den Konflikt ganz bewusst sucht und provozieren will."

Eduard Böger, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bad Salzufler Rat, fände einen Ausschluss Sarrazins ebenfalls übertrieben. "Eine Volkspartei muss solche Stimmen auch mal aushalten können." Anders sieht Böger dies in Bezug auf Sarrazins Posten als Bundesbank-Vorstand, der nach den provokanten Auftritten nun ebenfalls auf dem Spiel steht: "Eine amtliche Institution wie der Bundesbank entsteht dadurch ein erheblicher Schaden", meint Eduard Böger.

Rainer Brinkmann, Geschäftsführer des SPD-Kreisverbandes Lippe, hält den Antrag auf Parteiausschluss von Sarrazin dagegen für angemessen: "Ich finde es richtig, dass Sarrazin das Thema Integration aufwirft. Leider hat er dies mit abstrusen Gen-Fragen vermischt, die fast rassistisch sind." Sarrazin dürfe nicht so tun, als sei dies die Meinung der SPD. "Als Person des öffentlichen Lebens muss man schon genau überlegen, was man sagt", so Brinkmann. Über den Ausschluss entscheide jetzt eine vom Bundesparteitag gewählte Schiedskommission, die aus Juristen bestehe. Die Basis sei nicht involviert.

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Vlothoer Zeitung / Westfalen-Blatt, 08.09.2010:

Grüne Jugend informiert

Vlotho (VZ). Die Grüne Jugend Vlotho lädt zu einer Infoveranstaltung anlässlich der Demo gegen eine Abschiebung in Büren ein. Interessierte können sich am Montag, 13. September, um 19.30 Uhr im Bonneberger Hof informieren. Referieren wird Frank Gockel, Flüchtlingsberater und Vorsitzender des Vereins "Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren".

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