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Warburger Zeitung / Neue Westfälische , 10.08.2009 :

Ermordet aus blankem Hass / Felix Fechenbach wurde vor 76 Jahren von Nazis im Kleinenberger Wald erschossen

Von Sandra Wamers

Scherfede. Felix Fechenbach wurde am 7. August 1933 ermordet. Eines der ersten Opfer des Nazi-Regimes. Ein Stein im Kleinenberger Wald markiert heute den Tatort. Eine Gedenkveranstaltung hält das Gedächtnis an den sozialdemokratischen Journalisten wach.

Freiheit, Solidarität und Menschenrechte - für diese Grundpfeiler der Demokratie stand Felix Fechenbach ein. Wegen seiner Überzeugungen, von denen er nicht wich, wurde der Detmolder kurz nach der Machtübernahme der Nazis verhaftet am Waldrand zwischen Kleinenberg und Scherfede hinterrücks von Nazi-Schergen ermordet.

"Der Tod Felix Fechenbachs muss uns Mahnung und Ansporn sein, immer und immer wieder diese Werte laut einzufordern", betonte Werner Böhler, Bundestagskandidat der heimischen SPD während in seiner Gedenkrede. "Immer da, wo Menschen wegen ihrer Überzeugung eingesperrt und ermordet werden, seien es Journalisten in Russland, ethnische Minderheiten in China oder Wähler im Iran, die sich um ihre Stimme betrogen sehen." Das gelte auch für Deutschland, wo „"wir dringend weg müssen von der Ellbogengesellschaft und Geiz-ist-geil-Mentalität", mahnte der Bundestagskandidat. Böhler forderte eine Gesellschaft, "in der Worte wie Kinder- und Altersarmut Fremdworte sind". Eine Gesellschaft, die allen den gleichen Zugang zur Bildung biete. "Das garantiert Teilhabe und darüber hinaus auch die Zukunft unseres Landes", betonte Böhler.

Das Erbe des vor 76 ermordeten Sozialdemokraten will die Fechenbach-Stiftung mit Sitz in Detmold aufrechterhalten. An der Gedenkveranstaltung am Samstag nahm daher auch der Vorsitzende der Fechenbach-Stiftung, Rainer Brinkmann, teil. Brinkmann erinnerte daran, dass die Stiftung die Rekonstruktion der bereits mehrmals geschändeten Gedenkstätte Fechenbachs übernehme. "Das ist unsere Pflicht", betonte der SPD-Ratsherr der Stadt Detmold. Brinkmann erinnerte aber auch an die Vereinbarung zwischen der Fechenbach-Stiftung und der Stadt Warburg, welche die Pflege der Gedenkstätte übernommen habe. "Leider ist diese Stätte derzeit in einem traurigen Zustand", sagte Brinkmann mit Blick auf das ungemähte Gras.

Aus dem Leben eines aufrechten Demokraten

Felix Fechenbach wird 1894 in Mergentheim geboren. Nach einer eher dürftigen Schulausbildung absolviert er eine Lehre in einer Schuhwarengroßhandlung. Dort knüpft Fechenbach erste Kontakte zur Gewerkschaft, dem Handlungsgehilfenverband, und zur sozialdemokratischen Jugend. Fechenbach zieht nach München, wo er im Arbeitersekretariat, dem Vorläufer gewerkschaftlicher Rechtsberatung, arbeitet. Nach der Novemberrevolution wird er Sekretär des Ministerpräsidenten Kurt Eisner. Nach Eisners Ermordung wird Fechenbach in einem skandalösen Prozess, in dem es um Veröffentlichungen zur Kriegsschuld Deutschlands geht, wegen angeblichem Landesverrat zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt. Fechenbach wird vorzeitig entlassen und geht nach Berlin, wo er in der reformpädagogischen Bewegung aktiv wird. 1929 tritt er eine Stelle als Redakteur des sozialdemokratischen Volksblattes in Detmold an. Als Journalist schreibt er mit spitzer Feder gegen die Nazis und beteiligt sich als Redner an den Wahlkämpfen im damals noch selbstständigen Land Lippe. Dies und seine Beteiligung an der Revolution 1918 sowie seine jüdische Abstammung machen ihn unter den brauen Horden der Nazis im östlichen Westfalen und in Lippe zur meistgehassten Person. Fechenbach wird eines der ersten Opfer des Nationalsozialismus. Er stirbt im Alter von 39 Jahren, hinterrücks erschossen von SA-Schergen im Kleinenberger Wald. Ein Gedenkstein erinnert an die Tat.

Bildunterschrift: "Felix Fechenbach wurde hier ermordet": Dies ist auf dem Gedenkstein, der an den Sozialdemokraten und Journalisten Felix Fechenbach erinnert, zu lesen. Am Samstag gedachten SPD-Bundestagskandidat Werner Böhler (v. l.), Petra Schröder-Heinrich Pressesprecherin der Stadt Detmold, und Rainer Brinkmann, Vorsitzender der Felix-Fechenbach-Stiftung, an dieses Verbrechen.


lok-red.warburg@neue-westfaelische.de

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