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Westfälische Nachrichten (Kreis Warendorf) , 15.12.2005 :

Türken gaben sich 16 Jahre lang als Libanesen aus

Kreis Warendorf. 16 Jahre lang hatte das türkische Ehepaar mit falscher Identität in Deutschland gelebt in dieser Woche wurde es vom Ausländeramt des Kreises in das Heimatland abgeschoben.

Zur Vorgeschichte: Im März 1989 reiste das Ehepaar zusammen mit seinen vier Kindern in die Bundesrepublik ein und beantragte Asyl. Die Eheleute verschwiegen ihre türkische Staatsangehörigkeit und gaben stattdessen libanesische Namen an. Pässe, die die Angaben bestätigten, wurden nicht vorgelegt.

In mühevoller Kleinarbeit gelang es der Ausländerbehörde des Kreises zusammen mit der Zentralen Ausländerbehörde in Dortmund anhand von Stammbäumen kurdischer Großfamilien, die wahre Identität der Schein-Libanesen zu ermitteln. Erst danach konnten für das Ehepaar beim zuständigen türkischen Konsulat Passersatzpapiere beantragt werden.

Da das Ehepaar in den Jahren ihres Aufenthalts in Deutschland nie konstruktiv mit der Ausländerbehörde zusammengearbeitet hatte und ein Untertauchen befürchtet werden musste, erfolgte die Abschiebung durch die Ausländerbehörde im Beisein der Polizei ohne Vorankündigung. Das Ehepaar wurde vom Flughafen Düsseldorf aus nach Istanbul geflogen.

Die Familie aus Drensteinfurt ist kein Einzelfall. Die so genannten Schein-Libanesen haben vor Jahren bereits besonders in Bremen und Berlin für Aufsehen gesorgt, als ihnen dort Sozialhilfemissbrauch im großen Stil nachgewiesen werden konnte, so Ludger Meinersmann, Leiter der Ausländerbehörde des Kreises. Nach einem Bericht des Focus war die Vorgehensweise der Wirtschaftsflüchtlinge immer die gleiche: Zu Tausenden gaben sie sich als Libanesen aus. Ganze Dörfer blieben in Südostanatolien verwaist zurück. Wegen fehlender Personalpapiere konnten sie bis zum Nachweis ihrer tatsächlichen Herkunft aus Deutschland nicht abgeschoben werden.

Auch die Familie aus Drensteinfurt hat während ihres Aufenthaltes im Bundesgebiet Sozialhilfeleistungen in Höhe von 167000 Euro an Lebensunterhalts- und Unterkunftskosten erhalten. Die Kosten für Krankenhilfe sind dabei noch nicht mit eingerechnet, teilt der Kreis mit.

Seit Anfang des Jahres wurden durch die Ausländerbehörde des Kreises 77 ausländische Staatsangehörige in deren Heimatland abgeschoben. Rund 730 ausreisepflichtige Ausländer halten sich noch mit einer befristeten Duldung der Ausländerbehörde im Kreis auf. Gleichzeitig erhöhte sich aber auch die Anzahl derer, die mit Unterstützung der Ausländerbehörde freiwillig zurückgekehrt sind. Die freiwillige Rückkehr ist für alle Beteiligten der beste Weg, so Meinersmann.


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