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Bielefelder Tageblatt (MW) / Neue Westfälische ,
19.10.2006 :
Schule diskutiert über Nazi-Schülersprecher / Staatsschutz eingeladen / Neuwahlen möglich
Von Ansgar Mönter
Bielefeld. Nach der ersten Schockwelle setzt nun die Diskussion ein. Am Carl-Severing-Berufskolleg für Bekleidungstechnik, Biotechnik, Hauswirtschaft und Soziales ist Schülersprecher Alexander Franke derzeit das Topthema bei Lehrern und Schülern. Wie gestern berichtet, ist Franke ein bekannter Neonazi aus der Region.
Der erwachsene Schüler aus Porta Westfalica erschien gestern nicht zum Unterricht. Auch zum Flugblatt, das die Antifaschisten (Antifa) an der Schule verteilten, äußerte er sich nicht. "Wenn er wieder kommt, möchte ich mit ihm sprechen", kündigte Schulleiterin Marion Friese-Ruff an.
Auch seine Mitschüler aus der Klasse BT (Biotechnik) 6 A haben Gesprächsbedarf mit ihrem Klassensprecher. Gestern versuchten sie – noch reichlich irritiert von der Bekanntwerdung – das Bild von Franke als "netten Mitschüler" mit dem des Rechtsextremisten zusammenzubringen. "Das hätte ich nie gedacht", sagte eine Klassenkameradin gegenüber der NW. "Wir haben ihn gewählt, weil wir denken, dass er uns gut vertreten kann", sagte ein anderer. Seine extremistische Gesinnung sei niemandem aufgefallen in der Klasse, in der auch Schüler zum Beispiel aus Sri Lanka und Weißrussland lernen.
Franke ist Inhaber einer Internet-Domain, auf der eindeutig rechtsextrem agiert wird gegen die Demokratie und gegen Andersdenkende, und auf der die eigenen Mitstreiter als verfolgte Freiheitskämpfer stilisiert werden. "Er ist kein Mitläufer mehr, sondern ein Überzeugungstäter mit exponierter Stellung in der Szene", sagt Jan Raabe von "Argumente und Kultur". Der Verein beobachtet seit Jahren die extreme und militante Rechte in der Region. Franke habe sich in den vergangenen Jahren durch seine Internetarbeit bei den Gesinnungsgenossen profiliert und stehe bei Aufmärschen oft in den vorderen Reihen. Allerdings ist er laut Staatsschutz der Polizei bisher nicht wegen rechtsextremistischer Straftaten aufgefallen.
Am Carl-Severing-Berufskolleg sprachen gestern die Lehrer in einer Klassenkonferenz über den Fall Franke. Über mögliche Konsequenzen aber entscheiden die fast 1.800 Schülern an der Huberstraße. "Der demokratische Prozess hat erst begonnen", sagt Friese-Ruff. Die Schulleiterin hat den Staatsschutz für eine Aufklärungsveranstaltung im November an der Schule eingeladen.
Kritik auch an der Antifa
Grundsätzlich sei, sagt sie, eine Neuwahl des Schülersprechers möglich, wenn die Schüler dies wünschen. Sorgen macht sie Friese-Ruff auch um den internen Frieden an ihrem Berufskolleg. Angeblich sollen gestern Extremisten der linken Szene angekündigt haben, gegen den Schülersprecher vorgehen zu wollen. Wie ernst diese Drohung ist, weiß niemand.
Diese Äußerung ruft Kritik hervor an der Antifa von anderen Stellen, die sich mit dem Rechtsextremismus befassen. Zwar sei, so heißt es, deren Arbeit durchaus ehrenhaft. Dennoch genieße auch ein teilweise öffentlich agierender Neonazi wie Franke Persönlichkeitsschutz. Gegen die Feinde von Demokratie und Freiheit dürfe man nicht mit deren eigenen Methoden vorgehen.
lok-red.bielefeld@neue-westfaelische.de
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