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Die Glocke , 13.10.2006 :

Versuch der Abschiebung scheitert in letzter Minute

Von Alfred Mense

Beckum (gl). Dramatische Wendung im Fall der Beckumer Familie Mrijaj: Weil die Behörden im Kosovo eine Einreise der Eltern ohne ihre Kinder verweigerten, ist gestern nur Vater Lorenc von Düsseldorf aus nach Pristina, der Hauptstadt der autonomen Region, ausgeflogen worden. Der Aufenthaltsort der drei Geschwister im Alter von 13, elf und zehn Jahren ist der Ausländerbehörde des Kreises Warendorf nicht genau bekannt. Sie sollen sich nach "Glocke"-Informationen bei Verwandten in Süddeutschland aufhalten. Mutter Lisa Mrijaj wurde noch gestern zurück nach Beckum gebracht.

Ursprünglich hatte der Kreis Warendorf geplant, die Familie gemeinsam abzuschieben. Ihr Eilantrag, die Abschiebung noch auszusetzen, war gestern Morgen vom Verwaltungsgericht abgelehnt worden. Als die Beamten gestern um 6 Uhr an der Wohnungstür klingelten, waren weder die Mutter noch die Kinder aufzufinden. Während die Beamten Lisa Mrijaj – sie war am Dienstagabend aufgrund eines Schwächeanfalls gestürzt und wurde im St.-Elisabeth-Hospital behandelt – im Beckumer Krankenhaus fanden und sofort mitnahmen, blieben die Kinder verschwunden.

Der Versuch der Ausländerbehörde, Lisa und ihren Ehemann Lorenc, der vom Abschiebegefängnis Büren aus nach Düsseldorf gebracht worden war, alleine in den Kosovo auszufliegen, scheiterte am Veto der dortigen Behörden. Man werde minderjährige Kinder nachträglich nicht ohne Begleitung eines Elternteils aufnehmen, gab Kreis-Pressesprecher Norbert Kampelmann die Argumentation der Verwaltungsbehörde des Kosovo wieder. Nun werde sich der Kreis Warendorf bemühen, die Geschwister zu finden und die Mutter davon zu überzeugen, gemeinsam mit ihren Kindern auszureisen.

Derweil wächst bei den Verwandten und Freunden der Familie der Unmut über die Vorgehensweise der Ausländerbehörde. "Frau Mrijaj ist seit Tagen in einem dramatisch schlechten gesundheitlichen Zustand. Sie ist am Dienstagabend in ihrer Wohnung zusammengebrochen und hat sich verletzt", berichtete Julia Kneissel, die als Vermieterin der Wohnung guten Kontakt zur Familie Mrijaj hat und sich intensiv um ein Bleiberecht für das Ehepaar und die drei Kinder bemüht. Lisa Mrijaj sei trotz ihres labilen Zustandes praktisch aus dem Krankenhaus abgeführt worden. Die Behandlung sei menschenunwürdig. Der Kreis Warendorf vertritt dagegen den Standpunkt, dass die 35-Jährige ohnehin aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte und durchaus reisefähig gewesen sei.


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